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hinnerk Oktober / November 2020

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Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

6 SZENE NACHGEFRAGT

6 SZENE NACHGEFRAGT FOTO: M. RÄDEL AMANDA COX: „ ... man musste lernen, trocken Brot zu futtern ...“ Wir chatteten mit Hamburgs zweitbekanntester Dragqueen über Rassismus, Corona und Sex. Woran sitzt du gerade? Ich arbeite an einem kleinen Bühnenprogramm und einigen Witzen. Ich will die Chance nutzen, mal selbst groß auf der Bühne durchzustarten, da doch viele mich immer bestärkt hatten, mit meiner Art ein Publikum zu unterhalten. Weiterhin will ich mich hier in Hamburg politisch aktiv machen, durchforste aber noch die Programme der einzelnen Parteien, weil gefühlt keine 100 % das widerspiegelt, was ich denke und fühle. Alltagsrassismus ist dieses Jahr stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wie verhältst du dich, wenn du Rassismus etwa auf Social Media bemerkst? Rassismus in jeder Form ist so abstoßend und ekelhaft. Ich melde jede Form von Rassismus auf Social Media, und zögere nicht, vermeintliche „Freunde und Bekannte“ aus meiner Liste zu verbannen. Viel schlimmer als diesen Rassismus finde ich die Diskussionen über Lebensmittel und deren Namen. Das muss man sich vorstellen, da rechtfertigen Leute eine rassistische Tirade mit: „Ja, aber das heißt nun mal so …“ Ich will kotzen. Solange man als Person von Rassismus und Ausgrenzung nicht betroffen ist, darf man sich kein Urteil darüber erlauben, ob es okay ist, oder nicht. Wurdest du aufgrund deiner Sexualität schon Zielscheibe homophober Häme? Verletzt dich das? Selbst wurde ich zum Glück nie groß zur Zielscheibe, aber ich glaube, es liegt einfach daran, dass die meisten eher Angst vor mir haben und sich hier nicht trauen. Auch fühle ich mich auf St. Pauli sehr sicher, da die Menschen hier sehr tolerant sind und hilfsbereit. In Hamburg gibt es viele großartige Projekte, die sich mit den Themen Vielfalt und Toleranz beschäftigen. Über die Olivia-Jones-Familie geht z. B. Veuve Noir in Schulen und macht Aufklärungsarbeit. Inwiefern trifft dich die Corona- Pandemie, hast du Angst? Die Pandemie hat mich wie alle Künstler sehr getroffen. Die Arbeit ist ja nicht nur zum Geldverdienen, sondern war auch ein Ausleben der Leidenschaft. Ich war gesegnet, dass die WunderBar einen Livestream gemacht hat und ich mich ausleben konnte und natürlich so auch ein Zeichen gesetzt wurde, dass die Leute daheim nicht allein sein müssen. Kommst du nicht in die Bar, kommt die Bar halt zu dir. Wie trifft die Pandemie die Geschäftsfrau Amanda Cox? Sehr hart. Finanziell war das ein riesiges Desaster. Mehr Ausgaben als Einnahmen, und man musste lernen, trocken Brot zu futtern. Jetzt durch die Lockerungen bin ich wieder mit Arbeit gesegnet. Der Olivia Jones Show Club macht seit über einem Monat ein Varieté, und ich plane mit der WunderBar zusammen ein Konzept auf die Beine zu stellen für einen neuen Sonntag mit Unterhaltung. *Interview: Michael Rädel www.facebook.com/DragQueenAmanda www.instagram.com/MonstaModa

SZENE 7 HINNERK LIEBT In Hamburg am Fenster Kernige Kerls und Skinheads, zum Beispiel Ingo. Mit ihm arbeiteten wir schon einmal vor ein paar Jahren zusammen, damals auch im September. Heute bekommst du neue Bilder, aufgenommen an seinem Lieblingsplatz, am Fenster bei seinem Freund Oli. Was liebst du so an Hamburg? Hamburg ist für mich das Tor zur Welt. In keiner Stadt Deutschlands hab ich dieses Gefühl, schneller dem Alltag entfliehen zu können. Zudem bin ich Krebs und brauche immer irgendwie Wasser in meiner Nähe. Die Hamburger sind zwar stocksteif, aber hast du einmal einen Hanseaten zum Freund, dann für immer. Wie hälst du dich fit? Eigentlich gar nicht mal so sehr. Ich ernähre mich relativ bewusst und sehe eben zu, so viel wie möglich mit dem Rad zu erledigen oder unterwegs zu sein. Bin halt beruflich bedingt sehr ausgelastet, sodass wenig Zeit für Sport bleibt. Zudem war das Wetter dieses Jahr im Norden leider nur für sehr kurze Zeit wirklich gut. Normalerweise bin ich sonst viel im und am Wasser anzufinden. Schwimmen ist halt eine Leidenschaft von mir. Aufgrund von Corona und den zunächst geschlossenen, später dann unter sehr konsequenten Auflagen geöffneten Freibädern, kam aber auch dies das Jahr über leider viel zu kurz. So langsam entwickle auch ich einen „Rettungsring“, ist aber auch gut hier so an der Elbe ... Worauf freust du dich? Ich freue mich in erster Linie auf meine weitere gemeinsame Zukunft mit meinem Mann. Wir suchen eine neue gemeinsame Wohnung in Hamburg, was allerdings bei dem steigenden Mietspiegel echt nicht einfach ist. Leider hab ich von Hamburg aus auch noch immer einen zweistündigen Arbeitsweg in die Heide. Aber man weiß ja nie, was sich noch so alles tut in den nächsten Jahren! Und natürlich freue ich mich, wenn endlich das Corona- Virus nicht mehr unser Leben so derart bestimmen wird. Ich will endlich wieder durch die Klubs ziehen und bis in den frühen Morgen die Hüften schwingen – so lange die Knochen das noch mitmachen. www.instagram.com/ ingoausderheide

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