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hinnerk Juni / Juli 2021

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4 SZENE FOTO: MICHAEL

4 SZENE FOTO: MICHAEL LUCAN, LIZENZ: CC-BY 3.0, CC BY 3.0, WIKIMEDIA.ORG Alice Schwarzer – Altfeministin und Herausgeberin der Zeitschrift EMMA. INTERVIEW Alice Weidel, Alt-Right light, verewigt von Bernd Ertl für ENOUGH is ENOUGH – OPEN YOUR MOUTH! IDENTITÄTSPOLITIK: Von TERFs über EMMA zur AfD Identitätspolitik scheint im beginnenden Bundestagswahlkampf die Dauerbrenner Genderideologie und Masseneinwanderung auf die Plätze zu verweisen. Wer Frau Wagenknecht, Wolfgang Thierse oder eben Frau Weidel und den TERFs (Trans-Exclusionary Radical Feminists) beim diesjährigen Lesbenfrühlingstreffen genau zuhört, erkennt Zusammenhänge und diskursive Mechanismen, die auf den gleichen ideologischen Stammbaum zurücklaufen: Das Patriachat und seine Machtstruktur, die auf Unterdrückung marginalisierter Geschlechter ruht. Wir sprachen mit der Aktivistin*, DJ* und Bildungsreferentin* Mine Wenzel. Wie bist du auf die Idee gekommen, auf Instagram die Reihe „Femi - CIS - mus - Sexismus- und Misogynieerfahrungen aus nicht-cis Perspektive“ zu machen? Die Wortschöpfung Femi-CIS-mus ist natürlich kein offizieller Begriff, sondern eine Beschreibung, die versucht, feministische Räume in Worte zu fassen. Viele trans*, inter und nicht-binäre Menschen kennen feministische Gruppen, die eigentlich nur Arbeit für endo I cis Frauen machen. Das führt zu vielen Frustrationsmomenten, die ich von mir persönlich und anderen Aktivist*innen kenne, die immer wieder dieselben Dinge beschreiben: Mensch bekommt das Gefühl, dass eins immer mehr als die anderen arbeiten muss, bis die eigene Perspektive anerkannt wird. Das liegt daran, dass viele aktivistische Räume vor allem von denjenigen geprägt sind, die näher an einer gesellschaftlichen Norm dran sind. Je weiter ich mich von dieser Norm wegbewege, desto länger dauert es, bis diese Perspektive ins Gespräch gebracht wird. Als trans* und nicht-binäre Person erlebe ich häufig, wie Feminismus als Kampf um Geschlechtergerechtigkeit zuallererst aus einer weißen II cis-weiblichen Perspektive geführt wird. Konkret habe ich die Serie Mitte März angefangen, weil mal wieder am 8. März darüber diskutiert worden ist, wie mensch den Tag nennt. Diese Frage ist seit mindestens zehn Jahren geklärt. Ein Sternchen hinter das Wort „Frauen“ macht es nicht inklusiver. Trans* Männer, inter* und nicht-binäre Personen fallen aus dem Begriff heraus. Ich muss zum fünfzigsten Mal das Gleiche sagen und es werden wieder die gleichen Leute fragen: Was ist daran verkehrt? Was

