Aufrufe
vor 11 Monaten

hinnerk Juni/Juli 2020

  • Text
  • Wirklich
  • Wochen
  • Genau
  • Berlin
  • Deutschland
  • Buch
  • Zeit
  • Musik
  • Hamburg
  • Menschen
Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

22 NORDDEUTSCHLAND

22 NORDDEUTSCHLAND BREMEN CSD wehrt sich gegen Verleumdung durch Pastor Olaf Latzel Während der Staatsschutz auf Anfrage des Rat und Tat Bremen e. V., Ermittlung gegen den umstrittenen Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung aufgenommen hatte, stellte der Vorstand Robert Dadanski für den CSD Bremen e. V. einen Strafantrag gegen Olaf Latzel wegen „aller in Betracht kommender Straftaten“. DAS IST PASSIERT In einem Eheseminar sagte Olaf Latzel im Oktober 2019 wörtlich: „Überall laufen diese Verbrecher rum von diesem Christopher Street Day, feiern ihre Party, bringen Dinge raus, … auf unserem Rathaus wird die Regenbogenfahne gehisst halt.“ Im weiteren Verlauf des Seminars bezog sich Latzel auch auf Bibelstellen, nach denen Homosexuelle den Tod verdienen würden. „Wir sind der Christopher Street Day!“ kommentierte Robert Dadanski im Namen des CSD Bremen damals die Aufzeichnung. Die Empörung in den sozialen Medien ist seit dem nicht abgeflaut, nachdem die Gemeinde von Pastor Latzel sich demonstrativ hinter ihren Pastor scharte und gegen ein Disziplinarverfahren Stimmung machte, stieg sie Mitte Mai wieder an. In der Zwischenscheit haben über 17.200 Anhänger Latzels eine Petition unterzeichnet, um Disziplinarmaßnahmen gegen den Pastor zu verhindern. Eine Gegenpetition hat Bastian Melcher, ein Bremer Aktivist und Dragqueen, auf den Weg gebracht. Zwar hat die Bremische Evangelische Kirche (BEK) am 14. Mai ein Disziplinarverfahren gegen Latzel eingeleitet, jedoch zeitgleich für die Dauer der Ermittlungen durch die Bremer Staatsanwaltschaft auch wieder ausgesetzt. Als Reaktion auf den Fall Olaf Latzel ruft Rat und Tat e. V. zur Beflaggung der Stadt mit Regenbogenflaggen auf. Zeitgleich startete der CSD Bremen e. V. eine Regenbogen- Masken-Aktion: Das CSD Team verschickt an alle Spender*innen, die dem CSD Bremen Förderverein e. V. mindestens 15 Euro, gerne auch mehr spenden, eine Regenbogen-Maske per Post zu. Mit der Spende werden zwei Projekte unterstützt: Der Bremer CSD ordert die Masken über die bundesweit bekannt gewordene Aktion des polnische Aktivisten-Ehepaares Jakub und Dawid, die Regenbogenmasken an die polnische Bevölkerung verschenken. Jakub und Dawid haben einen erfolgreichen YouTube-Channel und sind das wohl bekannteste schwule Paar aus Polen und begründete seine Maskenaktion so: „Wir möchten der polnischen Bevölkerung den Regenbogen näherbringen.“ Der Fall Olaf Latzel zeigt in aller Deutlichkeit, wie viele Menschen uns noch immer diskriminieren und wie wichtig unsere LGBTIQ*-Vereine und CSDs in Deutschland sind, die mit ihren Demonstrationen für unsere Rechte kämpfen. Es ist noch lange nicht alles „auch gut so“! *ck

AUSZEICHNUNG Wilhelm-Grimm-Gedächtnispreis 2020 NORDDEUTSCHLAND 23 Auch 2020 wird dieser Preis um Verdienste in unserer und für unsere Community weiter verliehen. Dank der Unterstützung des QWIEN in Wien und Medienpartner hinnerk setzt er seine Erfolgsgeschichte fort. Sechs Preisträger*innen gibt es in diesem Jahr: Die Berliner Butch Barflys bereichern durch ihr ehrenamtliches Engagement für lesbische Sichtbarkeit. Betty White setzt sich auch mit über 98 Lebensjahren weiterhin weltweit für uns ein. Patricia Davies aus Leicestershire hat mit 90 Jahren ihr Coming-Out als Frau gehabt und ist damit Vorbild, dass es niemals zu spät ist, sich selbst zu sein. Simon Kuchinke hat sensationell den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft geschafft; trotz an sich aussichtslosem Platz, bereichert er nun durch seine Ideen die lokale Politik, Respekt! Sein Eintreten für Sichtbarkeit im Amateurfußball zeichnet den amtierenden Mr. Gay Germany, Benjamin Näßler, aus. Alexander Schneller-Pikard aus Österreich überzeugt als offen schwuler Zirkusdirektor als Repräsentant eines Berufsstandes, der sonst eher weniger queere Beachtung findet. Seit 2014 wird soll dieser Preis dauerhaft an Wilhelm Grimm erinnern, der von 1941 bis 2012 lebte und zuletzt in Hannover wirkte. Die Preisträgerinnen und Preisträger sollen dem Lebensziel Wilhelm Grimms entsprechen: Im Leben stehend, ohne sich zu verstecken – aber nicht um jeden Preis sein Leben zum Inhalt machen und für die Mitmenschen ein Vorbild sein; ihren Glauben um des Glaubens leben, ohne anderen Menschen vorangehen zu wollen. Zu den Geehrten gehören unter anderem Lilo Wanders, Rosa von Praunheim und der Leibgarde des Königs von Norwegen (HMKG. *Dr. Alexander Wäldner FOTO: WEIGANG PHOTOGRAPHY BREMEN Notruf aus dem Rat & Tat Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen erreichte die Redaktion ein dringender Appell von Christian Linker, Chef des Rat&Tat in Bremen: "Das Rat&Tat-Zentrum wird derzeit von Ressort Gesundheit institutionell gefördert und es ist völlig unklar, wie von einer Erhöhung von 20.000 Euro die Tariflöhne gezahlt werden sollen, geschweige denn Büroräume gemietet werden können. Es gibt auch keine Informationen darüber, was das Ressort Bildung plant. Das Rat&Tat-Zentrum hat seit Januar keine Stelle mehr für Bildungsangebote der schulischen und außerschulischen Jugendarbeit. In der Bürgeschaft wurde dies bereits thematisiert, der Senat hat jedoch nur beschlossen, dass das Bildungsressort ein Konzept entwickeln soll. Hierzu gibt es jedoch keinen Zeitplan.“ FOTO: RAT & TAT - ZENTRUM FÜR QUEERES LEBEN E:V: www.ratundtat-bremen.de

Magazine

Regionalseiten
männer* – das queere Nachrichtenportal

Unsere News

About us

blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.