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hinnerk Oktober / November 2020

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Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

MUSIK INTERVIEW JOY

MUSIK INTERVIEW JOY DENALANE: „Musik machen, die wir lieben“ Auf ihrem neuen Album „Let Yourself Be Loved“ kreiert Joy Denalane (47) ihre urpersönliche Version des klassischen Soul der Motown-Ära. Ist die Berliner Künstlerin jetzt bald ein Weltstar? Joy Denalane lacht, und zwar so richtig. „Ich bleibe da sehr entspannt und gucke einfach mal, was passiert“, sagt Deutschlands nach wie vor führende Soulfachkraft. „Mein Album wird jetzt in der Tat auch in den USA veröffentlicht, und was das für Folgen hat, das werden wir sehen. Das Ziel war nicht, ein Album für den amerikanischen Markt zu machen. Sondern Musik zu machen, die wir lieben.“ Fakt ist jedenfalls: „Let Yourself Be Loved“ ist das erste Album einer deutschen Musikerin, das beim legendären US-amerikanischen Soul-Label „Motown“ veröffentlicht wird, der musikalischen Heimat von Marvin Gaye, Aretha Franklin, Stevie Wonder, den Supremes oder den Jackson Five. Und das ist ein Coup. „Ich freue mich sehr über diesen Zuspruch und darüber, dass ein Label, das mich als Musikerin so geprägt hat und deren Künstlerinnen und Künstler ich unheimlich mag, sagt: ‚„Das ist ein spannendes Album. Wir wollen mit Joy arbeiten.‘“ Bereits vor fünf Jahren hatte Denalane, die 1999 im „Mit Dir“-Duett mit ihrem späteren Ehemann Max Herre bekannt wurde und 2002 mit „Mamami“ ein wegweisendes erstes Album veröffentlichte, in New York an Soulsongs gearbeitet, die den Motown-Geist der späten Sechziger- und Siebzigerjahre atmen, kam aber nicht weiter und widmete sich zunächst ihrer Platte „Gleisdreieck“. Sie sagt: „Wir haben das damals eigentlich ganz gut gemacht, aber den Sound noch nicht ganz richtig getroffen. Irgendetwas fehlte mir.“ Schließlich entschied sie sich, ihren langjährigen Freund und musikalischen Weggefährten Roberto Di Gioia, mit der Produktion zu betrauen – wenn auch beim zweiten Anlauf nicht in New York, sondern in München. Gemeinsam haben sie ein bemerkenswertes Werk geschaffen. Selten klang die 47 Jahre alte Mutter zweier fast erwachsener Söhne spritziger, frischer und authentischer als auf „Let Yourself Be Loved“. Von den großen Klassikern inspirierte, aber doch vollkommen eigenständige Soulsongs wie „I Believe“ oder „Stand“ haben Tempo und Energie. „Ich wusste: Ich will ein Soul-Album machen“, sagt Joy, die als Kind ganze Tage mit der Plattensammlung ihres Soul und Jazz liebenden Vaters verbrachte. „Dementsprechend habe ich darauf geachtet, wie die Lieder aufgebaut sind. Für mich hätte es nicht gepasst, eine Nummer wie „I Gotta Know“ zurückgenommen zu singen. Da geht es um eine Botschaft, die man gerne auch laut und mit fester Stimme singt.“ Die Motown-Ära war geprägt von gesellschaftlichen Umbrüchen, von Bürgerrechtsbewegungen und dem Kampf gegen Rassismus. Ist das Album auch deshalb so zeitgemäß, weil wir diese Auseinandersetzungen gerade in ähnlicher Form wieder erleben? „Für mich als schwarze deutsche Frau ist Rassismus stets brandaktuell. Natürlich hat die Debatte jetzt durch traurige Anlässe und furchtbare Ereignisse wie den Mord an George Floyd eine neue Sichtbarkeit erreicht. Nach außen hat sich also verstärkt, was für mich innerlich immer ein großes Thema gewesen ist. Ein Thema, das sich auch durch mein Schaffen zieht. Dass die Platte nun so gut in die Zeit passt, hatte ich natürlich nicht geplant.“ Trotz aller Probleme sieht Joy die Gesellschaft grundsätzlich auf einem guten Wege. „Wir haben gerade die tolle Chance, über ein Thema zu sprechen, das durch die öffentliche Debatte in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert gewonnen hat. Und ob jetzt Black Lives Matter, #MeToo, Diversity und vieles mehr – es stimmt mich sehr hoffnungsvoll, dass wir heute Diskussionen führen, die es so vor wenigen Jahren noch gar nicht gab“ *Interview: Steffen Rüth FOTO: U. RINDERMANN

MUSIK HOUSE INNER CITY: „We All Move Together“ Ein neues Album des legendären House-Projekts von und mit Kevin Saunderson erblickte vor wenigen Wochen das Licht der Welt. Der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein. Denn die Corona-Pandemie lässt die Klubber darben, da hilft zumindest neue Musik für den Dancefloor. Und Kevin Saunderson hat selbst die Infektion überlebt! Es sei ein Album, das sich auf das Positive und Verbindende in der Welt konzentriert, verrät der Musiker, der mit Hits wie „Ain’t Nobody Better“, „Pennies from Heaven“, „Till We Meet Again“ und „Good Life“ schon immer positive Vibes um die Welt schickte. Unsere Anspieltipps sind das verträumte „Soundwaves“ mit Zebra Octobra, das herausragende Vocal-House-Stück „Living in a Dream“, „That Feeling“ (ein Piano- House-Klubhit von 2018, damals mit Latroit) und der Titeltrack „We All Move Together“, der etwas technoider klingt und eine gute Botschaft hat – und etwas Inner- City-Geschichte erzählt. *rä ELEKTRO U96 „Transhuman“ Wenn sich die Technogröße U96, also Ingo Hauss und Hayo Lewerentz, aus Hamburg mit einem langjährigen Mitglied der Düsseldorfer Legende Kraftwerk zusammentut, Wolfgang Flür, kann nur Großes dabei herauskommen. Nach dem Erfolg „Zukunftsmusik“ arbeitete man auf Albumlänge zusammen. Und das neue Werk erfüllt alle hochgesteckten Erwartungen. Übertrifft sie sogar. Die inszenierte Coolness von Kraftwerk trifft hier auf den mitunter düsteren Technobombast von U96 (man erinnere sich an „Love Religion“ oder auch „I Wanna Be a Kennedy“), ohne dabei im 20. Jahrhundert stecken zu bleiben. „Transhuman“ ist ein absolut zur Zeit passendes Album mit einer Fülle an potenziellen Klubhits, die aber auch in jeder Galerie beglücken. Kunst für Kunst, Kunst für den Dancefloor? Nein, nicht nur. Auch für den Hörer im Homeoffice oder auf Balkonien sind Tracks wie „Sexercizer“, „Hamburg – Düsseldorf“ oder „Transhuman“ ein Genuss. Unsere (weiteren) Anspieltipps sind „Planet in Fever“, „Specimen“ sowie „Kreiselkompass“. Eigentlich jedes Lied. Intelligenter Elektro, der Wärme in Social-Distancing-Zeiten bringt. Und das Cover, die Kuh, ist ein Pop-Art-Knaller. Stellt man sich als Vinyl auch gerne hin ... Großartigst! *rä NEUES ALBUM LICHT AB DEM 16/10/2020 EXKLUSIV IM NENA SHOP DIE LIMITIERTE (1.500) SPECIAL BOX EDITION INKLUSIVE KONZERTTICKET JETZT VORBESTELLEN >> >>NENA.DE

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