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rik Februar 2017

KÖLN • LIEBE 16 ACH

KÖLN • LIEBE 16 ACH SCHEISSE JETZT SIND DIE AUCH NOCH GLÜCKLICH Drei Jungs auf 50qm und alle in einem Bett #traerchen Vielleicht sollten wir uns jetzt als Allererstes einfach einmal selbst auf die Schultern klopfen. Ja, komm mach! Warum? Weil wir so unsagbar schön #isso und tolerant gegenüber einer anderen Lebensweise sind. Zumindest so lange, wie sie der Unseren ähnelt. In Köln kann man schon eine leichte Tendenz feststellen, dass viele homosexuelle Beziehungen an die der Heterosexuellen der 50er Jahre erinnern. Du bist meine Welt, ich bin deine Welt und gemeinsam sind wir der Beweis dafür, dass wir nicht beziehungsunfähig sind. Wenn man einem Single begegnet, hat man sich noch mehr lieb und bedauert diesen, indem man ihm versichert: „Auch Du wirst irgendwann jemanden finden – und so glücklich sein wie wir es sind.“ Awwwww – süß! Dies ist sicherlich kein homosexuelles Phänomen. Das ist Gang und Gäbe auch bei heterosexuellen Beziehungen. Vielleicht ist es auch einfach nur menschlich. „Eifersucht ist bei uns kein großes Thema“ Aber insbesondere da homosexuelle Paare ja eigentlich nicht diesem „Vater Mutter Kind“-Ideal entsprechen müssen, ist es doch erstaunlich, wie irritiert viele dann reagieren, wenn auf einmal ein glücklicher Single vor ihnen steht, oder schlimmer noch, ein glückliches Trärchen. Ein Trärchen ist ein Pärchen bestehend aus drei Personen. So wie Simon, Johannes und Matthias. Leider sehen alle drei ziemlich gut aus, alle drei studieren (also schlau auch noch) und das Allerschlimmste: sie scheinen echt glücklich zu sein. Für eingefleischte Singles und glückliche Pärchen ist das nur schwer zu ertragen. Es sei denn, man lässt all das, was wir über Beziehungen denken und zu wissen glauben, einfach mal weg, drücken auf Reset und definieren den Begriff „Beziehung“ neu. Vielleicht sehen wir eine Beziehung einfach mal als eine Gruppe von Menschen, die eigenständig und glücklich sind und gerade deswegen gerne Zeit miteinander verbringen. Ja, das klingt nicht sehr romantisch und Elizabeth Taylor hätte mit Whiskeyflaschen nach Richard Burton geschmissen, hätte er ihr so etwas vorgeschlagen. Aber vielleicht macht es ja doch Sinn mehr als nur ein Beziehungskonzept für die Vielfalt der Menschen zu haben, die in unserer Gesellschaft leben. Simon und Johannes haben sich bereits mit 18 kennen- und liebengelernt. Vier Jahre lang lebten sie in einer schwulen, jungen Liebesbeziehung mit Partys, Weihnachten bei der Family, Gayromeo und beim Pläne-für-die-Zukunft-schmieden. „Auch als wir noch zu zweit waren, waren wir kein Paar, das sich sofort bei Gayromeo abgemeldet hat und Regeln aufgestellt hat, was man ab sofort noch darf und was nicht.“ erinnert sich Johannes. Simon lacht und sagt: „Ich war schon immer der Meinung, wenn mein Partner fremdgehen will, dann macht er das sowieso. Wichtig für uns war immer, dass wir auch als eigenständige Personen glücklich sind. Die Beziehug sollte uns bereichern, aber nicht alleine für unser Glück verantwortlich sein müssen.“ Und dann lernten die beiden vor 2,5 Jahren auf einer Geburtstagsparty von Freunden Matthias kennen. „Wir haben uns sofort gut verstanden“, erzählt Matthias. „Und klar, war auch ne sexuelle Anziehung da. Es ist in Köln ja jetzt nicht so ungewöhnlich, dass auch Paare offen sind für nen One Nightstand. Aber es wurde uns allen ziemlich schnell klar, dass da mehr war und wir gerne zu dritt Zeit miteinander verbringen wollten.“ Simon fügt hinzu: „Wenn es uns nur um Sex gehen würde, müssten wir nicht zu dritt auf 50qm zusammenleben. Das ginge auch einfacher.“ Aber wie funktioniert Sex überhaupt in einer Dreierbeziehung? Schlafen die Jungs alle in einem Bett? Hat man da überhaupt Platz? Ist man nicht ständig eifersüchtig und vergleicht sich miteinander? Sind die Probleme, die viele Menschen in Zweierbeziehungen haben mit drei Leuten dann nicht auch dreimal so schwierig? „Eifersucht ist bei uns kein großes Thema“, versichert Johannes. „Wir haben von Anfang an versucht, immer ganz offen über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu sprechen. Irgendwann kam ja zum ersten Mal die Idee der Dreier-

