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Leo März / April 2020

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Leo – queeres Stadtmagazin für München

12 POLITIK Thomas

12 POLITIK Thomas Niederbühl (58), Rosa Liste, Platz 1 FOTO: TIBOR BOZI Das gilt besonders für die queere Community. Der soziale Frieden in der Stadt liegt uns so am Herzen, weil LGBTI* diejenigen sind, die von rechter Gewalt und Hetze besonders stark getroffen werden. Dass wir außerdem viel tun, um urbane Lebensqualität auch in vielen anderen Hinsichten zu sichern, beweisen wir seit 24 Jahren in der Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen. Inzwischen finden sich queere Themen und ihre VertreterInnen in vielen Parteien – was hat Rosa zu bieten, das andere nicht vorweisen können? Die KollegInnen anderer Parteien sind viel stärker in anderen Themen und Funktionen eingebunden. Rosa Liste hat ein klares, queeres Profil und ist eng mit der aktiven Community verzahnt. Wir sind am Puls der Szene und wollen ihr Anwalt sein – künftig übrigens gern mit zwei Vertretern im Stadtrat. „Unsere Bilanz kann sich sehen lassen“ Thomas Niederbühl (58) ist Geschäftsführer der Münchner Aids-Hilfe e.V. und seit 1996 Stadtrat für die Rosa Liste. Auch am 15. März tritt er wieder als ihr Spitzenkandidat an. In den ersten Jahren war Rosa Liste das Zünglein an der Waage der Regierungsmehrheit und konnte so viele Forderungen durchsetzen. In den letzten war sie in der Opposition – ist dennoch in Sachen LGBTI* etwas voran gegangen? Wir sind zwar Opposition, aber konnten die meisten unserer Forderungen durchsetzen. Von der Beflaggung des Rathauses zum CSD bis hin zu den Räumen für das Lesbenzentrum, für das ich drei Jahre geworben habe und das wir durch einen interfraktionellen Antrag durchsetzen konnten. Unsere Bilanz kann sich sehen lassen. Auf den vorderen Listenplätzen sind keine Frauen zu finden. Warum hat es Ihre Partei nicht geschafft, diese Liste gemäß der jahrelang geforderten „lesbischen Sichtbarkeit“ paritätisch zu besetzen? Das ist ärgerlich, zugegeben. Aber wir haben keine lesbische Frau gefunden, die Lust hatte, den Posten einer Spitzenkandidatin zu besetzen. Darauf haben wir die ersten vier Plätze an die Männer, die in den letzten Jahren die Arbeit gemacht haben, vergeben. Ihnen folgen übrigens vier Frauen. Insgesamt haben wir mit 40 Männern und 40 Frauen Parität erreicht. Rosa Liste wirbt „für ein rosa-buntes München“. Welche Vision steckt dahinter? Wir sehen uns zunehmend mit rechter Hetze und Gewalt konfrontiert. Dagegen steht Rosa Liste für ein buntes München. Welche Themen hat Rosa Liste für die nächsten sechs Jahre auf der Agenda? Zunächst gilt es Räume zu schaffen für unterschiedliche Gruppen: Nach dem Umzug des Sub, der Eröffnung des Lesbenzentrums und des diversity Cafés ist jetzt das Trans*Zentrum an der Reihe. Wir möchten eine Stabsstelle bei der Stadt einrichten, die sich um queere Themen in Bildungseinrichtungen kümmert. Im Stadtmuseum sollen LGBTI* Lebenswelten ihren Platz haben. Wir möchten aber auch das Forum Homosexualität unterstützen und bis 2026 ein queeres Museum einrichten. Wohnformen für LGBTI* SeniorInnen müssen ebenso gefunden werden wie Wohngemeinschaften für LGBTI* Jugendliche. Großereignisse wie EuroPride oder GayGames sollen für mehr queere Sichtbarkeit in der Stadt sorgen. Und natürlich fordern auch wir geschützte Unterkünfte für LGBTI* Geflüchtete. Nicht zuletzt geht es uns um ein gutes Miteinander in der eigenen Community, in der sich nicht alles um den weißen schwulen Mann drehen darf, sondern in der alle Lebensformen Berücksichtigung finden. Sie sind seit 24 Jahren im Stadtrat, 30 sollen es werden. Schleicht sich da Amtsmüdigkeit ein? Nein. Ich empfinde unwahrscheinlich viel Stolz, was wir zusammen mit der Community und den politischen PartnerInnen erreicht haben – das kann keine andere deutsche Großstadt von sich behaupten. Das soll weitergehen und dafür habe ich noch immer jede Menge Energie, einen langen Atem und viel Erfahrung. *Interview: Bernd Müller

