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hinnerk Oktober / November 2020

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Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

28 STYLE INTERVIEW

28 STYLE INTERVIEW HEAVYTOOL GEAR Wir chatteten mit dem Designer HEAVYTOOL über seine gerade an den Start gegangene Rubber-Kollektion, die über einen brandneuen Online-Shop erworben werden kann. *rä Wie kamst du auf die Idee, Mode zu machen? Ich kam im Bauhaus Dessau auf die Idee, als ich einen Freund zu einer Klausur dorthin eingeladen habe. Es ging in erster Linie um seine Neuorientierung, die hatte mit der Materie zu tun. Da ich mich ja generell für spezielle Materialien interessiere und ich das Thema Latex sehr spannend fand, kam mir selbst die Idee, eine Kollektion zu entwickeln und zu entwerfen. Was ich dann auch getan habe. Es war spannend, mal in einem ganz anderen Feld etwas zu schaffen, da ich ja bisher Möbel und Objekte entwickelt habe, aus massiven Materialien wie Aluminium und Beton. Ich habe in der Zeit bei ihm in der Werkstatt sehr viel gelernt, da ich neugierig alles ausprobiert habe und mit der Produktion meiner ersten Musterteile mein Können verfeinert habe, da ich diese eigenhändig gefertigt habe. Learning by doing! Zudem war der ganze kreative Prozess sehr spannend, von meinen ersten Skizzen bis hin zum Entwurf von Logos, Sizelables und Details wie Schriftzügen. Eigentlich ein ähnlicher Prozess wie bei den Objekten. Nur dass aus Metall Latex wurde und aus Konstruktionszeichnungen für CNC-Maschinen Schnitte für Kleidung. Spannend! Die Neugier hat sich gelohnt und es fanden sich zudem einige Jungs, die selbst Erfahrung haben mit der Materie und dem Material, somit konnte ich mein handwerkliches SHORTS – BEACH – Z666 Können in Bezug auf Latex verfeinern und entwickeln und war dankbar für all die Unterstützung aus meinem kreativen Freundeskreis. An wen richtet sich deine Mode? An Jungs, Kerle und Queers und alle, die Latex auch im Alltag mal in Kombination mit regulären Klamotten tragen wollen: im Gym, zum Feiern oder am Strand. Zum Biken oder einfach so. Meine Gear ist als Nischenprodukt konzipiert, als Ergänzung zu namhaften Fetisch-Brands, die ja alle seit Jahren scharfe Rubber Gear anbieten. Ich habe mich da an meinen eigenen Interessen orientiert. Ich trage selbst gerne Sportklamotten und habe immer ein, zwei Lieblingsbrands nebst den bekannten Marken. Momentan sind das New Balance und Le Coq Sportif. Man sieht, dass ich meine Designs gerne mit regulären Teilen kombiniere. Sporthose aus Nylon und dazu ein scharfes Latex- Tanktop. Oder meine Schnellfickerhose mit einer Bomberjacke. Es gibt unendlich viel sportliche, prollige Mode von namhaften Firmen, aber ich habe den Eindruck, im Latexbereich konzentriert sich meist alles sehr auf Schwarz. Mein Grundgedanke hinter dem Thema war also, sportliche alltagstaugliche Mode aus Latex zu entwerfen, mit mehr Farbe, die man zu regulären Mode- und Sportartikeln kombinieren kann. Zudem wollte ich mehr Details auf den Kleidungsstücken. Ich arbeite viel mit meinen vier Streifen, die von meinem Haupt-Logo abgeleitet sind (HEAVY- TOOL) und habe ein weiteres rundes Logo entwickelt für meine Latex-Linie. Das sind daher meist sehr aufwendig gearbeitete Teile. Und wie das bei Latex üblich ist, ist alles handgearbeitet: vom gegossenen Logo

