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hinnerk Oktober / November 2020

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Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

14 SZENE FOTO: CHRISTIAN

14 SZENE FOTO: CHRISTIAN KNUTH Münster das Verbot von sexuellen Dienstleistungen in der Coronaschutzverordnung des Landes NRW auf. Sie verstoße voraussichtlich gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, entschieden die Richter. „Jetzt muss man schauen, wie man das umsetzt“, erklärte Familienminister und stellvertretender Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) in einer ersten Reaktion auf den Beschluss. Der Geschäftsführer der Phoenix Sauna reagierte prompt mit einer Klage gegen die Stadt Köln. Er geht davon aus, dass „die Verfügung sie in ihren Rechten unangemessen beeinträchtigt und eine vollständige Schließung des Betriebes nicht erforderlich gewesen wäre“. Das sei auch Joachim Stamp hinter die Ohren geschrieben. Wenn er weniger ziellos schauen will, „wie er das umsetzt“, empfehlen wir den Blick nach Berlin, wo Sexarbeit mit Hygienekonzept wieder erlaubt ist. Was offen bleibt: Warum wird im Jahr 2020 des Herrn Sex zwischen Herren in Köln immer noch staatlich anders reglementiert als der zwischen verschiedenen Geschlechtern? HAMBURG, DAS PRÜDE TOR ZUR WELT Hier ist die Dragon Sauna zwar seit September endlich – lange nach Fitness- studios und Massagestudios – wieder geöffnet, allerdings sind Kabinen und Darkrooms nicht zugängig. Die Anweisung der Behörden: Don’t do it! Geschäftsführer Habib erklärte gegenüber hinnerk, dass er zwar angeboten habe, jeweils nur zwei oder eine andere spezifische Anzahl von Männern in den FOTO: EVA BURGDORF "Sex mit Sexarbeiter erlaubt, Sex mit Partner nicht" Darkroom zu lassen, dies sei aber als „nicht kontrollierbar“ abgelehnt worden. Die Zusammenarbeit mit den Ordnungshütern laufe sehr kooperativ, nur beim Thema Sex sei halt nach wie vor Schluss. Dies führt in Hamburg zu einer fast kafkaesken Situation, denn auch die norddeutschen Länder haben sich nach lauten Protesten und unter dem Eindruck des Gerichtsurteils in NRW auf eine Wiedererlaubnis für das älteste Gewerbe der Welt geeinigt. Theoretisch könnte Mann sich also einen Sexarbeiter buchen und mit ihm in der Sauna auf das Recht bestehen, seine gebuchte Leistung abzurufen zu dürfen, während die anderen – mit Abstand! – zuschauen müssten. Gleiches würde sich gesunder Manneskraftverstand auch zwischen Paaren nicht nur phantasierend ausdenken wollen. Aber es bleibt vorerst beim Sexverbot in privatwirtschaftlicher Organisation. Raus ins Grüne! PLANTEN UN BULLEN Hamburg und sein staatliches Verhältnis zur Homosexualität füllt schon Bände. Die Covid-19-Krise fügt neue Kapitel hinzu. Wir feiern die Wiederauferstehung von Sitte und Ordnung im nachpreußischen Stile. Ja, wir meinen auch nach Weimar, denn bei aller Liebe zur Volksgesundheit, ist es unverhältnismäßig, sich an vereinzelt kopulierenden Männern in Parks abzuarbeiten, während Horden von Betrunkenen schon wieder völlig unbehelligt durch die Straßen feiern. Kai Reinecke war einer der ersten, der nicht nur bereitwillig eine dieser zur Zeit kursierenden Geschichten erzählt, er tut dies mit Klarnamen und Gesicht öffentlich. In bester Tradition schwuler Sichtbarkeit gegen die Prüderie der Gesellschaft also: Kai übernahm gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Effi Effinghausen am 1. Januar 1987 das Café Gnosa. Die beiden machten daraus das erste schwule Tagescafé auf der Langen Reihe. Mit Fenstern und Außenbestuhlung. Ein Novum, denn bis dahin versteckten sich Homosexuelle meistens hinter verhangenen Fenstern in Türklingelklubs. Er war gelinde gesagt pikiert über das Verhalten zweier Polizisten im Gustav-Mahler-Park. Kai Reinecke Als nicht (mehr) beteiligter Dritter beobachtete er von einer Bank aus, wie

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