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rik Dezember 2021 | Januar 2022

Musik INTERVIEW TORI

Musik INTERVIEW TORI AMOS: Die Stürme des Lebens FOTO: DESMOND MURRAY Beim Titel fängt es ja schon an. „Ocean to Ocean“, das neue Album der Pianistin, Sängerin und Songschreiberin Tori Amos ist gespickt mit Wasserbezügen. Und das liegt nicht nur daran, dass die 58-jährige US-Amerikanerin mit ihrem Mann Mark Hawley und der gemeinsamen Tochter Tash (21) seit vielen Jahren in Cornwall lebt. „Zum Baden und Schwimmen ist es bei uns schon etwas frisch, da bevorzuge ich das Meer in Florida, wo ich mich unter normalen Umständen häufig aufhalte, weil wir dort unseren Zweitwohnsitz haben“, erzählt Amos am Telefon. Für die Fotos im Album-Booklet sei sie nun jedoch so innig mit dem Ozean vor ihrer Haustür in Berührung gekommen wie lange nicht mehr. „Wir haben die Bilder in einer unglaublich schönen Wasserhöhle gemacht, wir mussten ein bisschen tauchen, um dorthin zu kommen. Zum Glück trug ich einen Neoprenanzug. Aber, wie du dir vermutlich schon denken kannst, ist das Wasser in erster Linie als Metapher zu sehen.“ Weitere Lieder heißen „Swim to New York City“ oder „Metal Water Wood“. Und Amos – seit 30 Jahren weltweit populär, künstlerisch hoch angesehen und nach wie vor als Aktivistin bei RAINN (Rape, Abuse & Incest National Network) sehr engagiert („Corona hat die Zahl der misshandelten Minderjährigen in die Höhe schnellen lassen, weil mit der Schule eine wichtige Kontrollinstanz wegfiel“) – redet nicht lange drum herum, was sie beim Schreiben beschäftigt hat. „Ich befand mich Anfang des Jahres, als die Platte entstand, in einem emotionalen Ausnahmezustand. Ich bin normalerweise ein Feuermensch, doch nun war ich in einer Situation, in der meine üblichen Werkzeuge und Überlebensstrategien versagten. Ich musste gewissermaßen ins Wasser gehen, das Wasser umarmen, mich von ihm verschlingen lassen und am Ende merken, dass ich nicht ertrunken bin. Sondern lebe.“ Auch die ruppige Natur an der britischen Ostküste habe dazu beigetragen, dass Tori Amos wieder zu sich kommen konnte. „Ich habe mich oft in den Wind gestellt und durchblasen lassen. Die Winterstürme in Cornwall haben eine Wildheit, die Respekt und Ehrfurcht abverlangt. Es war so, als ob mich die Stürme zurück ins Leben schleuderten.“ Aber was war eigentlich passiert? Pandemie, politisches Chaos, der Tod der Mutter 2019. Zu sagen, dass die vergangenen zwei Jahre für Tori Amos eine Herausforderung waren, wäre eine groteske Untertreibung. „Es ging in Richtung Depression. Ich war unendlich niedergeschlagen. Es ging mir so schlecht, wie ich das aus meinem Leben bisher so nicht kannte.“ Das Fass zum Überlaufen gebracht habe der Sturm eines Mobs auf das Capitol, den Tori mit Entsetzen im Fernsehen verfolgte und der in ihr die Erkenntnis reifen ließ, „dass unsere Demokratie nur um Haaresbreite überlebt hat. Und dann schrieb ich ‚Metal Water Wood‘ und sah plötzlich den Ausweg aus meiner persönlichen Hölle vor mir.“ Tori Amos verwarf das ursprünglich geplante Album und schrieb innerhalb von wenigen Wochen diese emotional rohen, oft ruhigen, doch extrem unter die Haut gehenden Songs, die vor allem von ihrem Gesang und dem Klavierspiel geprägt sind. Sie erinnern stilistisch an Toris Anfänge mit „Little Earthquakes“, das 1992 rauskam. Ist „Ocean to Ocean“ eine bewusste Rückkehr zu Amos‘ melodisch-intensiven Wurzeln? „Ja, ich sehe diese Parallelen auch. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich mich auch mit „Little Earthquakes“ aus einer schweren Krise befreit habe. Das Album entstand nach meiner Vergewaltigung und nach der Zurückweisung, die ich zuvor in der Musikindustrie erlebt hatte. Im Song ‚29 Years‘ besuche ich den tiefdunklen Ort von damals noch einmal und hoffe sehr, jetzt endgültig damit abschließen zu können.“ *Interview: Steffen Rüth

