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rik April / Mai 2021

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6 SZENE Auferstanden aus

6 SZENE Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt Kölner Szene vor dem Neustart FOTO: LUCAS CARL / UNSPLASH.COM /CC= Nachdem Anfang März ein erster Stufenplan zur Wiedereröffnung verabschiedet wurde, hat sich rik bei Szenen- Anbietern aus der Gastronomie, der Kultur, der Saunenwelt und dem Partybereich umgehört. Was sind ihre Hoffnungen und Erwartungen für die Zeit ab Ostern? Welche Vorbereitungen treffen sie, um unter weiterhin eingeschränkten Bedingungen für ihre Gäste da zu sein? Übereinstimmend berichten sie, dass die Ungeduld groß ist, das vor der Pandemie gewohnte schwule Leben wieder aufzunehmen. Geselligkeit lässt sich eben nicht digitalisieren. SASCHA BAYER Inhaber vom Restaurant & Bar „Louis – The Breakfast Club Cologne“ Als Sascha das Louis an der Zülpicher Straße / Ecke Dasselstraße Ende 2019 eröffnete, startete er mit jeder Menge Ideen ein ungewöhnliches Gastronomiekonzept u.a. Frühstück den ganzen Tag. Kurze Zeit später zwang ihn der Shutdown 2020 schon wieder zur Schließung. Er ließ sich aber nicht unterkriegen und blieb mit Außer-Haus-Verkauf von heißen und kalten Getränken am Ball. Dank des großzügigen Außenbereichs vor und neben dem Lokal blieb die Location den Sommer über trotz Schutzverordnung für die zahlreichen Gäste attraktiv. Mit Live-DJs am Wochenende und Drag Bingo mit Kneipenquiz durch Pam Pengco, ließ er sich immer wieder Specials für seine Gäste einfallen. Anfang November machte der zweite Shutdown alles wieder zunichte, nur der Außer-Haus-Verkauf von Getränken und Naschwerk konnte aufrechterhalten werden. Dieser wird bis heute rege von der Nachbarschaft aus dem Veedel und den zahlreichen Spaziergängern aus dem nahegelegenen Grüngürtel genutzt wird. Nach Ostern rechnet er optimistisch zumindest mit der Öffnung der Außengastronomie. Dabei würde er Maßnahmen zur Erfassung der Kundendaten wie z.B. verbindliche Reservierungen begrüßen. „Schließlich hängt von der Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten die dauerhafte Senkung der Inzidenzen ab und davon wiederum die Lockerungen für die Gastronomie“ sagt Sascha. Er appelliert auch an die Eigenverantwortung der Gäste: „Je eher sich jeder an die Regeln hält, desto schneller können wir wieder ein halbwegs normales Leben führen.“