GRAFIK: AUSGEZEICHNET.COM mache ich stattdessen? Zusätzlich zu dem elendigen Thema des Namens hat mich die Demo zum feministischen Kampftag in Berlin zur Serie inspiriert: Letztes Jahr haben trans* Sexarbeiter*innen die unangenehme Erfahrung gemacht, dass vom „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ Terre de Femmes zur Demo eingeladen worden sind. Terre des Femmes ist offen trans*feindlich und das schreiben sie auch offen in ihrem Manifest. Auf der Demo haben sie sich diskriminierend gegenüber trans* Personen und People of Color (PoC) III verhalten. Das Demo- Bündnis versicherte damals erst nach einem öffentlichen Outcall, dass Terre de Femmes nie wieder Teil des Bündnisses sein wird. In diesem Jahr war Terre de Femmes jedoch wieder Teil des Bündnisses! Mensch reflektiert nicht, ob eine feministische Gruppe trans*feindlich ist, sondern denkt sich, weil da Feminismus draufsteht, ist das schon in Ordnung. Zusätzlich zu diesem Fiasko hat mich noch der Umgang mit der Gruppe Trans*Fläche zu der Serie bewegt. Trans*Fläche ist eine Gruppe aus trans* Personen, die sichere und selbstbestimmte Orte für trans* Personen fordern und deshalb ein Haus besetzt hatten. Dieses Jahr haben sie ein Zine IV veröffentlicht, das durch linke Kreise in den sozialen Medien gegangen ist. Das Zine ist stellenweise kritisch zu lesen und einzelne Texte darin sind debattierbar. Die Gruppe hat jedoch selbst gesagt, dass sie keine fachliche Abhandlung schreiben, sondern ihren eigenen Marginalisierungserfahrungen emotional und affektiv Luft machen. Im Zuge dessen haben sich Antifa-Gruppen und TERFs zusammengetan und in den sozialen Medien gegen die Trans*Fläche- Gruppe gehetzt und das Zine verrissen. Dabei haben sie sich mit trans*feindlichen, teilweise rechtspopulistischen Aussagen gegenseitig übertroffen, sodass selbst linke Gruppen von Nazis nicht mehr unterscheidbar waren. In einem breiteren feministischen Kontext waren diese Angriffe jedoch kein Thema: Es gab nur wenige Initiativen, die Solidarität gezeigt haben. Gleichzeitig sind am selben Tag das Haus der Trans*Fläche geräumt und die Leute in FOTO: RAIMOND SPEKKING / CC BY-SA 4.0 WIKIMEDIA.ORG Sahra Wagenknecht – altlinke Vorkämpferin, die die Marotten von skurrilen Minderheiten nicht mehr versteht SZENE 5 Polizeigewahrsam genommen worden. So sieht trans* Solidarität aus: Sprich, sie ist nicht vorhanden. Diese Momente sind der Grund, warum ich mich entschied, auf Instagram die Beitragsreihe zu starten. Diese Frustration kann ich nachvollziehen. Die Vereinnahmung von Menschen mit Vulvas und Uteri auf feministischen Demos ist so eklig. Kannst du erklären, warum Feminismus nicht nur den endo cis Frauen gehört? Warum sind trans*, inter* und nicht-binäre Personen kein extra Thema, sondern gehören zum Fundament von Feminismus? Ich bin immer wieder überrascht, wie solche eigentlich augenscheinlichen Tatsachen vergessen werden, dass mensch sagt: Hey, wir reden jetzt über Geschlechtergerechtigkeit, aber im nächsten Beitrag geht es explizit um FrauenTM. Meist wird sich auf reproduktive Gerechtigkeit zurückgezogen und damit die Konzentration auf endo cis Frauen begründet. Doch es ist kein Frauenthema und diesen Umstand zu bemerken, ist kein Hexenwerk. Es ist offensichtlich, dass nicht nur Frauen einen Uterus besitzen. Aber alle Menschen mit Reproduktionsorganen brauchen feministische Emanzipation: Bis 2011 waren beispielsweise Zwangssterilisationen für trans* Personen noch gesetzlich verpflichtend, wenn sie rechtlich anerkannt werden wollten. Die Zugänge zu reproduktiver Medizin werden für trans* Männlichkeiten und nicht-binäre Personen bis heute heftig beschnitten. Inter* Personen werden regelmäßig bei nicht-konsensuellen Operationen sterilisiert. Der Zugang zu solch Sachen wie die Konservierung von Samen und Eizellen ist für trans* Personen eingeschränkt. Das sind alles Themen, die ebenso mit reproduktiven Rechten zu tun haben. Wenn mensch sich mit so einem Thema auseinandersetzt, wie es Feministinnen tun, dürfte es eigentlich nicht schwerfallen, diese Problemfelder zu bemerken. Doch aufgrund der eigenen Scheuklappen, die durch bestimmte Privilegien aufgesetzt werden, fällt so was leider nicht auf. Was ich dabei besonders bemerke, ist, dass Feminismus nicht als Mittel für eine ganzheitliche Bewegung für soziale Gerechtigkeit begriffen wird. Feminismus ist wie Antirassismus oder Antifaschismus ein Werkzeug neben vielen, um soziale Gerechtigkeit zu erreichen. Wenn ich versuche, mich mit Themen der sozialen Gerechtigkeit auseinanderzusetzen, muss ich Kategorien wie Klasse oder race mitdenken. So was kommt leider häufig

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