POLITIK 13 Claudia Stamm (49), mut, Platz 2 FOTO: HAJÜ STAUDT „WIR SIND EINE ECHTE ALTERNATIVE“ Claudia Stamm hat sich in der Münchner Community in den letzten Jahren einen Namen gemacht: Von 2009 bis 2017 war sie queer- und gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag und hat dort mit zahlreichen Anträgen und Initiativen gegen bayerische Windmühlen gekämpft. Im Frühjahr 2017 gründete sie die Partei mut, mit der sie jetzt erstmals zu den Münchner Kommunalwahlen antritt. Zwar hatte sich Stamm nach dem Tod ihres Lebensgefährten und Vaters ihrer beiden Töchter zunächst aus der Politik zurückgezogen, doch jetzt will sie wieder mitmischen – und weiß dabei viele queere Menschen an ihrer Seite. Für die Community soll schon in der Vorschule Antidiskriminierungsarbeit geleistet und das Personal besser geschult werden. Queere Geflüchtete müssten mehr Unterstützung erfahren, außerdem sollen Wohneinrichtungen für jugendlichen Erwachsene und eine bessere Infrastruktur für queere Initiativen und Vereine geschaffen werden. „Ich finde unsere Liste genial“, so die Journalistin, „denn sie ist so divers und vielfältig wie unsere Gesellschaft“. *bm QUEERE POLITIK BRAUCHT SZENEMENSCHEN Nach dem Tod von Alexander Miklosy hatte Andreas Klose den Vorsitz im Bezirksausschuss 2 übernommen, wo er zuvor Beauftragter für gleichgeschlechtliche Lebensweisen war. Dass die AfD in seinem Bezirk nicht antritt, sieht er als Erfolg auch seiner Arbeit gegen rechts. Jetzt will der Kreditanalyst den Stadtrat erobern, denn hier fallen „die wirklichen Entscheidungen“. Kloses Schwerpunkte liegen auf der Nutzung des öffentlichen Raums, Mobilitätskonzepten und queerer Politik. Mit einem zweiten Sitz für die Rosa Liste soll im Stadtrat eine breitere Basis für die LGBTIQ*-Arbeit in München geschaffen werden, um beispielsweise queere Geflüchtete besser zu unterstützen. Außerdem steht nach dem Lesbenzentrum auch ein Münchner Trans*Zentrum auf seiner Agenda. Als ehemaliger Vorstand des Sub-Zentrums und CSD-Mitorganisator hat er reichlich Erfahrung in der Community-Arbeit und weiß, dass hier oftmals dicke Bretter gebohrt werden müssen. Um seine Ziele erfolgreich umzusetzen, ist er überzeugt: „Nur wer in der Szene verwurzelt ist, kann diese Politik glaubhaft nach außen tragen.“ *bm Andreas Klose (53), Rosa Liste, Platz 2 FOTO: TIBOR BOZI AM 15. MÄRZ GRÜN WÄHLEN. FÜR BUNT & QUEER STATT MIA SAN MIA | 21 MARION LÜTTIG | 04 DOMINIK KRAUSE | 12 | 26 ARNE BRACH FLORIAN SCHÖNEMANN | 22 BEPPO BREM | 38 MARCEL ROHRLACK | 28 PASCAL DINTNER | 56 LUDWIG SPORRER | 58 BENOÎT BLASER

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.