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rik August / September 2021

MUSIK NACHGEFRAGT TOM

MUSIK NACHGEFRAGT TOM ODELL: „ziemlich traumatische Phase“ Es ist noch gar nicht so lange her, da war es undenkbar, dass Musiker*innen über ihre psychische Gesundheit sprechen. Sicher, man wusste von ihren Drogenexzesse und anderen Eskapaden, aber irgendwie gehörte das einfach dazu und die Frage, warum sie sich in Suchtmittel flüchteten, wurde meist mit dem Fingerzeig auf die Probleme abgetan, die man nun mal als Star so hat. Dass viele von ihnen schon vor der Karriere oft Hilfe benötigt hätten, war kein Thema. Geschweige denn, was Erfolg wirklich mit einer Seele anstellen kann. Doch seit einigen Jahren verarbeiten Musiker*innen solche Erfahrungen nicht nur mehr und mehr ungeschminkt in ihren Liedern, sie sprechen offen und ehrlich über ihre Ängste, ihren Stress, über Panikattacken oder Depressionen und weiterreichende Diagnosen. So stehen sie uns jetzt nicht nur metaphorisch in und mit ihren Werken bei, sondern zeigen sich für alle Welt sichtbar als genauso gebrochene Menschen, wie wir alle. Einer von ihnen ist Tom Odell, der in den letzten Jahren seinen eigenen Weg im Umgang mit Angst und Panikattacken finden musste, und das nun nicht nur auf seinem neuen Album „Monsters“ thematisiert. „Das lauerte schon länger in den Schatten“, sagt er. „Doch irgendwann begann es wirklich Einfluss auf mein Leben zu nehmen. Ich kam an den Punkt, dass ich nicht mehr arbeiten konnte. Ich war in München, als ich meine erste große Panikattacke hatte und im Krankenhaus endete. Ein paar Monate später passierte es dann wieder …“ Er gesteht, dass er gar nicht vorhatte, das in seiner Musik zu verarbeiten – aber auf der anderen Seite stellte er fest, dass das alles war, worüber er schrieb und schreiben konnte. „Es war einfach eine ziemlich traumatische Phase.“ Er betont, dass es ihm zurzeit gut geht und dass es ihm sogar schwerfällt, genau zu beschreiben, wie es sich angefühlt hat – ein Problem, dass jeder kennt, der versucht, diese inneren Vorgänge anderen verständlich zu machen. Aber gerade hier kommt die Kunst als vielleicht der beste Weg ins Spiel, um solche Erfahrungen zu kommunizieren. Zum Beispiel ein Track wie „Noise“, der zwischen den intensiven, aber trotzdem wunderbaren Melodien der meisten neuen Lieder wie ein Überfall auf die Psyche ist, und in seinem Effekt durchaus das Gefühl einer aus dem Nichts kommenden Panikattacke nachfühlbar macht. „Es ist so erschreckend, weil du eigentlich nicht weißt, was plötzlich los ist“, sagt Tom. Diesen Zustand fängt er in „Noise“ oder auch in „Problems“ auf einzigartige Weise ein. Diese Tracks „fühlen sich so ungefiltert und rau an, regelrecht unangenehm“. Er und sein Team haben sich stark von Frank Ocean, Travis Scott und den vielen jungen Rappern inspiriert gefühlt, die offen und direkt ihr Innenleben kommunizieren. Auch auf dem Rest des Albums ist der Einfluss der jüngsten Generation hörbar. Die Lieder klingen bewusst wie Bedroom- Pop-Aufnahmen, ohne sich deswegen klein zu machen oder sich zurückzuhalten. Außerdem lässt Tom das erste Mal elektronische Einflüsse in seiner Musik zu und erreicht dadurch neue Klangwelten. Nicht alles dreht sich dabei direkt um seine eigenen Probleme – diese Erfahrungen haben vielmehr seine Sinne und Aufmerksamkeit für die Dramen unserer Welt geschärft, denen er sich auf vielen Arten annimmt. Denn letztlich ist auch der Zustand dieses Systems mit seinen Krisen, seinen Ungerechtigkeiten und überbordenden Erwartungen genau das, was auf jede einzelne Psyche zurückfällt … und nicht nur Tom täglich vor die Frage stellt, wie man mit sich und der Welt eigentlich umgehen soll. „Monsters“ hat keine Antworten. Aber es ist voller Erfahrungen und Einsichten. Und es ist gut, dass er das alles mit uns teilt. *Interview: Christian K. L. Fischer

COUNTRY Brett Young „Weekends Look a Little Different These Days“ MUSIK Der sexy Singer-Songwriter Brett Young verleiht dem Genre Country deutlich mehr (Pop-)Breite und eine moderne Leichtigkeit, die optisch eher Vans Sneakern und Beanies zuzuordnen ist, als Cowboy-Hüten und Stiefeln aus Krokodilleder. Hör mal in sein Album rein! MUSICAL Andrew Lloyd Webbers Cinderella Pünktlich zum 50. Jubiläum seines „Jesus Christ Superstar“-Meilensteins hat Andrew Lloyd Webber sein nächstes Musical-Album angekündigt – „Cinderella“. JETZT ÜBERALL ALS STREAM UND DOWNLOAD ERHÄLTLICH DOMINIK KLEIN EP REFLECTIONS INKLUSIVE DER SONGS BORDERS & SHINE A LIGHT Eingesungen wurde das Album zum neuen Märchen-Musical unter anderem von den Schauspieler*innen, die ursprünglich schon im Oktober die Weltpremiere des neuen Bühnenstücks in London hätten präsentieren sollen. Aufgrund der Pandemie nun jedoch zuerst als Album erhältlich und ab Frühsommer 2021 dann hoffentlich auch live zu erleben, besticht die Albumversion von „Cinderella“ obendrein mit etlichen Überraschungsgästen wie Carrie Hope Fletcher. INDIE Bleachers „Take the Sadness Out of Saturday Night“ Während mit dem Beginn der Pandemie im vergangenen Frühjahr große Teile der Welt still zu stehen begannen, steigertet sich Frontmann und Kopf der Band Jack Antonoff in seine Arbeit und produzierte für unzählige A-Liste-Stars (u. a. Taylor Swift, Lana Del Rey & FKA Twings), gewann den Grammy für das Album des Jahres und schrieb zudem ein neues Bleachers-Album. Unser Anspieltipp ist „Stop Making This Hurt“. MY PRIDE SONG 2021 MAJESTIC X BONEY M. RASPUTIN ÜBERALL ALS STREAM UND DOWNLOAD!

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