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hinnerk Juni 2018

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6 GESELLSCHAFT KEEN

6 GESELLSCHAFT KEEN PLATZ FÖR POLITIK FOTO: OLIVIER HASE Wir leben in Zeiten, in denen das Unsagbare nicht nur an Stammtischen oder in geheimen Chat-Gruppen ausgesprochen wird, sondern bis in den Bundestag vorgedrungen ist. Machen wir uns nichts vor: Die Gesellschaft ist nach rechts gerückt und lange als befriedet gesehene Konflikte brechen mit voller Härte für Betroffene in den Fokus der öffentlichen Diskussion. Wir müssen gar nicht so krasse Beispiele wie den schwulen AfD-Politiker Holger Arppe nennen, der auf übelste Weise über Sexfantasien mit Kindern, Vergewaltigung oder Massenmord am politischem Gegner fabulierte („Grube ausheben, alle rein und Löschkalk oben rauf.“). Es reicht schon, sich Kommunikation zu Themen wie #MeToo, Rassismus gegen Noah Becker oder im Sprachgebrauch des ZDF bei der royalen Hochzeit und ganz aktuell der Diskussion über den Genderstern im Duden anzuschauen. Mit brachialgewalttätiger Sprache werden Befürworter angegriffen, die Anliegen von Diskriminierungsopfern klein geredet und lächerlich gemacht. Ganz vorne mit dabei: schwule Männer. Wie kommt es, dass gerade die, die noch bis vor wenigen Jahren selbst Opfer staatlicher Gängelung (§ 175) waren, sich fast jeglicher Empathie mit anderen Opfergruppen von Menschenfeindlichkeit verschließen, oder sogar aktiv Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Lesben, Frauen, Trans* oder Intersexuellen bekämpfen? Dass schwule Männer, die gerne mal in Datingportalen „gerne Araber oder Südländer“ suchen, gleichzeitig gegen Geflüchtete polemisieren und Homophobie ausschließlich als importiertes muslimisches Problem begreifen? Eine Analyse dieser Tatsachen ist dringend notwendig und wird von Vereinen und Aktivisten bundesweit in Podiumsdiskussionen und Vortragsveranstaltungen aufgearbeitet. Genauso wichtig ist aber auch der öffentliche Widerspruch, wenn AfD-nahe Gruppen wie die „Merkel muss weg“-Bewegung oder die sogenannten „Frauendemos“ sich auf den Plätzen der Republik versammeln und unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Hass und Hetze auf Basis von Lügen und Verleumdung verbreiten. Hamburg hat den ach so Besorgten gezeigt, dass sie in der Freien und Hansestadt nicht willkommen sind. Zur letzten Demo (Stand Redaktionsschluss 23. Mai) auf dem Heidi-Kabel- Platz kamen nur rund fünf Teilnehmer, von denen dann auch keiner die Verantwortung übernehmen wollte und so die „Demo“ von der Polizei aufgelöst wurde. Das ist vor allem dem unermüdlichen Aufstehen der Hamburger Zivilgesellschaft zu verdanken. Ganz vorne mit dabei: queere Institutionen und die Kulturbetriebe der Stadt. Es mag viele schwule Nazis geben, aber es gibt weit mehr Menschen verschiedenster sexueller Orientierung und Identität, die ganz klar sagen: „Keen Platz för Nazis!“ *Valery Pearl & Christian Knuth

GESELLSCHAFT (SCHWULE) NAZIS! 7 MICHAEL LANG, INTENDANT DES OHNSORG-THEATERS „Toleranz, Offenheit, Neugier, Respekt sind Maximen, mit denen wir unser Programm überschreiben möchten. Weder Fremdenhass, Religionsfeindlichkeit noch Homophobie finden bei uns einen Platz, im Gegenteil, wir stemmen uns mit unserer Theaterarbeit energisch dagegen. Erst recht seit unserem Umzug 2011 mitten in das Herz von St. Georg. Diese Haltung ist zwar auch an jedem anderen Standort eine Selbstverständlichkeit, doch in St. Georg ist sie nicht nur Pflicht, sondern Lebenselixier und der Puls des Stadtteils. Und deshalb zeigen wir am Heidi-Kabel- Platz Flagge mit: ,Keen Platz för Nazis‘.“ www.ohnsorg.de FOTOS: VALERY PEARL SCHAUSPIELHAUS HAMBURG „Das Plakat „Kein Platz für Nazis“ sollte eigentlich für sich sprechen.“ www.schauspielhaus.de CHRISTIAN GIEBEL, AIDS-HILFE HAMBURG „Die AIDS-Hilfe ist seit ihrer Gründung politische Bürgerbewegung und wird dies auch immer bleiben, weil es darum geht, Gesellschaft dahingehend zu verändern, ein Platz für alle Menschen zu sein. Das beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Forderungen nach dem Zugang zu Medikamenten für alle. Wir setzen uns mit unseren Angeboten und unseren 150 ehrenamtlichen Kolleg*innen ein für Menschen mit und ohne HIV. Wir streiten laut für die Belange der LSBTI*-Communitys, für die sexuelle Selbstbestimmung, für die Rechte der Frauen im Allgemeinen und selbstverständlich für ein Ende von AIDS. Sollte der politische Rollback weiter voranschreiten oder rechte Gruppierungen politische Verantwortung tragen, hätte das einen massiven Einfluss auf unsere Arbeit. Prävention hat ein Problem, wenn sexuelle Identität, sexuelle Orientierung, Geschlecht und Herkunft unterschiedlich gewertet wird und dadurch (Mehrfach-)Diskriminierung entsteht. Daher: Kein Platz den Nazis und Refugees welcome.“ www.aidshilfe-hamburg.de MATTHIAS LAISS, VORSTAND PRESSE- UND ÖFFENTLICH- KEITSARBEIT HAMBURG PRIDE E.V. „Hamburg Pride hat sich in die Liste der Gegner*innen der ,Demo gegen Merkel‘ eingereiht. Aus unserer Sicht missbraucht diese Demo das hohe Gut der Meinungsfreiheit für diffamierende Hetze. Sie reiht sich in einen populistischen Tenor ein, der sich gegen alle Formen des Andersseins richtet: gegen Migrant*innen, Geflüchtete, gegen LGBT+. Dem wollen auch wir etwas entgegensetzen und zu Akzeptanz und Miteinander aufrufen.“ www.hamburg-pride.de

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