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hinnerk Oktober/November 2021

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32 GESUNDHEIT CORONA

32 GESUNDHEIT CORONA IMPFUNG GEGEN COVID-19 Zwang, Pflicht oder Freiwilligkeit? FOTO: CDC / UNSPLASCH:COM / CO0 Nach über einem Jahr Pandemie sind wir mittlerweile so weit, dass es einen Impfstoff gegen COVID-19 gibt, der uns im Falle einer Ansteckung vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen soll. Viele Menschen wollen sich aber gar nicht impfen lassen. Unsicherheit, Unverständnis oder einfache Ablehnung von Autorität spielen dabei sicherlich auch eine Rolle. Wie kann unsere Sprache dazu beitragen, dass wir gemeinsam eine vernünftige Lösung finden, um endlich wieder in die Normalität zurückzukehren? GEWALT VON OBEN ODER MORALISCHES GEBOT? Bei der Impfung gegen COVID-19 stellt sich die eigentliche Frage nach der Freiwilligkeit. Niemand muss sich impfen lassen, zumindest nicht nach gegenwärtiger Gesetzeslage. Wieso aber werden dann Begriffe wie Impfpflicht oder Impfzwang verwendet? Die deutsche Sprache erlaubt es uns, alles Mögliche und Unmögliche miteinander zu verknüpfen: Die Chefredakteurin des Dudens, Kathrin Kunkel-Razum, erläutert das am Beispiel zusammengesetzter Wörter, auch Komposita genannt: „Impfen ist laut Duden die Verabreichung eines Impfstoffes an jemanden. Und Zwang ist die Einwirkung auf jemanden.“ Ein negativ belegter Begriff wird also mit einem eigentlich positiv belegten Wort kombiniert, was in der Folge dann auch schlechtgemacht wird. Spricht man hingegen von Pflicht, wird der Begriff der Impfung mit einer moralischen Ebene verknüpft. Wir lassen uns impfen, weil wir uns damit auseinandergesetzt haben, dass es wichtig und notwendig ist. „UNWÖRTER“ ERKENNEN UND AUF SPRACHE ACHTEN Das Wort „Corona-Diktatur“ wurde von Sprachwissenschaftlern zum Unwort des Jahres 2020 gekürt. Diese Form von Wortmanipulation kommt immer wieder vor. So gab es eine Impfpflicht und entsprechende „Kampfbegriffe" bereits zu Zeiten, als in Deutschland noch ein Kaiser regierte. Zwei große Pocken-Ausbrüche hatten damals hunderttausende Menschen getötet. Aus dieser Zeit stammen Bücher wie „Der Impfzwang“ und die Zeitschrift „Der Impfgegner“. ES IST SCHWER, DER SITUATION ZU VERTRAUEN „Ich gebe Ihnen mein Wort: Es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben“, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. Kanzlerin Merkel und viele weitere Regierungsvertreter sprechen gezielt von „Impfangeboten“, um Gedanken an eine Pflicht zu zerstreuen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass man bestimmte Dinge vielleicht nicht machen kann, wenn man nicht geimpft ist. Die Entscheidung, sich impfen zu lassen, bleibt jedoch eine freiwillige. Und das sollte auch weiterhin die Basis für die öffentliche Diskussion sein. Auf solche Details zu achten, wird vielleicht die Pandemie nicht beenden. Aber es wird uns allen helfen, mit weniger Sorgen, Stress und Angst durch die Krise zu kommen. Udo Stiehl, WDR (https://www1.wdr.de/ nachrichten/corona-impfungen-kampfbegriffe-aus-alten-zeiten-100.html)