KALLE FEIL Betriebsleiter, Phoenix Sauna Köln Die Schließung durch die Pandemie und die Behördenwillkür im August 2020 haben die Phoenix Sauna hart getroffen. Aber sie nutzt den Shutdown, um notwendige Renovierungen durchzuführen und eventuell eine Klimaanlage einbauen zu lassen, wenn das Geld reicht. Über Wasser halten kann sie sich dank Überbrückungshilfen, Entgegenkommen des Vermieters und Kurzarbeitergeld „Wir sind dankbar für die Unterstützung, ohne sie könnten wir die laufenden Kosten nicht mehr lange stemmen“ berichtet Kalle bei einem Kaffee in der grünen Oase des Phoenix- Außenbereichs. Von vielen Stammgästen hört er, wie sehr sie die Sauna nicht nur als Cruising-Location, sondern auch als Schutzraum vermissen. Durch die aktuelle Situation ist vielen erst bewusst geworden, was ihnen eine schwule Sauna bedeutet. Insbesondere für ungeoutete Gäste aus dem Umland ist sie oft der einzige Ort, Kontakte zu knüpfen und ihre Sexualität auszuleben. Für die Zeit nach dem Shutdown fordert Kalle „mehr gegenseitigen Respekt und Wertschätzung“. Er rechnet allerdings nicht mit einer SZENE 7 Öffnung vor September: „Trotz vorbildlichen Hygiene-Konzept wäre ich sehr überrascht, wenn es schon vorher möglich sein sollte, die Phoenix wieder zu öffnen“. TOM FASSHAUER Veranstalter SEXY-Party, Arena NOW, Heavenue, sowie Gründer & Gesellschafter von Medicare Testzentrum MARCOS SCHLÜTER alias RENÉ GLIGEE Betreiber „Mittelblond“ Kulturkneipe und Kult-Comedy-Bühne Mit dem Mittelblond verwirklichte Marcos sich einen Traum. Schon vorher brachte er sein Publikum jahrelang in der legendären Filmdose zum Lachen. Aber mit diesem Schritt übernahm er auch Verantwortung für ein ganzes Ensemble, was ihm nach kleinen Anlaufschwierigkeiten auch gelang und heute die drei Stücke unter normalen Umständen Monate im Voraus ausverkauft sind. Doch vor einem Jahr hat die Corona- Krise der Kultur und damit auch dem Mittelblond den Stecker gezogen. Dank Überbrückungshilfen und nicht zu vergessen den zahlreichen Paten war es bisher möglich, die laufenden Kosten zu decken. Doch aufgrund des begrenzten Raums (das Theater hat 48 Plätze) und den gesetzlichen Vorschriften kann selbst bei gelockerten Shutdown keine auch nur annähernd kostendeckende Show angeboten werden. Daher rechnet Marcos frühstens im September mit einer Wiedereröffnung. „Und selbst wenn dann wieder jeder Platz besetzt werden darf, ist die Krise noch lange nicht vorbei“ berichtet Marcos. Denn alle abgesagten Shows müssen nachgeholt werden, da die bereits verkauften Tickets ihre Gültigkeit behalten haben. Da sich das Mittelblond aber auf seine Stammgäste und Paten verlassen kann, wird sich der Vorhang irgendwann wieder öffnen und Marcos sie als René Gligee mit einem fröhlichen „Hömma Höööllle!“ empfangen. Die Hygiene-Schutzverordnung zwang die Veranstalter der SEXY gleich zweimal zur Absage: erst musste die geplante Party im Bootshaus an Ostern 2020 dran glauben und wenig später wurde durch den Verlauf der Pandemie klar, dass auch die SEXY PRIDE WORLD in der Lanxess-Arena abgesagt werden musste. Aber Tom blieb nicht untätig und nutzte die Kontakte zur Lanxess-Arena für die Entwicklung des einmaligen verordnungskonformen Veranstaltungskonzeptes Arena NOW, was viele Live-Konzerte trotz Pandemie im Sommer und Herbst 2020 ermöglichte. Als auch dies aufgrund strengerer Regeln nicht mehr möglich war und auch sein schwuler Weihnachtsmarkt „Heavenue“ abgesagt werden musste, hat er zusammen mit seinem Geschäftspartner aus dem Bootshaus den nächsten sehr erfolgreichen Schritt gewagt. Mit atemberaubender Geschwindigkeit wurden ab Dezember 2020 Covid-19-Testzentren für Selbstzahler zunächst in Köln (4x) und dann sukzessive in ganz Deutschland eröffnet. Bei einem Spaziergang in der Frühlingssonne erzählt er, dass er ab spätestens Juni mit der Wiederaufnahme von Arena NOW-Konzerten rechnet. Da aber der CSD bereits auf Anfang September verschoben wurde, wird es eine SEXY-Party frühestens zu diesem Zeitpunkt geben. Er kann es kaum erwarten, seine Gäste wieder feiern zu sehen. Viele melden sich immer wieder bei ihm und fragen, wann es wieder losgeht.

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.