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rik Juni/Juli 2020

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Die rik (steht für Raus in Köln) erscheint seit April 1985.

10 DATING

10 DATING #GemeinsamGegenCorona Nach wochenlanger Stille im Kreis meiner üblichen Verdächtigen gehen die ersten Quarantänebrecher behutsam wieder online. - Mal wieder treffen? - Gerne. - Aber diesmal ohne küssen, wir müssen bisschen vorsichtig sein. Safer Sex 2.0 – auf Mundschutz verzichten wir trotzdem. In Zeiten, in denen Amerikaner den Tipps debiler Männer vertrauen – mit Chlor gurgeln und sich Lichterketten in den Hintern schieben –, muss man wohl darauf hinweisen: Der Verzicht auf Küssen beim Sex schützt genauso wenig vor COVID-19 wie Desinfektionsmittel in der Vene oder Licht im Körper. #GoHome, #StayHome, #TotaleIsolation. Nur das schützt die Gesundheit wirklich sicher. Vorausgesetzt, man hat keinen Kerl zu Hause, der ebenfalls durchdreht und zu #HäuslicherGewalt greift. #RauteZeichen Mit „Gemeinsam gegen Corona“ beschallt die Bahn alle paar Minuten ihre Fahrgäste. „Abstand halten“, brüllt die junge Frau dem Jogger hinterher, der sie auf dem Bürgersteig überholt. „Bleib gesund“ hat die „Lieben Grüße“ am Ende einer Mail fast vollständig verdrängt. Bg statt LG. Kommunikation in Zeiten von Corona. Und die Welt redet in Hashtags. Ich schlage nach, was Hashtag eigentlich bedeutet. Es ist eine Enttäuschung. Wenn sich die Frau von McPaper noch einmal mit (Hashtag) Stay- Safe verabschiedet, werde ich sie ... tja, was eigentlich? Umarmen? Küssen? Aus reiner Bosheit? #StandhaftBleiben Ein neuer Tag, eine weitere Runde Roulette. Ich öffne die grellorange App mit der Hornisse. (Dieser Artikel enthält wohl Product Placement.) Stundenlang passiert nichts, abgesehen von einigen Anfragen aus achttausend Kilometer Entfernung, die den Stau ihrer Selbstisolation mit meinen privaten Bildern abbauen wollen. #FickDich Dann habe ich DIE Idee, wie ich mein Profil zum Glühen bringe: Noch nie war Deutschland so schlecht frisiert wie in Zeiten des Shutdown. Also ändere ich meinen Profilnamen in FRISEUR und lade ein Bild von der Schermaschine meiner Schwester hoch. Sie hat einen Hund. Und dann geht plötzlich alles ganz flott, zwei Minuten später: 23 neue Nachrichten. #DrostenFragen Noch am selben Vormittag stehe ich vor dem frisch bezogenen Bett einer mir bis dahin unbekannten Dachgeschosswohnung. Mein Gastgeber datet nach strengem Corona-Fahrplan: Zuerst neun Tage strikte Isolation mit Mundschutz, Gummihandschuhen und Desinfektionsgel. Dann fühle er sich wie eine sichere Bank, sagt er, schließlich zeigten die meisten Infizierten bereits nach fünf bis sieben Tagen erste Symptome. Danach in rascher Folge drei Dates. Zwischen einer möglichen Infektion und dem Zeitpunkt, an dem man selbst zum Überträger des Virus werde, lägen immerhin ein paar Tage. Die SPD würde es wohl das „Gute-Corona-Sex-Gesetz“ taufen. Man kann auch Risikomanagement dazu sagen oder es verantwortungslos nennen. Wenn ich aus dem Haus gehe, setze ich mich immer einer sehr realen und potenziell tödlichen Gefahr aus. Man weiß um diese Gefahr, denkt aber nicht ständig darüber nach. Man würde ja wahnsinnig. Wer sich ans Steuer eines Autos setzt, wird zusätzlich zu einer ebenfalls sehr realen und potenziell tödlichen Gefahr für andere. Die meisten von uns können damit gut umgehen. Und wer das eigene Verletzungsrisiko zuungunsten anderer Verkehrsteilnehmer minimieren will, der kauft sich einen SUV. #Durchhalten Gute Nachrichten: Nach Wochen der Ausgangsbeschränkungen fordert Gesundheitsminister Jens Spahn, man möge sich doch künftig auf „nachvollziehbare Einschränkungen beschränken“. Man fragt sich allerdings, welche Maßgabe bisher für die Verbote galt. Im Radio läuft Mad World. Angela Merkel legt einen Rettungsplan für FOTO: PETER SHERBATYKH / UNSPLASH die heimische Klopapierindustrie vor, die nach der Krise massive Umsatzeinbußen fürchtet. Die Regierungsparteien in allen Bundesländern legen bei der Sonntagsfrage zu – egal welchem politischen Spektrum sie angehören. Hauptsache, sie greifen während der Pandemie hart durch. Gute Führung! We love it! Außerdem meldet die WHO Länder, in denen es trotz Infektionen keine Todesfälle gibt: Vatikanstadt zum Beispiel. Meine überdurchschnittlich kirchenkritische Nachbarin mutmaßt, dass Taschenlampen im Arsch womöglich doch helfen. Oder dass Sex mit Kindern einfach weniger tödlich sei. FOTO: WALDEMAR BRANDT / UNSPLASH #HygienischeEinheit Und zu guter Letzt ruft noch mein Lieblingsverleger an und fragt, ob ich nicht einen Artikel über Sex in Zeiten der Pandemie schreiben will. - Keine Angst vor Shitstorm? Da kann man sich doch quasi gleich hinter einen Güllelaster werfen. - Nö. - Mutig! Also sitze ich jetzt mit Atemschutz und Einweghandschuhen am Schreibtisch meiner Selbstversorger-Gartenlaube in der tiefsten Isolationsprovinz und denke mir Sexgeschichten aus. Ich muss das hier erwähnen, weil mein letztes Seminar über Presserecht bereits Jahrzehnte zurückliegt und ich gerade gar keine Lust habe, das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie“ zu studieren. Womöglich stellt es Tipps zur Umsetzung sexueller Handlungen unter Strafe … oder das Bekenntnis, ebenjene begangen zu haben. #BleibtPanisch Deshalb jetzt noch einmal in voller Deutlichkeit an alle, die bis hierhin gelesen haben: Dieser Artikel ist eine Satire! Geht nach Hause! Bleibt zu Hause! Haltet Abstand! Freut euch auf Shopping, Konsumanreize und Sex in ungefähr tausend Tagen! Löscht bis dahin eure Dating-Apps! Denkt nicht nach über die Zahl der Suizide, die es in den kommenden Monaten geben wird – wegen verlorener Wohnungen, verlorener Jobs, Privat- und Firmeninsolvenzen. Informiert euch nicht über das schwedische Modell! Trauert keinem Bürgerrecht nach! Googelt nicht die Detailzahlen des Robert Koch-Instituts über die genaue Zahl und Verteilung von Infektions- und Todesfällen! Bleibt panisch! Rettet Leben! Wirklich jedes Leben (in Deutschland)! #BleibtGesund *Carsten Heider

