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rik August/September 2020

Die rik (steht für Raus in Köln) erscheint seit April 1985.

REISE URLAUB

REISE URLAUB 2020 – WAS JETZT? FOTO: TEDDY TRAVEL Urlaubspläne geplatzt, Existenzen bedroht – die Corona-Krise sorgt auch in der LGBTIQ*-Tourismusbranche für einige Unsicherheit. In den Räumen des Kölner Reisebüros Teddy Travel herrscht aktuell gähnende Leere. Seit 37 Jahren ist Jochen Volland Inhaber des traditionsreichen schwulen Unternehmens in der Mathiasstraße, dessen Kunden zu etwa fünfzig Prozent aus der LGBTIQ*-Community stammen. Die Corona-Krise hat fast alle Reisepläne zunichtegemacht. „Zwischen März und Mai hatten wir kaum neue Buchungen und auch nach den Lockerungen ist bisher keine Verbesserung zu spüren“, so Volland. „Das gesamte Team ist in Kurzarbeit und das wird auch wohl bis September oder Oktober so bleiben.“ Zwar hat Volland die erste staatliche Hilfe von 9.000 Euro schnell bekommen, um einen Kredit der KfW, der ihm das Überleben für ein Jahr ohne Gewinne sichert, musste er allerdings hart kämpfen. Als Eigentümer der Büroräume muss er zum Glück keine Miete zahlen, dafür flossen allein im März etwa 40.000 Euro Rückzahlungen an Kunden, deren Urlaub storniert wurde. „Alle unsere Kunden haben Geld statt Gutscheine bekommen, allerdings weigern sich Fluggesellschaften wie Lufthansa, Eurowings oder KLM/Air France beharrlich, die gesetzlich vorgeschriebene Erstattung vorzunehmen, und haben die entsprechende Funktion in den Buchungssystemen einfach abgeschaltet“, so Volland. URLAUB WIRD ANDERS Auf lange Sicht blickt Jochen Volland zwar positiv in die Zukunft, kurzfristig sind für den 60-Jährigen aber längst nicht FOTO: KERLE.REISEN alle Unwägbarkeiten geklärt. „Bis es eine Impfung gibt, wird der Urlaub, wie wir ihn kennen, sicherlich anders verlaufen. Wer verreist, muss damit rechnen, dass vielleicht der Zugang zum Hotelpool reglementiert wird oder Ähnliches.“ Für den Winter sieht der Reiseprofi vor allem eine Chance für Ziele wie die Kanarischen Inseln oder das Rote Meer. „Bei Langstreckenzielen wie USA, die Karibik oder Südamerika sehe ich für die Wintersaison erst einmal schwarz. Am ehesten werden wohl Ziele in Fernost wie etwa Thailand wieder möglich sein“, so Volland. Kurzfristig sieht er vor allem eine Chance bei Zielen innerhalb Deutschlands wie etwa Berlin, Sylt, den Schwarzwald oder seine Heimatstadt Köln. FOTO: PINKTOURS KERLE REISEN INDIVIDUELL Das Thema „Heimat erkunden“ spielt auch bei dem im Frankfurter Raum ansässigen Reisevermittler Kerle. reisen eine wichtige Rolle. „Wir haben aktuell viele individuelle Touren in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgenommen und bieten spannende Programme etwa an der Nordsee oder nach Bayern an“, so der Inhaber Martin Richter. Normalerweise hat sich sein vor vier Jahren gegründetes Unternehmen auf Aktiv-Gruppenreisen für schwule Männer spezialisiert. Nun mussten für 2020 bereits dreißig Reisen abgesagt werden. In der Existenz bedroht sieht sich Martin Richter noch nicht. „Im Moment leben wir von unseren Rücklagen, und auch die 9.000 Euro staatliche Corona-Hilfe haben wir in Anspruch genommen“, so der 41-Jährige. Die ersten Gruppenreisen, etwa in den Bayerischen Wald Anfang Juli oder rund um die Ostsee Mitte Juli, werden voraussichtlich stattfinden. „Wir sind optimistisch, dass die Gruppenreisen im Herbst, etwa nach Taiwan oder Namibia, ebenfalls durchgeführt werden können. Das Buchungsinteresse ist da und die Teilnehmer gehen kein Risiko ein, wenn die Reise doch noch abgesagt wird, da das Geld erstattet wird.“ KUNDEN VERUNSICHERT Erst einmal keine Gruppenreisen plant dagegen Claus Abraham. Der 56-jährige Franke vermittelt unter der Marke Pinktours individuelle Urlaube, veranstaltet aber auch selbst Gruppenreisen. „Coronabedingt mussten wir unsere Reisen zum Songkran-Festival nach Bangkok und zum Tel Aviv Pride absagen“, so Abraham. Auch er nahm die staatliche Corona-Hilfe in Anspruch und schickte seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. „Seit 18. März sehen wir so gut wie keine Buchungen, die Kunden sind extrem zurückhaltend“, so der Pinktours- Chef, der im Moment hauptsächlich mit der Abwicklung von Stornierungen beschäftigt ist. „Wenn man die Bilder von Flugbegleitern sieht, die wie auf einer Intensivstation herumrennen, ist der Kunde natürlich verunsichert“. Chancen sieht auch er für Reiseziele wie die Kanaren oder Thailand. Doch nachdem die Bundesregierung angekündigt hat, bei einer möglichen zweiten Corona-Welle keine Rückholaktionen mehr durchzuführen, sieht Abraham auch hier ein gewisses Risiko, das nicht jeder eingehen will. *dax