TIPP Linnig und Lorenzen Seit 2005 unterhält Stefan Linnig im „Ärztehaus an der Oper“ am Stephansplatz die DammtorPraxis. In der vierten Etage des mondänen Kontorhauses, das auf den pittoresken Namen „Haus Goldener Schwan“ hörte, bietet die hausärztliche Praxisgemeinschaft Gesundheits- und Krankheitsleistungen unter anderem mit dem Schwerpunkt HIV und Hepatitis an. Aber auch alle weiteren Gebiete der Infektiologie zählen, genauso wie die reisemedizinische Versorgung, zu den Leistungen der Terminpraxis. Um lange Wartezeiten während der Sprechstunden zu verhindern, werden Termine nach telefonischer Vereinbarung vergeben, im akuten Fall auch noch am selben Tag. Stefan Linnig ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Reisemedizin (CRM) und hat unter anderem schon im Team der betreuenden Ärzte im Hospiz von „Hamburg Leuchtfeuer“ gearbeitet. Dr. med. Thore Lorenzen ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Infektiologie (DGI) und war bis 2020 Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter im ifi-Institut für interdisziplinäre Medizin an der AK St. Georg mit vorheriger Tätigkeit unter anderem in der Drogenambulanz. Seit Mai 2020 ist er Teil der Praxisgemeinschaft. Beide Ärzte sind Mitglied Mitglieder der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ e.V.) und damit nicht nur selbst immer auf dem neuesten Stand, sondern aktiv dabei, Wissen über die HIV-Therapie, PrEP und PEP BILD: © AJEPBAH / WIKIMEDIA COMMONS / LIZENZ: CC-BY-SA-3.0 DE GESUNDHEIT 33 auch anderen Behandler*innen zukommen zu lassen und die Forschung zu begleiten. Selbstverständlich können aber auch HIV-Negative und sogar Heterosexuelle den ganzheitlich orientierten Service der DammtorPraxis in Anspruch nehmen. *ck DammtorPraxis, Dammtorstraße 27, Hamburg, U1 Stephansplatz, www.dammtorpraxis.de FOTOS: DAMMTORPRAXIS KOMMENTAR ‚G‘eht's noch? Wie gehen wir mit den Zahlen, auch wenn sie nicht repräsentativ sind, und den Menschen dahinter um? Klar. Unsere Schutzräume, die Bars, die Klubs, waren und sind anders als die Bollerheten-Technodisko von den Lockdown-Maßnahmen betroffen. Einerseits weil sie eh oft am Existenzminimum kratzen, andererseits weil sie eben Schutzräume sind. Oftmals sogar die einzigen Räume, in denen wir LGBTIQ* richtig frei leben können. Frei von Angst, frei von Diskriminierung. So jedenfalls das Idealbild der schwulen Darkroombar, des lesbischen Cafés. Dass jetzt Institutionen wie die Hamburger WunderBar im Wiederauferstehungsreigen die ersten sind, die mit Inbrunst die „2G“- Regel an die Tür nageln, befremdet in dieser Vehemenz. Und erinnert an die Ausgrenzung von HIV-Positiven und AIDS-Kranken der letzten 30 Jahre. „Moment!“ ruft es gefühlt von einigen. „Gegen HIV gibt es bis heute keine Impfung.“. Stimmt. Aber HIV wurde auch noch nie beim Engtanz oder gemeinsamen Kaffee übertragen. SARS-CoV-2 dagegen, besonders in der Delta-Variante, kann auch Geimpfte nicht nur krank, sondern zu Überträgern machen. Insofern wirkt die „2G“-Regel mit ihrem Verzicht auf Testungen fahrlässig und die Freude der Anwendenden für die knapp 10 Prozent Nichtgeimpften reichlich diskriminierend. Denn jemand der sich testen lässt, aber aus welchen Gründen auch immer nicht geimpft ist, ist im Zweifel weniger gemeingefährlich, als jener, der seit Juni oder Juli vollen Impfschutz genießt, aber auf Abstand und Vorsicht verzichtet. Irgendwie erinnert das Ganze an die leidigen Diskussionen über Bareback, PrEP und überhaupt den seltsamen Fakt, dass doch jede*r angeblich safer Sex hat, aber HIV trotzdem nach wie vor verbreitet wird. Denkt mal drüber nach. Shitstorm 3, 2, 1 ... *Christian Knuth FOTO: ALTIN FERREIRA

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.