eziehung auf. Da haben wir dann direkt alles auf den Tisch gepackt. Wir haben auch direkt darüber gesprochen, wie es sein würde, wenn man sich trennt oder ob durch Matthias meine Beziehung mit Simon kaputt gehen könnte.“ Simon erzählt weiter: „Wir gönnen es uns einfach auch, wenn die anderen beiden sich gut verstehen. Das mag komisch klingen, aber wenn Johannes und Matthias zusammen lachen oder auch Sex haben, weil ich keine Lust habe, dann bin ich nicht eifersüchtig, sondern freue mich für die beiden“. Johannes stimmt zu: „Wir sehen die Dinge schon sehr pragmatisch, ich glaube deswegen passt das für uns auch so gut. Wir vertrauen uns, sind ehrlich zu einander, aber wir fühlen uns nicht direkt ungeliebt, wenn einer etwas tut, was dem anderen nicht passt. Das gehört einfach auch zu einer Beziehung.“ Nach der Entscheidung, Matthias mit in die Beziehung zu nehmen, kam dann der nächste logische Schritt, das Kommunizieren nach Außen: „Wir sind jetzt zu dritt!“ „Das war schon ein wenig wie ein zweites Outing“, meint Simon. „Insbesondere in den Familien. Unsere engsten Freunde hatten die Entwicklung ja über die Zeit schon mitbekommen.“ Matthias fügt hinzu: „Mittlerweile feiern wir aber mit allen Familien auch Weihnachten zusammen. Drei Feiertage am Stück sind für uns natürlich perfekt. Ostern wird´s dann schon schwieriger alle Familys unter einen Hut zu bekom- men. Unsere Familien sind eigentlich recht cool mit der ganzen Sache umgegangen. Negative Kommentare kommen dann schon eher mal aus der Szene. Da wird dann von Wichsgemeinschaft und sowas gesprochen, das bleibt wahrscheinlich einfach nicht aus.“ „Dann schaue ich die beiden einfach an und sage: Ich liebe euch!“ „Wir hatten einen Auftritt im ZDF in der Sendung „Volle Kanne“ und ein paar Tage später musste ich bei meinem Hausarzt ein Rezept abholen“ erzählt Johannes. „Auf der Rückseite vom Rezept hatte mein Hausarzt einen Zettel geklebt auf dem stand: Mutiger Auftritt im TV. Solche Reaktionen gibt es halt auch und deshalb gehen wir auch in erster Linie an die Öffentlichkeit, wenn wir gefragt werden. Insbesondere wo es heute politisch so viele rückwärtsgewandte Ideen gibt, wollen wir zeigen, es gibt auch Menschen, die anders leben, anders leben wollen und es gibt Platz in unserer Gesellschaft für eine Fülle an Lebensentwürfen.“ „Ich bin total überrascht gewesen,“ sagt Simon, „dass auf unserem gemeinsamen Instagram-Profil bis jetzt ausschließlich positive und liebe Kommentare gepostet wurden. Man hört immer nur von Shitstorm gegen Schwule. Das haben wir bis jetzt noch nicht erlebt und ich finde das macht Mut.“ 17 KÖLN • LIEBE Also ist ne Dreierbeziehung jetzt die bessere Form der Partnerschaft? Sollten wir alle jetzt Dreierbeziehungen eingehen und direkt dafür demonstrieren, dass man auch zu dritt heiraten darf? Die Vorteile liegen auf der Hand: Miete durch drei, mit dem Hund Gassi gehen durch drei, Wasserkasten tragen durch drei und wenn man keine Lust auf Sex hat, muss man sich nicht dazu zwingen, sondern schiebt den Partner einfach ein Kopfkissen weiter. #perfekt Nein. Wahrscheinlich könnte man Elizabeth Taylor auch mit all diesen Argumenten nicht davon überzeugen, dass es nicht nur diesen Einen im Leben gibt, für den man sich verzehrt und für den man sterben möchte. Und das ist gut so. Denn dieser Gedanke bringt Liebesgedichte und Songs hervor und Künstler brauchen dieses Drama, um überhaupt existieren zu können. Um ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Allerdings braucht das nicht jeder. Drei coole Studenten aus Köln brauchen dieses Drama ganz offensichtlich nicht und haben für sich eine funktionierende Lebensweise gefunden. Aber wie mag das dann sein, wenn man sich seine Liebe gestehen will? In den meisten Beziehungen blickt man sich dannn gegenseitig in die Augen und sagt „Ich liebe dich!“ Aber wie macht man das zu dritt? Simon lächelt und meint: „Dann schaue ich die beiden einfach an und sage: Ich liebe euch!“ • Dada Peng

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.