LGBTIQ* packen den Koffer Eine im Sommer 2019 im Auftrag von Visit Brussels europaweit durchgeführte Studie ergab, dass Deutschlands Schwule, Lesben und Transgender pro Jahr mit im Durchschnitt knapp neun Kurzreisen sowie drei Urlauben von mehr als sieben Tagen absolute Spitze im Vergleich zu den europäischen Nachbarn sind. Eine aktuelle Umfrage der blu Mediengruppe zeigt zudem, dass Reisen in Zeiten nach der Corona-Epidemie weiterhin einen hohen Stellenwert besitzt. Unter den Mitgliedern der LGBTIQ* Community wollen 27 Prozent unmittelbar nach Lockerung der Reisebeschränkungen wieder verreisen, 35 Prozent gaben an, innerhalb der nächsten drei Monate wieder in den Urlaub zu fahren. Weitere 22 Prozent beabsichtigten eine Reise innerhalb der kommenden sechs Monate. Für die Zeit nach Corona wollen 26 Prozent ihren nächsten Urlaub in Deutschland verbringen, während 22 Prozent Länder des Mittelmeerraums wie Spanien oder Italien bevorzugen, so das Ergebnis der Umfrage. 17 Prozent haben dagegen Reisen in Nachbarländer wie Österreich, die Schweiz oder die Niederlande vor. Immerhin 20 Prozent planen noch in diesem Jahr Urlaub an einem Langstreckenziel. Vor allem Länder in Südostasien wie etwa Thailand oder Ziele in Nordamerika liegen hier mit jeweils 4 Prozent im Trend. Weitere 8 Prozent gaben an, in der zweiten Jahreshälfte eine Kreuzfahrt unternehmen zu wollen. *dax FOTO: PIXABAY.COM Maspalomas feiert Pride im Oktober REISE Wie viele andere Veranstaltungen wurde auch der für Mai geplante Gay Pride auf Gran Canaria aufgrund der Corona-Krise abgesagt. Wer in diesem Jahr auf das Feiern nicht verzichten will, bekommt eine zweite Chance: Mit einem neuen Termin vom 2. bis 11. Oktober wagen die Veranstalter einen weiteren Versuch, den Event 2020 doch noch stattfinden zu lassen. Damit fällt das neue Datum mit der fünften Ausgabe des bereits geplanten Freedom Festival zusammen. Noch arbeiten die Veranstalter am finalen Programm, das neben internationalen DJs auch Liveshows und vermutlich eine Parade enthalten wird. Als eine der ersten Liveacts hat die niederländische Sängerin Loona ihr Kommen bestätigt. Über den aktuellen Stand des Maspalomas Pride 2020 kann und sollte man sich auf dessen Website informieren. *dax www.maspalomaspride.es FOTO: DAX Preisträgerin KANOKKARN BRENDLE (Thailand Tourismus) Spartacus Awards 2020 Die diesjährigen Gewinner des Spartacus Travel Award stehen fest. Die üblicherweise im Rahmen der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) vergebenen Preise wurden aufgrund der Corona-Krise den Gewinnern individuell überreicht. In diesem Jahr konnte sich Thailand als LGBT-Trenddestination 2020 vor Konkurrenten wie Kolumbien, Puerto Rico, Spanien und Taiwan durchsetzen. Die Tourism Authority of Thailand, vertreten mit der Kampagne „Open to the new Shades“, war ebenfalls in Kategorie „Beste LGBT- Marketing Kampagne“ nominiert. In dieser setzte sich allerdings der deutsche Ferienflieger Condor mit seinen CSD-Auftritten, einer Pride- Flight-Aktion nach New Orleans und der Anzeigenkampagne „Flying with Pride: Wish you were queer“ gegen weitere Mitbewerber wie Spanien und das Illinois Office of Tourism durch. Dafür belegte die in Illinois gelegene Metropole Chicago in der Kategorie „Beste LGBT-Event-Destination 2020“ mit ihren Veranstaltungen wie Pride, International Mister Leather und den Market Days den ersten Platz und verwies Miami, Fort Lauderdale und Brüssel auf die Ränge. Als beste Airline wurde Air France geehrt, den Preis für die beste Hotelmarke konnte die Axel Group für sich verbuchen. *dax

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.