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Leo Januar/Februar 2021

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8 MÜNCHEN FOTO: RAINER

8 MÜNCHEN FOTO: RAINER STURM / PIXELO.DE / CC0 KÜNSTLER UND CORONA „Die Branche ist in Schockstarre“ Neben der Gastronomie ist die Kultur besonders hart von der Pandemie betroffen. Wir haben szenennahe Künstlerinnen und Künstler nach ihrem Jahr 2020 befragt. *bm STEFAN TEMMINGH, FLÖTIST Künstlerisch war das Jahr eine Nullnummer, die Branche ist in Schockstarre. Anfangs war es noch o. k., sich auf sich selbst konzentrieren zu können. Aber der Mensch ist ein Herdentier, wir brauchen auf Dauer den Austausch und das Miteinander. Ich habe in diesem Jahr eine CD aufgenommen und im Oktober genau ein Konzert gespielt. Glücklicherweise habe ich noch eine Professur für Blockflöte in Freiburg, dadurch bin ich finanziell abgesichert. Ich fürchte, dass den Kommunen mittelfristig das Geld ausgehen wird, und wenn irgendwann die staatlichen Hilfen ausbleiben, wird der Hahn gerade für kleinere kulturelle Projekte zugedreht. Das könnte uns alle noch hart treffen. FOTO: HARALD HOFFMANN MARIA MASCHENKA, SCHAUSPIELERIN UND ENTERTAINERIN Ich habe mich anfangs ganz entspannt gefühlt: Endlich war es mal still in der Stadt. Doch schnell ist mir bewusst geworden, was diese Stille bedeutet: Statt eines ausgefüllten Jahres habe ich nur sechs Wochen gespielt. Man verdient in der freien Theaterszene eh nicht so viel und vom Staat habe ich gerade mal 3.000 Euro bekommen. Aber ich habe das Glück, viele Leute zu kennen, die mich finanziell unterstützen. Mir macht das Alleinsein persönlich nicht viel aus, aber künstlerisch habe ich einen „Bore-out“ – es fehlt mir, auf der Bühne zu stehen. Und es fehlt mir zu tanzen. Aber ich versuche, mich selbst aus dem Sumpf zu ziehen, und plane für Ende April die Premiere meines Soloprogramms! FOTO: SABINE KLEMM DJ JAMES MUNICH Seit 34 Jahren bin ich als DJ unterwegs, doch ein Jahr wie 2020 habe ich noch nicht erlebt. Für uns Hauptberufliche schlicht eine Katastrophe! Ich habe seit März nur im Herbst ein paar Wochen aufgelegt, die staatlichen Hilfen reichen hinten und vorne nicht. Ich lebe daher vom Ersparten und habe glücklicherweise meinen Mann, der mich unterstützt. Ich hoffe auf 2021 und bin sicher, die Karten in der Party- und Klubszene werden neu gemischt. Viele Veranstalter haben aufgegeben, andere kommen neu dazu. Ich bin zum Beispiel gespannt, wer sich traut, LGBTIQ*-Partys zu veranstalten, und ob das Glockenbachviertel weiterhin das Epizentrum der (queeren) Partykultur bleibt. FOTO: ERWIN HARBECK MISS PIGGY & GENE PASCALE, TRAVESTIEKÜNSTLER Der Lockdown war heftig, gerade für uns als Solokünstler, die bei der Verteilung der staatlichen Hilfen auf der Strecke geblieben sind. Zu Hause zu sitzen ist das Schlimmste, irgendwann ist auch alles geputzt oder renoviert und die sozialen Kontakte sowie das Feedback vom Publikum fehlen einfach. Immerhin konnten wir im Sommer in Dresden oder auf Rügen spielen, aber das reicht natürlich nicht. Anfang Dezember haben wir das Experiment gewagt, eine Liveshow aus dem Oberangertheater zu streamen, Zuschauer konnten für 10 Euro dabei sein. Wir müssen ja in Übung bleiben und hoffen, im Frühjahr wieder da zu sein – Ideen für den Neustart entwickeln wir gerade. Seid also gespannt! FOTO: PIGGY-GENE.DE

