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Leo Dezember 2018

6 SZENE FOTO: M. RÄDEL

6 SZENE FOTO: M. RÄDEL NACHGEFRAGT BARBIE BREAKOUT, HIV-Aktivistin Die Dragqueen, Influencerin und Buchautorin ist eine der schönsten Stimmen im Kampf gegen Aids. Und sie hatte Zeit für uns! Was bedeutet für dich der 1. Dezember? Für mich hat der erste Dezember eine recht vielschichtige Bedeutung. Einerseits ist es für mich der Tag im Jahr, an dem ich verstärkt an all unsere verlorenen Freunde und Mitstreiter denke. Es ist ja immer ein bisschen eine utopische Idee, aber dennoch: Wo wären wir, wer wären wir in Deutschland, wären nicht Generationen von uns umgebracht worden oder an Aids gestorben? Das Dritte Reich hat gezielt queere Menschen inhaftiert und getötet – und das generationsübergreifend. Als die Lager befreit wurden, haben die meisten Gefangenen die Freiheit wiedererlangt und durften ein neues Leben beginnen, sofern das mit all den erlittenen Traumata überhaupt möglich war. Für die meisten von uns jedoch wartete nach dem Lager der Knast. Über die nächsten vierzig Jahre erkämpften sich die wenigen verbleibenden und nachwachsenden mutigen Homos so etwas Ähnliches wie ein Existenzrecht, eine Daseinsberechtigung in der Parallelgesellschaft. Dann kam in den 1980ern Aids und raffte die sich gerade erholende queere Identität generationsübergreifend dahin. Wir hatten Anfang der 1990er – seit 60,70 Jahren – keine älteren Vorbilder, keine Leitfiguren, die einem das schwule Altern oder Beziehungen hätten vorleben können. We have to make it up as we go. Zum Zweiten ist der erste Dezember auch nach all den Jahren und dem medizinischen Fortschritt immer noch der Tag, an dem man den jüngeren Generationen Safer Sex erklären muss, verstärkt Aufklärung über das Leben mit HIV betreibt und hofft, dass etwas davon hängenbleibt. Hast du Freunde an Aids verloren? Natürlich habe ich Freunde an AIDS verloren. Das muss aber nicht immer heißen, dass sie direkt vom Virus getötet worden sind. Manche haben sich nach der Infektion mit Drogen zugrunde gerichtet, bei anderen hat die Leber nach mehreren Hepatitis-Behandlungen parallel zur HIV- Medikation den Geist aufgegeben. Andere haben sich das Leben genommen. Direkt an Aids gestorben ist seit Mitte der 1990er keiner meiner Freunde mehr. Was wünschst du dir von der Szene, von der Gesellschaft? Das ist recht simpel: Ich wünsche mir vor allem von der jungen Generation, dass sie sich aktiv informieren, damit sie zum Thema Safer Sex bewusste, informierte Entscheidungen treffen können. Allgemein gesprochen wünsche ich mir als HIV-Positive, dass wir weiterhin daran arbeiten, die Stigmatisierung uns gegenüber abzubauen. Das funktioniert, wie so vieles, am besten über Bildung und Information. *Interview: Michael Rädel www.instagram.com/barbiebreakout

Pink Christmas auf neuen Wegen SZENE 7 Auch in diesem Jahr steht der queere Weihnachtsmarkt Pink Christmas während der kompletten Adventszeit auf dem idyllischen Stephansplatz im Herzen des Glockenbachviertels. Und auch in diesem Jahr können sich die Gäste auf Bewährtes und Neues freuen. Nicht nur bei den Angeboten an den Ständen, sondern auch bei den Events on stage. So wird am Eröffnungsabend Oberbürgermeister Dieter Reiter die Fangemeinde begrüßen, das Bündnis „München ist bunt“ zu Wort kommen und DJ James zur ABBA-Party bitten (26.11., 19 Uhr). Auf der (neu gestalteten) Bühne geben sich im Anschluss vier Wochen lang bekannte Größen wie Gene Pascale, Baby Bubble, Ikenna Beney und natürlich DJ James Munich die Ehre, aber auch neue Gesichter wie Kunstpfeiferin Andy Maine oder Christina aus Amsterdam sind dabei. PINK CHANUKKA AM 3. DEZEMBER Erstmals wird am 3. Dezember bei Pink Christmas „Pink Chanukka“ gefeiert. Das jüdische Lichterfest trifft auf einen (christlichen) Weihnachtsmarkt mit queerem Fokus – eine spannende Begegnung! Am Montag, dem 3. Dezember lädt die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom dazu auf den Stephansplatz und entzündet um 18:30 Uhr in Beisein eines Rabbiners, der auch die Bedeutung des Festes erläutert, die zweite Kerze des Chanukka-Leuchters. Auch die Generalkonsulin des Staates Israel, Sandra Simovic, unterstützt die Aktion und wird als Gast vor Ort sein. Im Anschluss werden traditionelle Sufganiyot, gefüllte Krapfen, die im Angedenken an das Tempelölwunder gegessen werden, für einen guten Zweck verkauft. PINK CHRISTMAS ON TOUR AM 6. DEZEMBER Schauspielerin und Buchautorin Marianne Sägebrecht stattet dem Weihnachtsmarkt am Nikolaustag gegen 19 Uhr einen Besuch ab. Nach einer Performance auf der Bühne zieht sie anschließend weiter ins Sub-Zentrum. Hier liest sie aus ihren Büchern und kocht eine ihrer bekannten „Überlebenssuppen“, die sie zugunsten des FOTO: GEORG SCHMAUSER schwulen Zentrums serviert. Ein Nikolausabend der besonderen Art! *bm 26.11. – 22.12., Stephansplatz, München, Mo – Fr 16 – 22 Uhr, Sa + So 12 – 22 Uhr, www.pink-christmas.de 2. – 14. APRIL 2019: DAS ORIGINAL AUS DEM LONDONER WEST END Deutsches Theater München | Schwanthalerstraße 13 | deutsches-theater.de

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