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hinnerk Oktober/November 2021

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16 KULTUR FOTOS: KARL

16 KULTUR FOTOS: KARL GADZALI INTERVIEW MR. WIG STELLT AUS Noch bis Mitte Oktober kann im Levantehaus auf über 100 Quadratmetern Kunst betrachtet werden. Die Kreationen von Karl Gadzali zieren die Köpfe der bekanntesten Dragqueens. Warum diese Ausstellung? Ich nutze die drei Wochen, um den Leuten näher zu bringen, also den Heterosexuellen in erster Linie, dass Drag Kunst ist. Und nicht nur Klamauk. Ich will zeigen, wie viel Arbeit da drin steckt. Gibt es auch Kundinnen? Nur wenige. Das liegt aber daran, dass ich ja nun wirklich keine Alltagsperücken mache. Das muss einfach groß sein. Eine der Frauen ist Burlesque-Tänzerin. Das ist ja fast wie eine Dragqueen. Und eine andere ist so eine richtige Schwulenmutti. Die hat einfach Bock auf kreative Perücken. Und die guckt dann auch nicht auf den Preis, Hauptsache, sie bekommt etwas ganz Abgefahrenes. Für den Kreativdirektor des Pulverfass habe ich auch ganz viele Sachen gemacht, da treten ja auch Frauen auf. IWas ist der Unterschied zum Friseur? Völlig anderes. Wie du als Friseur so in die Haare gehst, so kannst du nicht an Perücken ran gehen. Deshalb habe ich auch sehr viele Friseure die Dragqueen sind, als Kunden. Und wie ging deine Passion dafür los? Angefangen habe ich damit schon vor Jahren. Einmal im Monat bei Pink Inc. für Valery Pearl, regelmäßig für Katha vom familienkombinat und ich bin ein riesen Fan von RuPaul's Drag Race. Dann kam irgendwann Ingo Nahrwold, der mich für einen Stern-Shooting gebucht hat und ich habe ein großes Haarteil machen müssen im 1960er-Jahre-Look. Ich hab irgendwann gemerkt ‚Okay, ich habe einfach Bock mit Perücken zu arbeiten‘. Nachdem ich vor drei Jahren den schweren Herzinfarkt hatte, hat sich mein komplettes Leben geändert. Auch der Bereich Arbeit. Ich will nur noch Sachen machen, die mehr Spaß machen. Und seit März mach ich das hauptberuflich. Und läuft es? Und wie! Ich hab Anfragen aus Australien sogar inzwischen. Ich hab einfach auf Instagram angefangen die Wigs zu posten und es ging los. Gibt es denn Lieblingsstücke? Zum International Transgender Day of Visibility habe ich einem Transmann eine Vagina gemacht. Die hängt jetzt bei mir zu Hause an der Wand. Die ist so toll. Warum ist Drag so erfolgreich heute? Also großen internationalen Aufwind gab es durch Conchita Wurst. Aber auch durch die hartnäckige Olivia Jones, die immer da geblieben ist, obwohl Dragqueens irgendwann auch viele Jahre lang verpönt waren. Kein Mensch wollte eine Drag Queen auf irgendeiner Party sehen. Und dann natürlich RuPaul. Die gezeigt hat, dass es wirklich in Richtung Perfektion geht. Ich höre immer wieder von Dragqueens, dass es auch Therapie ist für sie. Dass sie sich ausleben können in der Verkleidung. Ich hab das nicht. Ich habe nur Spaß daran, Haare zu machen. Aber ich kann es durchaus verstehen. Und gerade die Jüngeren sind ja jetzt schon damit aufgewachsen. Die Gendergrenzen verschwimmen, mehr als je zuvor. Da liegt Drag natürlich auch sehr nah und so wird auch der Anspruch extrem hoch inzwischen. Wenn du die ersten Staffeln von Drag Race mit den aktuellen vergleichst. Da denkst du nur noch: Wow! Ansporn für deine Kunst? Ja! Und am liebsten sind mir dann auch Art-Drags wie Bambi Mercury. Da kann ich mich immer austoben. Bei Vanity Trash und Amanda Cox auch. Wie lange brauchst du für eine Wig? Die Vorarbeit dauert am längsten und ist am nervigsten. Das dauert. Das eigentliche Polish und das Finish sind nur so ein paar Stunden. Insgesamt kann es schon 20 bis 30 Stunden dauern, manchmal auch mehrere Tage. Deswegen müssen Kund*innen momentan auch bis zu drei Monate auf ihre Perücke warten. Ist Katy Bähm Konkurrent? Nee. Gar nicht. Sie bestellt ja sogar selbst bei mir. Wir decken einen völlig unterschiedlichen Markt ab. Wir kooperieren auch manchmal. Sie schickt mir was und umgekehrt. Du hast aber einen Helfer ... Barakat. Ja. Der ist der einzige, dem ich sämtliche Tricks zeige, weil er super talentiert ist. *Interview: Christian Knuth Bis 11.10. , Mo – Sa 12:30 –18 Uhr, karlgadzaliwigdesign.com