POP ABBA „Voyage“ Musik Wer der Menschheit zwischen 1972 und 1982 Klassiker wie „Take a Chance on Me“, „Waterloo“, „Dancing Queen“ oder auch „The Winner Takes It All“ und „Super Trouper“ schenkte, der muss nach vierzig Jahren (!) Musik abliefern, die mehr ist als nur ein Aufguss oder Remake. Und das ist Anni-Frid Lyngstad, Benny Andersson, Björn Ulvaeus und Agnetha Fältskog (ABBA) gelungen! „Voyage“ ist das perfekte Nachfolgealbum zum letzten gemeinsamen Studioalbum „The Visitors“, das 1981 dank Hits wie „One of Us“ die Hitparade stürmte. Schon die ersten beiden Hits, die ausgekoppelt wurden, machten klar, dass es sich bei ABBA um Vollblutmusiker handelt, die können, was sie tun. Das hymnische „I Still Have Faith in You“ und die Reggae-Pop-Nummer „Don’t Shut Me Down“ erfreuten die Fans und räumten millionenfach in den diversen Charts ab. Anders als die „artverwandten“ Boney M. ließ ABBA sich nicht darauf ein, alle drei oder vier Jahre ein Remix-Comeback zu zelebrieren, es gab keinen ABBA-Megamix und auch keine Touren. Die vier Musiker*innen pausierten einfach, hatten Solo- Karrieren, machten Musicals und widmeten sich der Familie, bis es 2018 klick machte und sie Lust darauf hatten, wieder zusammen als ABBA Musik zu machen. Ohnehin hatte sich die Band nie offiziell getrennt. Ähnlich wie Barbra Streisand setzen die vier Skandinavier*innen auf zeitlosen Pop, der nicht auf die Charts oder aktuelle Trends schielt – das könne er auch gar nicht, wie Benny Andersson im Interview sagte. Für die vier Künstler*innen ist es wichtig, dass es ihnen gefällt und dass es Spaß macht. Und das hört man raus. „Voyage“ ist ein ganz wunderbares Album, das einem der wichtigsten Comebacks der Popmusik ein Denkmal setzt. *rä www.abbasite.com POP Little Mix: „Between Us“ Willkommen zurück! Little Mix, das sind Perrie Edwards, Leigh- Anne Pinnock sowie Jade Thirlwall. Seit 2011 sind die Engländerinnen schon musikalisch vereint und landeten Hits wie „DNA“, „Woman Like Me“, „Sweet Melody“, „Cannonball“ sowie „Heartbreak Anthem“ und „Black Magic“. Die Girlgroup gewann einst bei der Castingshow The X Factor, macht sich stark gegen Bodyshaming und setzt sich immerzu für queere Rechte ein. Mitte November soll ihr neues „Greatest Hits“-Album „Between Us“ erscheinen. Unsere Anspieltipps sind „Kiss My (Uh-Oh)“, „Wings“ und „Shout Out to My Ex“. *rä „NEU ERZÄHLEN“ DAS NEUE ALBUM IM NAMEN DER LIEBE TOUR 2022 MIT NEUEN HITS UND GROSSEN KLASSIKERN NACHHOLTERMIN 05.09. DRESDEN 07.09. HAMBURG 08.09. LEIPZIG 10.09. HANNOVER 11.09. BOCHUM 12.09. KÖLN DAS NEUE ALBUM „IM NAMEN DER LIEBE“ JETZT ÜBERALL! TICKETS unter: www.eventim.de 14.09. MÜNCHEN 16.09. FRANKFURT AM MAIN 17.09. NÜRNBERG 18.09. BERLIN

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