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rik Oktober / November

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Die rik (steht für Raus in Köln) erscheint seit April 1985.

12 SZENE Männersaunen,

12 SZENE Männersaunen, Sexarbeit und ein moralinsaurer Staat Die Phoenix Sauna machte am 9. Juni den Anfang mit einem „Soft-Opening“. Ab 15. Juni durfte nach Abnahme des ausführlichen Hygienekonzeptes durch die Stadt Köln auch die Trockensauna öffnen, lediglich die Dampfsauna blieb geschlossen. Dies war frei nach dem Motto „Erlaubt ist, was nicht verboten ist“ möglich. Alle Gäste mussten analog zur Hygieneverordnung des Landes NRW mit Namen, Kontaktdaten und Zeitraum des Aufenthaltes erfasst werden. Ebenso galt die Regel „Beim Laufen oder Stehen Maske tragen, Sitzen ist ohne Maske erlaubt“. Um 1,50 Meter Mindestabstand zu wahren, wurden die Gänge in den Ruhebereichen mit Bodenmarkierungen in Einbahn- Wege verwandelt. Außerdem durften sich gemäß § 10 der CoronaSchVO für Wellnessbetriebe und Fitnessstudios nur 100 bis 150 Gäste gleichzeitig in der Sauna aufhalten, zur Berechnung wurden 7 m 2 pro Gast vorgeschrieben. Diese Regeln wurden regelmäßig von den Mitarbeitern nachgehalten, wer mehr als zweimal ermahnt wurde, flog raus. Am 1. August folgte das Badehaus Babylon nach umfangreichen Umbauten und Renovierungen, auch hier galten nach Abnahme des Hygienekonzepts durch die Stadt Köln strenge Hygieneauflagen, die von den Mitarbeitern sehr ernst genommen und entsprechend kontrolliert wurden. „Dicht an dicht, in Abständen von wenigen Millimetern bis ein paar Zentimeter.“ ORDNUNGSAMT MARSCHIERT EIN Am späten Abend des 7. Augusts erfolgte der erste Streich des Ordnungsamtes, die Phoenix Sauna wurde geräumt und sogar versiegelt. Als Gründe wurden Verstöße gegen die Hygieneverordnung, wie z. B. nicht vollständig ausgefüllte Kontaktlisten und fehlendes Maskentragen, aufgeführt. Betroffene Gäste fühlten sich an die willkürliche Drangsalierung durch die Behörden vor vierzig Jahren erinnert. Tags drauf dann der zweite Streich mit der Schließung des Badehauses Babylon. Betroffene berichteten, dass sie in der Umkleide entgegen allen Regeln „dicht an dicht, in Abständen von wenigen Millimetern bis ein paar Zentimeter zusammengetrieben wurden. SCHWULER SEX PFUI, HETERO SEX HUI? Rund zwei Wochen später äußerte sich die Bezirksregierung in einer inoffiziellen Stellungnahme zu diesem Vorgehen, dass Etablissements, in denen es gewöhnlich zu sexuellen Handlungen kommt, nach § 10 Abs. 1 CoronaSchVO unzulässig sind, und verglich damit indirekt „Männersaunen“ mit sexuellen Dienstleistungen bzw. Bordellbetrieben. Vergleichbare Orte wie Sexkinos und Swingerklubs mit heterosexueller Zielgruppe durften dagegen weiterhin öffnen. Dagegen protestierte

SZENE 13 der Vorstand des ColognePride. Das Vorgehen nimmt den Betroffenen Schutzräume und treibt sie zur Ausübung ihrer Sexualität in Parks und auf Privatpartys. Dadurch stand zu befürchten, dass sich das Infektionsgeschehen erst recht anonym und unkontrolliert weiterverbreitet. RECHT GEBROCHEN? In einer Pressemitteilung vom 6. September forderte der NRWSPDqueer-Landesvorsitzende Fabian Spies die Landesregierung auf: „Corona-Schutz ja, aber Diskriminierung nein! Die Schließung von zahlreichen schwulen Saunen ist in der Sache unbegründet und stellt in mehrfacher Hinsicht eine Diskriminierung dar!“ Am 9. September hat das Oberverwaltungsgericht Münster das Verbot von sexuellen Dienstleistungen in der Coronaschutzverordnung des Landes NRW gekippt. Sie verstoße voraussichtlich gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, entschieden die Richter. „Jetzt muss man schauen, wie man das umsetzt“, erklärte Familienminister und stellvertretender Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) in einer ersten Reaktion auf den Beschluss. Der Geschäftsführer der Phoenix Sauna reagierte prompt mit einer Klage gegen die Stadt Köln. Er geht davon aus, dass „die Verfügung sie in ihren Rechten unangemessen beeinträchtigt und eine vollständige Schließung des Betriebes nicht erforderlich gewesen wäre“. Das sei auch Joachim Stamp hinter die Ohren geschrieben. Wenn er weniger ziellos schauen will, „wie er das umsetzt“, empfehlen wir den Blick nach Berlin, wo Sexarbeit mit Hygienekonzept wieder erlaubt ist. Auch die norddeutschen Länder haben sich nach lauten Protesten auf eine Erlaubnis für das älteste Gewerbe der Welt geeinigt. Was offen bleibt: Warum wird im Jahr 2020 des Herrn Sex zwischen Herren immer noch staatlich anders reglementiert als der zwischen verschiedenen Geschlechtern? *Stefan Kraushaar/ck

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.