UMFRAGEN: ROMEOS und männer* zu Sex und Corona FOTO: DAINIS GRAVERIS / UNSPLASH Kernfamilie, Sexverbot, Virenschleuder – Homosexualität ist wieder schmutzig und unmoralisch. So jedenfalls die Stimmungen kurz nach Beginn der Corona-Krise. Aber wie sieht es inzwischen aus? Halten sich Schwule an die Kontaktbeschränkungen? Akzeptieren sie, dass die Gesellschaft Familie und Sexualität anders definiert, als der homosexuelle Mann? Nachdem wir unseren Kolumnisten theoretisieren lassen haben, hier Ergebnisse aus einer Umfrage des Datingsportals ROMEO mit weltweit rund 75.000 Teilnehmern und unsere eigene über männer* durchgeführten Befragung mit rund 650 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. SEXDATES SIND OUT Tatsächlich definieren 70 Prozent aller ROMEOS (61 Prozent in Deutschland) ein Sexdate als Risiko und verzichten seit Corona darauf. Bei unserer eigenen Umfrage stieg der Anteil von Männern, die keine Sexdates machen, von 8 Prozent vor der Krise, auf 49 Prozent im Mai 2020. BEZIEHUNGEN SIND IN. UND DIVERS Bei den ROMEOS geben insgesamt knapp die Hälfte der Teilnehmer an, in einer Partnerschaft zu leben. Bei männer* liegt der Wert deutlich höher: nur 35 Prozent gaben an, „Single“ zu sein. 33 Prozent führen laut Umfrage eine „offene Beziehung“, 19 Prozent lieben „monogam“, 5 Prozent gaben an, „Friends with Benefits“ als Partner*innen zu haben, jeweils 4 Prozent bezeichnen ihre Beziehung/en als „seriell monogam“ oder „polyamor“. GEILHEIT UND BEISCHLAFINTERVALL In der Umfrage unter den ROMEOS gaben 40 Prozent an, „sehr horny“ zu sein, gleichzeitig habe sich bei 17 Prozent derer, die eine Partnerschaft führen, diese sogar verbessert. Ob sich das in sexueller Zufriedenheit niederschlägt, ergab die ROMEO-Umfrage nicht, Indizien kann aber die diesbezügliche männer* Umfrage bieten: Finden Sie Ihren passenden Partner über Wieviel Sex habt ihr? Vor Corona mit Partner*innen Aktuell mit Partner*innen Vor Corona mit Dates Aktuell mit Dates tägl. 2-3/w. 1/w. 1/m. keinen 2.15% 1.51% 1.79% 0.32% 15.56% 15.55% 17.37% 5.18% 26.16% 18.06% 31.01% 14.24% 18.54% 16.56% 31.17% 20.71% 37.58% 48.33% 18.67% 59.55% Quelle: Nichtrepräsentative Umfrage auf männer* / 630 gültige Antworten Auch in den Antworten auf offene Frage „Was fehlt Dir am meisten“ war Sex, Cruising, Daten bei 39 Prozent ein wichtiges Thema, zwischenmenschlicher Kontakt ohne Sex bei rund 45 Prozent der Befragten. *ck Jetzt parshippen

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