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hinnerk Oktober/November 2019

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DIVERSITY Liebe Leser,

DIVERSITY Liebe Leser, unabhängig vom (nicht immer eindeutigen) biologischen Geschlecht definieren sich aufgeklärte Menschen heute so, wie sie sich fühlen und WIE SIE EBEN SIND. Lesbisch, schwul, trans* oder queer oder, oder ... Das stößt manch einen vor den Kopf, der jahrzehntelang dafür gekämpft hat, ein Schwuler sein zu dürfen: Dem behagt es nicht, dass er jetzt in einer Schublade mit „den“ Lesben ist und „nur noch“ queer ist. Es geht aber nicht um Schubladen, es geht um Freiheit. Wir stellen dir hier ein paar Queers vor. Viel Spaß beim Lesen! *rä FOTO: S. MARTINELLI BUCHTIPP #Transsexualität: Gottes Schöpfung Ein wahrlich ungewöhnlicher Lebensweg, den das Buch „Endlich ich“ erzählt. „Darf ich das mir von Gott gegebene Geschlecht verändern?“, fragte Pfarrer Sebastian Wolfrum sich immer wieder. Bis zu seinem Coming-out 2017 kannte ihn seine Gemeinde als Silke, doch die war er nicht. Seine „Häutung“, wie er seine bewusste Entscheidung nennt, verkündete er dann in der Kirche im fränkischen Veitshöchheim. Bis dahin war es für ihn ein langer Prozess. Darf er als Christ in die Schöpfung so stark eingreifen? Darf er das als Pfarrer? Wie reagiert die Gemeinde? Denn auch wenn man das nutzen darf/soll/kann, was Göttin/Gott einem an Fähigkeiten und Möglichkeiten gegeben hat, ist da immer noch das Umfeld, das soziale Gefüge, das es nun mit einem neuen Menschen zu tun hat. Das vor wenigen Monaten beim Münchner Claudius Verlag erschienene Buch „Endlich ich – Ein transsexueller Pfarrer auf dem Weg zu sich selbst“ ist ein äußerst intimer und lesenswerter Blick auf einen mutigen Menschen. Und es macht Mut, zu sich zu stehen! Wir chatteten mit dem Pfarrer. Kannst du mit dem Wort „queer“ etwas anfangen oder lehnst du das eher ab? Ich finde das Wort sehr treffend. Es zeigt einfach, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als in unsere vertrauten Schubladen passt. Soweit ich das erkennen kann, ist „queer“ nicht negativ besetzt. Auch das hilft queeren Menschen, sich in unserer Gesellschaft wiederzufinden. Wovor hattest du mehr Angst: vor der Reaktion der Gemeinde, deiner Freunde oder der Kirche? Angst ist vielleicht nicht ganz zutreffend. Die größten Fragen hatte ich schon Richtung Kirche und Gemeinde. Kann ich in meinem Beruf bleiben, kann ich in meiner Gemeinde bleiben? Das war ja nicht von Anfang an sicher. Und die Reaktion in einem 10.000-Einwohner-Ort kann man im Vorfeld immer schwer einschätzen. Welche Hürde musst/willst du noch bezwingen? Die größten Hürden habe ich hinter mir. Jetzt gilt es vor allem, sich im Alltag des neuen, richtigen Lebens einzufinden. Die Operationen werden sicher noch mal eine Herausforderung. Sie sind für mich der letzte Schritt zur äußeren Angleichung. Wie lebt es sich als Trans* auf dem Land? Musas man mehr kämpfen? Die Region hier ist ja eher städtisch geprägt. Aber klar, es ist etwas überschaubarer als in den großen Metropolen. Ich würde nicht sagen, dass ich mehr kämpfen musste. Aber als Pfarrer bin ich auch öffentliche Person und kann in einem kleineren Lebensraum nicht so einfach in der Anonymität abtauchen. Insofern bin ich mehr gefordert. Vielleicht hilft das sogar eher. Dadurch, dass die Menschen mich seit Jahren kennen, fiel es vielen sogar leichter, meinen Weg zu akzeptieren, weil sie konkret eine Person vor Augen haben, die sich auf den Weg der Transition macht. Sie erleben, dass ich zunehmend in mir ruhe und es sich sehr stimmig anfühlt. *Interview: Michael Rädel www.claudius.de

DIVERSITY INTERVIEW FOTO: MICHAEL MIKLAS, MAKE-UP UND HAIRSTYLING: AVRIL PAUL, ARTWORK: MORITZ GRUHL, ADDITIONAL PRODUCTION: MARTINA BREITENFELD FELIX RÄUBERS atmosphärische Welt voller Symbole Wir sprachen mit dem Ex- Polarkreis-18-Sänger über seine Kunst und sein Sein. Wovon handelt dein Lied „Burning Sky“? Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht, der männlichen und weiblichen Seite in mir selbst, ist eines der drastischsten inneren Spannungsfelder, die ich für mich, und die jeder irgendwann in sich erlebt. Darüber wollte ich einen Song schreiben. Obwohl ich mich nicht als transsexueller Mensch verstehe, zumindest nicht auf der physischen Seite, habe ich diese Ambivalenzen natürlich in mir, denn regelmäßig werde ich mit den Grenzen meiner eigenen Geschlechtsidentität konfrontiert. Alltägliche Situationen, in denen ich nicht weiß, ob meine Handlung als männlich oder weiblich empfunden wird, und wo ich mich frage, was es überhaupt bedeutet, männlich oder weiblich zu sein. Ein heikles Thema, wo ich bei vielen auf Distanz stoße. Ein klares Zeichen also, dass genau hier ein besonders persönliches Thema für jeden von uns liegt, sonst würde man sich nicht so dagegen wehren. Der Song „Burning Sky“ beschreibt eine ikonische Figur, die sich traut, bis aufs Letzte zu ihrer eigenen Geschlechtsidentität zu stehen. Auf dem Bild bist du halb Mann, halb Frau. Oder auch ein Mensch, mal geschminkt, mal pur. Ist Make-up denn immer weiblich? Auf dem Bild wollte ich die weiblichen und männlichen Anteile in mir in einem Bild zusammenfassen. Hält man eine Gesichtshälfte zu, wirkt die noch offene andere Hälfte wie eine eigenständige Persönlichkeit, beides Anteile, die wirklich in meinem Gesicht sind. Avril Paul von Make Up Society hat das Make-up sehr subtil angewendet und letztlich nur die Anteile in mir hervorgehoben, die sowieso schon da waren. Magst du das Wort „queer“? Ich mag, dass „queer“ vieles offenlässt. Ein Sammelbegriff, unter dem man Andersartigkeit, Querdenkerei, Freiheit und Vielseitigkeit zusammenbringt. Du trittst in Sachsen auf. Deine Heimat ist ziemlich in Verruf geraten. Woran denkst du, wenn du an Sachsen denkst? Für mich persönlich hat sich meine Heimat Dresden nicht großartig verändert. Es ist immer noch die Stadt, in der meine Familie, meine Schulfreunde und die Mitglieder meiner Band „Polarkreis 18“ leben. Wenn ich zu Hause bin, mache ich die Dinge, die ich immer schon gemacht habe. Dass Dresden nicht gerade die progressivste Stadt ist, hängt mit der langen Geschichte als Barock- und Residenzstadt zusammen. Natürlich stimmen mich die aktuellen Veränderungen nachdenklich, ich habe hier aber noch nicht die richtigen Antworten gefunden. *Interview: Michael Rädel

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.