PREMIERE ROLLENSPIELE: Felix Krull am Altonaer Theater KULTUR 17 In Roman „Die Bekentnisse des Hochstaplers Felix Krull“ spiegeln sich die Identitätskrisen des jungen Thomas Mann und die des fast Achtzigjährigen wieder, der sich in einen 19-jährigen Hotelpagen verliebte und dessen Bisexualität in der historischen Debatte um das Haus Mann bis heute gerne ausgeblendet wird. Das dem ab dem 24. Oktober auf der Bühne des Altonaer Theaters zu sehenden FOTO: CARL VAN VECHTEN / GEMEINFREI Bühnenstück zugrunde liegende Buch, entstand in den Jahren 1910 bis 1913 und 1950 bis 1954. Besonders in der Figur des homosexuellen Lord Kilmarnock, beschrieben als „ein Mann von sichtlicher Vornehmheit, um die Fünfzig, mäßig hoch gewachsen, schlank, äußert akkurat gekleidet“, hat sich Thomas Mann wohl selbst porträtiert. Im Sommer 1950 wohnte er in Zürich im Grand Hotel Dolder, wo er sich in den 19-jährigen Hotelpagen Franz Westermeier verliebte. Es sollte seine letzte große Liebe sein. (Quelle: https://bit.ly/3u2BuC3) Aber nicht nur Bisexualität, Prüderie und Bigotterie in der bürgerlichen Welt sind insgesamt die Hauptthemen in Felix Krull. „Die Welt will betrogen sein, und Felix Krull – geborener Hochstapler, eloquenter Charmeur und Liebling nicht nur der Frauen – betrügt sie. Attraktiv, elegant, ausreichend egoistisch und raffiniert beschreitet er seinen ganz eigenen Weg zwischen Wünschen, Werten und Wahrheit“, schreibt das Altonaer Theater in seiner Premierenankündigung. Neben der amüsanten Unterhaltung um einen gesellschaftlichen Falschspieler entlarve die Geschichte die bürgerliche Welt, die den Betrug herausfordere, indem sie die Menschen nach dem äußeren Schein, dem guten Namen und den vorhandenen Mitteln beurteile. Felix Krull zeige, wie sich – entsprechendes Talent vorausgesetzt – die Wahrnehmung der Gesellschaft manipulieren lasse, so die Theatermacher weiter. Ein Phänomen, das die Gegenwart nur all zu gut kennt, wenn auch die Talente sich in Teilen geändert haben. Siehe zum Beispiel Instagram und leider auch Grindr & Co. Ob und wenn wie John von Düffel (Drehbuch) und Georg Münzel (Regie) ihre Protagonisten, dargestellt von Tobias Dürr, Flavio Kiener, Melina Sánchez, Anne Schieber, Ole Schloßhauer und Nadja Wünsche, diesen Sprung in die Moderne auf der Bühne vollziehen lassen, wird am 24. Oktober zu sehen sein. *ck 24.10. – 27.11., Altonaer Theater, Museumstraße 17, Hamburg, altonaer-theater.de hülsta-studio . . . Tischlerei + Möbelhaus GmbH Dehnhaide 139-145 22081 Hamburg Tel. 040 296186 www.scharbau-hamburg.de

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