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Leo Januar/Februar 2020

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10 SZENE INTERVIEW FOTO:

10 SZENE INTERVIEW FOTO: MICHAEL NAGY ES IST ENTSCHEIDEND, SOLIDARITÄT ZU ZEIGEN! Dieter Reiter (61) ist Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München. Der Diplom-Verwaltungswirt war Leiter des städtischen Kassenund Steueramts, bevor er 2009 in den Stadtrat wechselte und 2014 Nachfolger von Christian Ude wurde. Am 15. März haben Sie vor allem starke weibliche Konkurrenz, die Ihnen den Schlüssel zum OB-Büro abnehmen möchte. Fürchten Sie diese „Frauenoffensive“ der Grünen und der CSU? Ganz neu ist die Situation ja nicht. Schon bei der Kommunalwahl 2014 gab es mit Sabine Nallinger eine Grüne OB-Kandidatin. Mich verwundert auch ein wenig, warum das heute, im Jahr 2019, eine Rolle spielen soll, ob eine Frau oder ein Mann kandidiert. Ich richte meinen Wahlkampf nicht an Gegenkandidatinnen oder Gegenkandidaten aus, sondern ich sage den Menschen klar, wie ich mir die Zukunft für unsere Stadt vorstelle. Damit München auch weiterhin eine so lebenswerte Stadt ist, müssen wir z. B. mehr Platz für die Menschen schaffen, das heißt auch mehr Raum für eine umweltbewusste Mobilität. Ich mache Politik für alle Münchnerinnen und Münchner, jeder und jede soll sich die städtischen Angebote leisten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Hier konnten wir in den vergangenen Jahren bereits sehr viel erreichen und ich habe auch für die Zukunft noch einiges vor. Im Oktober 2019 luden Sie erstmals zu einem offiziellen LGBTIQ*- Empfang in den Alten Rathaussaal. Was hat Sie dazu bewogen? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Zu Beginn meiner Amtszeit habe ich den Szenestammtisch, das Vernetzungsgremium der Gruppen und Vereine, ins Rathaus eingeladen und viel Neues über die Situation und Bedarfe der Community erfahren. Die meisten der

angesprochenen Themen haben wir aufgegriffen. Der Empfang dieses Jahr war als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für diejenigen gedacht, die sich in der und für die LGBTI*-Community engagieren. Wir haben in München eine Vielzahl an Gruppen, Vereinen, Einrichtungen und Angeboten, die teilweise hauptamtlich, meist aber ehrenamtlich organisiert werden. Viele dieser Einrichtungen haben gerade Jubiläum gefeiert, z. B. die Münchner Aids-Hilfe und Lesbentelefon e. V. 35 Jahre, Beratungsstelle Sub e. V. 30 Jahre, TransMann e. V. und forum münchen 20 Jahre und viele andere mehr. Ich finde, da wird großartige Arbeit geleistet und das gehört gewürdigt! Zudem wurde 2019 einer der wichtigsten Meilensteine der LGBTI*-Bewegung 50 Jahre alt: der Aufstand in der Christopher Street in New York. Das kann als die Geburtsstunde der modernen LGBTI*-Bewegung bezeichnet werden. Dieses Jubiläum habe ich gerne zum Anlass für den Empfang im Alten Rathaus genommen. Neben dieser Würdigung der Engagierten war es mir aber auch wichtig, ein ganz eindeutiges Signal zu senden, dass die Community der LGBTI* als Ganzes ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil unserer Stadtgesellschaft ist. Zeitgleich veröffentlichte die Landeshauptstadt die Broschüre „München – die Stadt für LGBTIQ*“. Welche Zeichen sollen damit gesendet werden? Wir leben in Zeiten, in denen menschenfeindliche Haltungen und Handlungen leider wieder Konjunktur haben. Am Tag des Empfangs für die LGBTI*-Community fand der furchtbare Anschlag gegen die jüdische Gemeinde in Halle statt. LGBTI*-feindliche Äußerungen sind im rechtspopulistischen bis rechtsextremen Bereich und bei den fundamentalreligiösen Gruppen jeder Art wieder erschreckend „salonfähig“. Das schlägt in letzter Zeit leider auch immer öfter in brutale Gewalt um, das kann und wird eine bunte Stadt wie München nicht hinnehmen. Wir als Landeshauptstadt München fördern und unterstützen die Community seit Jahrzehnten, weil es unserem Menschenbild entspricht, dass LGBTI* in München ebenso daheim und willkommen sind wie alle anderen Menschen guten Willens auch. Haben Sie ein Lieblingsprojekt/eine Lieblingsveranstaltung in der LGBTIQ*-Szene? Als Oberbürgermeister liegt mir natürlich unsere städtische Einrichtung für LGBTI* besonders am Herzen. Die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, die ihre Abteilungsbezeichnung sinnvollerweise in „Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTI*“ ändern wird, leistet seit 18 Jahren wertvolle Arbeit und hat ein immenses Arbeitspensum. Meine „Lieblingsveranstaltung“ in der LGBTI*-Szene ist eindeutig der CSD, den ich als Oberbürgermeister anführen darf. Ich finde es beeindruckend, mit wie viel Engagement und Herzblut die Gruppen und Vereine hier auftreten. Auch wenn es hier immer wieder mal Kritik geben mag, ich erlebe den CSD als eine sehr politische Veranstaltung. Und dabei auch Spaß zu haben, schadet ja nun nicht. Und ohne den CSD wäre unsere Stadt wesentlich weniger bunt. *Interview: Bernd Müller Dies ist die gekürzte Fassung des Interviews. Das ganze Interview findet ihr auf www.leo-magazin.de

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.