NAOMI LAWRENCE, KÜNSTLERIN 2020 war beruflich zunächst sehr erfolgreich: Ich machte mit meiner Frau ein Kunstprojekt für das Museum of Science and History in Oxford, wurde in die renommierte Münchner Galerie Rute aufgenommen, hatte dort eine Ausstellung und war auf der Art Karlsruhe dabei. Dann kam Corona. Ein abrupter Wechsel und nicht zuletzt vom Einkommen her eine massive Durststrecke. Allerdings gab es solche Höhen und Tiefen bei mir schon immer, weshalb ich noch relativ gelassen bin. Ich nutze die Zeit, um mich am Computer fortzubilden. Zum einen, weil es mir Spaß macht. Zum anderen, weil ich damit im Nebenjob Geld verdienen kann, falls es noch dauert mit den berühmten „besseren Zeiten“. FOTO: PATRICIA LAWRENCE MARTIN ARZ, MALER, AUTOR UND VERLEGER Persönlich fühle ich mich gut, weil ich als Menschenfeind den Zustand der Kontaktlosigkeit erstmal großartig finde. Künstlerisch hatte ich einen enormen kreativen Schub, habe viel geschrieben und gemalt, weil auf einmal so viel Zeit war. Als Autor und Verleger sehe ich das aber völlig anders: Anfangs mussten wir den Laden zumachen, immerhin konnten wir im Sommer den Pop-up- Store im Rathaus öffnen. Als Autor war es ein mieses Jahr, alle Lesungen wurden abgesagt, Buchprojekte nicht verwirklicht und staatliche Hilfen bekam ich auch nicht. Aber wir Künstler sind Selbstausbeutung gewohnt, so kann ich mich in der aktuellen Situation einrichten. FOTO: BERND MÜLLER wir sind GUIDO DRELL, SCHAUSPIELER UND REGISSEUR Als der Begriff „systemrelevant“ auftrat, war ich wie gelähmt. Alles, was ich tat (und tue), wurde mit diesem Wort ad absurdum geführt: nutzlos oder zumindest ohne jeden Wert. Doch ich hatte mich schnell wieder berappelt und zudem das Glück, in verschiedenen Bereichen tätig zu sein. So konnte ich mich weiter gut beschäftigen. In schlimmen Zeiten muss man als Künstler noch kreativer sein: So hat eines meiner Theaterensembles eine Webserie via Zoom gedreht, ein anderes eine szenische Lesung mit Shakespearetexten auf die Beine gestellt. Das Hauptmotto in dieser Zeit ist wohl: Gesund bleiben und nicht aufgeben! 2021 bleibt ungewiss, gerade für freie Künstler, die übrigens absolut „systemrelevant“ sind – und zwar für eine gesunde, reflektierte und vielfältige Gesellschaft. FOTO: PAUL ZIMMER CHRISTIAN DEUSSEN, SÄNGER Gerade als Künstler im Aufbau seiner Solokarriere hat mich 2020 schwer getroffen. Ich habe gegen „Spenden“ der Zuschauer diverse Wohnzimmerkonzerte veranstaltet und eine neue Single veröffentlicht. Von staatlicher Seite kam leider keine finanzielle Hilfe. Umso größer die Unterstützung von meinen Freunden, denen ich unendlich dankbar bin, die für mich gesammelt und gespendet haben, damit ich meine musikalischen Projekte verwirklichen konnte. Lange darf es so nicht mehr weitergehen. Doch ich denke positiv! Passend dazu erscheint dieser Tage meine Single „Hallo Neuanfang“. Sie steht auch für meinen Wunsch, 2021 neue Fans zu gewinnen und auf die großen Bühnen zu kommen. FOTO: MARCUS HASSLER da LIvesTreAms von unserer Bühne in Ihr Wohnzimmer Alle Infos und Termine unter www.gaertnerplatztheater.de

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.