is zum eingearbeiteten Reißverschluss, bis hin zu jeder Naht. Wie bequem soll Fetisch-Mode denn sein? Oder kommt es darauf gar nicht an? Ich denke, zu Latex hat jeder eine eigene Beziehung. Für jeden fühlt sich das anders an. Der eine steht extrem drauf, andere finden es interessant oder mögen es gar nicht. Und es ist ja ein Material, das wirklich mit dem Körper und der Haut interagiert. Also meine Teile sitzen mal körperbetont, und andere locker, wie meine Boxerhose X8 zum Beispiel. Bequem ist bei Latex eher relativ. Der eine mag es eng anliegend, der andere eher locker. Bei meinen Produkten ist für jeden was dabei. Vom knackig sitzenden Wrestler-Body bis zur superweiten Skater-, Boxerhose, sexy Badehosen und slimfit geschnittenen Tanktops. Zudem gibt es Modeaccessoires wie Gürteltaschen. In Planung sind auch weitere kleine Modegegenstände passend zu den Outfits. Bequem ist also das, in was man sich letztendlich wohlfühlt. Und das findet man raus, wenn man Latex scharf findet, oder weiß es schon. Ich selbst mag beides. Anliegende Tops und bei den Hosen lieber weit und luftig. Also ja, bequem! Bei unserem letzten Gespräch hast du erwähnt, dass du darüber nachdenkst, auch Mode aus Stoff zu entwerfen. Was tut sich da? Das stimmt. Durch die allgegenwärtige „C“-Krise habe ich das aber auf 2021 verschoben mit der Planung. Ich konzentriere mich jetzt voll auf den Start meiner Latex- Kollektion. Ich bin neu auf dem Markt und möchte erst mal, dass das anläuft, und Erfahrungen sammeln mit den Kunden, die da kommen. Also konzentriere ich mich voll auf die Produktion meiner ersten beiden Kollektionen. Man wächst ja bekanntlich mit den Erfahrungen, die man macht, und den einhergehenden Herausforderungen. Das fließt dann auch in den Ausbau ein, wenn es um die Erweiterung geht im Textilbereich. Da hat sich schon ein Investor aus der Schweiz gemeldet, mit dem das in Planung ist, der meine Sachen selbst cool findet. Es bleibt also spannend! Welches ist dein Lieblingsteil? Also drei mag ich ganz besonders, beide Schnellfickerhosen, in kurz und lang, das Sleeveless „BIKER-C17“ und die Boxerhose X8. Und ich finde alle meine Badehosen sehr scharf, vor allem die G47. Was freu ich mich auf den Strand in Barcelona im August, ich werde jeden Tag ein anderes Modell tragen! Das ist wirklich schwer, mich da festzulegen, da ich ja jedes Teil entworfen habe und da schon immer ein Stück „find ich selber geil“ dann drinsteckt. So soll das ja auch sein, denn vom Produkt bis hin zu meinen Models ist das 100 % Max & HEAVYTOOL und ich freu mich über alle Kerle, die an den Teilen die gleiche Freude haben wie ich selbst. Ich denke, HEAVYTOOL GEAR „sporty rubber“ soll den Fetisch auch ein wenig mehr in den Alltag tragen. Raus aus den Darkrooms an den Strand, Badesee, Sportplatz, ins Fitnessstudio oder direkt getragen zum Flanieren in der City oder zum Klubben. Das passt toll in die heutige Zeit, wo junge Menschen viel experimentieren, sich nicht mehr verstecken mit ihrer Sexualität, sich intensiv damit auseinandersetzen und STYLE 29 jetzt erst recht für ihre Rechte kämpfen. Die junge hippe Generation ist mutig und oft sehr direkt und kommuniziert das verstärkt auch über ihre Mode und den Lifestyle. Also rein ins Latex und raus in die Welt mit sporty heavytool rubber gear. Seid bunt, laut, frei und supersexy! www.heavytool-gear.com INSTAGRAM: rubber.latex.by.heavytool.gear FOTOS: HEAVYTOOL GEAR TANKTOP – PINK – GLZ77 JAN UND PETER WISSEN, WIE WICHTIG EIN LIEBE- VOLLES ZUHAUSE IST. DAS WOLLEN SIE WEITERGEBEN. Gib notleidenden Kindern eine Familie und Zukunft – mit Deinem Testament: sos-kinderdoerfer.de/lgbt_testament sos-kinderdoerfer.de

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.