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Leo März / April 2020

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Leo – queeres Stadtmagazin für München

32 KULTUR

32 KULTUR ZEITGENÖSSISCHER TANZ FOTOS: KAI HEIMBERG #snow white Wer am Stockholmer Flughafen Arlanda ankommt, begegnet Fredrik „Benke“ Rydman schon dort. Zumindest auf einem Foto. Er hat es in die Bildergalerie der berühmtesten Schweden geschafft. Wie? Mit Tanzinszenierungen, die deutlich aus dem Mainstream herausstechen. So kreierte er mit der 1997 gegründeten Bounce Streetdance Company die Show „Insane in the Brain“ – eine tänzerische Adaption von „Einer flog übers Kuckucksnest“. 2009 inszenierte die Gruppe einen Michael-Jackson-Tribute-Flashmob, nachdem der King of Pop gestorben war. Heute wirkt der 45-Jährige eher hinter den Kulissen. Sein Steckenpferd ist es, Klassiker neu zu choreografieren. Mit einem sozialkritischen Ansatz. Tschaikowskys „Schwanensee“ holte er 2011 mit seinem „Swan Lake Reloaded“ in die Moderne. Seine Schwäne waren drogensüchtige Prostituierte, sie verschrieben sich mehr dem Streetdance als dem klassischen Ballett. Auch „The Nutcracker Reloaded“ griff 2016 den Zeitgeist auf. Rydman sezierte in seinem „Nussknacker“-Remake den Zustand unserer Gesellschaft: Seine Aufführung beschäftigte sich mit obdachlosen Jugendlichen und Organhandel. „Ich finde es wirklich spannend, in meinen Produktionen aktuelle Probleme aufzugreifen“, sagte Rydman einen Tag nach seiner „Snow White“-Premiere im Stockholmer Dansens Hus. In dieser Inszenierung blickt er (selbst-)ironisch auf die Generation Instagram. Er hält all denen den Spiegel vor, die sich nur noch über Social Media definieren: „Likes haben für viele Menschen einen regelrechten Suchtfaktor. Das geht teilweise so weit, dass sie überhaupt nichts anderes mehr interessiert.“ Ein Paradebeispiel für seine These ist Schneewittchens Stiefmutter, die im Zeichen des Genderfluid nicht etwa von einer Frau dargestellt wird, sondern von dem Tänzer Daniel Koivunen. Der verwandelt sich in eine Egomanin, die nur ein Ziel hat: als Influencerin immer populärer zu werden. Ihre Tochter, verkörpert von Ellen Lindblad, ist ihr dabei bloß im Weg, immer wieder stößt sie sie weg von sich. „Schneewittchen“, resümiert Rydman, „vereinsamt zusehends. Ihr fehlt die Mutterliebe.“ Also sucht sie nach einem Ersatz und findet ihn in Rydmans Aufführung schließlich auch. Sie vergiftet sich nicht etwa mit einem Apfel, ein Smartphone reißt sie ins Verderben. Fortan holt sich Schneewittchen ihre Bestätigung bei ihren Followern – mit mehr Erfolg als ihre Stiefmutter: „Die Ältere wird sich plötzlich ihrer Sterblichkeit bewusst. Mit Entsetzen registriert sie, dass eine Jüngere ihren Platz einnimmt.“ Diese Erkenntnis, das weiß Rydman aus persönlicher Erfahrung, ist hart. Dementsprechend beschließt die Stiefmutter, schleunigst zu handeln. Sie schiebt Schneewittchen in die Psychiatrie ab, wo sie auf sechs Zwerge trifft, allesamt mental labile Influencer, die von ihrer Internetsucht kuriert werden sollen. Wo ist der siebte Zwerg geblieben? Rydman lacht: „Diese Frage wird mir am häufigsten gestellt.“ Eine Antwort hat er sich längst zurechtgelegt: „Jeder Zwerg steht für eine psychische Erkrankung – sei es ADHS oder Depression. Auch die bipolare Störung ist vertreten. Sie vereinigt meiner Ansicht nach gleich zwei Zwerge in sich: Happy und Sleepy. Somit kommt man schlussendlich doch wieder auf die Zahl sieben.“ Wie viele Zwerge nun auf der Bühne agieren, findet Rydman allerdings nicht so wichtig. Wesentlich mehr beschäftigen ihn ihre Krankheitsbilder: „Ich denke, die sozialen Medien treiben nicht wenige Leute in die Isolation. Das löst mentale Probleme aus.“ *Dagmar Leischow 23.4. – 2.5., Snow White, Deutsches Theater München, Schwanthalerstr. 13, www.deutsches-theater.de/ snow-white-2020

KULTUR 33 Sieben Tode für die Kunst Ein neues Projekt von Marina Abramović ist immer ein außergewöhnliches und transformierendes Ereignis. Mit „7 Deaths Of Maria Callas“ im Nationaltheater lebt die legendäre Performance-Künstlerin nun ihre lebenslange Faszination für die vielleicht größte Opernsängerin auf spektakuläre Art aus. In sieben Filmen wird Abramović zusammen mit dem Schauspieler Willem Dafoe sieben Mal sterben und so exemplarisch sieben Bühnentode aus Opern – und ganz speziell sieben Arien, die für Maria Callas von großer Bedeutung waren – nachempfinden. Es wird sich dabei um Szenen aus den Werken von Georges Bizet, Gaetano Donizetti, Giacomo Puccini und Giuseppe Verdi handeln. Am Ende des Abends – wenn es um den realen Tod von Maria Callas 1977 in Paris geht – wird Abramović selbst als Performerin auf der Bühne zu erleben sein und die großen Fiktionen und Callas’ wahres Leben zusammenfügen, in dem selbst nie eine Trennung zwischen Bühnenerscheinung und Privatperson existierte – sie lebte und starb für die Kunst. Die Premiere von „7 Deaths Of Maria Callas“ wird am 11. April stattfinden, weitere Termine folgen am 23. und 24. April. Für alle, denen es nicht gelingen sollte, für diesen einzigartigen Event Karten zu ergattern, bietet staatsoper.tv die Möglichkeit, die Premiere als Livestream im Internet mitzuerleben. *fis FOTO: MARCO ANELLI DENIZ YUCEL .. AGENTTERRORIST. 8 APRIL · 20 UHR ➜ 089.5234655 MÜNCHENTICKET 089.54 81 81 81 www.muenchner-volkstheater.de ECHTZEIT TOUR 2020 12.03.20 FULDA 13.03.20 RAVENSBURG 14.03.20 KARLSRUHE 20.03.20 HALLE 21.03.20 MÜNCHEN 22.03.20 FREIBURG 24.03.20 LUDWIGSBURG 25.03.20 ESSEN 26.03.20 OLDENBURG 27.03.20 OLDENBURG 28.03.20 WOLFSBURG 02.04.20 HANNOVER 03.04.20 BERLIN 04.04.20 JENA 05.04.20 AUGSBURG 06.04.20 REUTLINGEN 07.04.20 DARMSTADT 24.04.20 HAMBURG 25.04.20 LÜBECK ZUSATZSHOW AUSVERKAUFT DAS NEUE ALBUM „ECHTZEIT“ 6. MÄRZ 2020 www.annadepenbusch.de www.selectiveartists.com Tickets über Eventim.de

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