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hinnerk Januar 2018

16 GESUNDHEIT

16 GESUNDHEIT SELBSTHILFE BE MY BUDDY Manchmal ist es besser, sich mit Menschen auszutauschen, die das Gleiche erlebt haben wie man selbst. Besonders in kritischen Lebenssituationen. Eine HIV-Infektion kann so eine Situation sein und das Buddy-Projekt der Deutschen AIDS-Hilfe ist eine Antwort. Wir sprachen mit Nils. Online findet ihr außerdem ein Interview mit Christoph, der schon lange Buddy ist und aktuell in der Welt-AIDS-Tag-Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe zu sehen ist. *ck Warum willst du Buddy werden? Der für mich entscheidende Grund war, dass mich ein Sexdate nach dem Sex angezeigt hat, weil er der Meinung war, dass ich ihn infiziert hätte. Dass dies nach zehn Jahren unter der Nachweisgrenze nicht möglich ist, sind zwar die medizinischen Fakten, die den Staatsanwalt jedoch nicht interessieren. Und so hatte ich die wohl bisher größte Schlacht meines Lebens zu schlagen, denn das ist natürlich mehr als belastend. Man macht sich Sorgen: Was ist, wenn das Ganze publik wird, was wird aus dem selbst aufgebauten Geschäft usw. – kurzum eine Phase in meinem Leben, die ich alleine und mit kompetenter Hilfe gemeistert habe. Von der in dieser Zeit aufgebauten Kraft möchte ich heute gerne anderen etwas abgeben. Nahezu zeitgleich haben Freunde von mir angefangen, sich in Safer-Sex-Projekten zu engagieren. Das fand ich toll, allerdings ist es wenig authentisch, als Positiver Werbung für Prävention zu machen. Ich wollte und will ja helfen und nicht als eine Art lebendes Mahnmal wahrgenommen werden. Durch Gespräche mit einem positiven Date kam ich dann durch Zufall zu dem Projekt, ging auf die Website und habe mich sofort angemeldet. Im Kern möchte ich künftig Betroffene bei den ersten Schritten nach dem positiven Testergebnis begleiten und ihnen vermitteln, dass das Leben auch nach dem positiven Test weitergehen kann und wird und dass man dieses auch erfüllt gestalten kann. Wie läuft die Schulung, was lernst du da genau? Die Schulung ist über zwei Wochenenden angelegt. Einerseits haben wir uns sehr

GESUNDHEIT 17 intensiv mit dem Themenfeld Stigmatisierung/Diskriminierung beschäftigt, denn das ist heute als Positiver eigentlich das größere Problem als die Infektion an sich. Zudem haben wir uns mit Strategien zur Infektionsvermeidung wie „Schutz durch Therapie“ und PrEP sowie dem Kondom beschäftigt. Auch gehört ein Block über die gängigen STIs dazu sowie zur strafrechtlichen Lage. Hier muss man vermitteln können, wie man im Vorfeld Risiken minimieren und an wen man sich wenden kann, wenn es zu spät, sprich zur Anzeige gekommen ist. Zu guter Letzt bilden Rollenspiele einen großen Part, in denen Betreuungsgespräche anhand real aufgetretener Situationen nachgestellt werden. Hättest du dir selbst einen Buddy gewünscht, als du erfahren hast, HIV-positiv zu sein? Auf jeden Fall. Ich habe sozusagen selbst meinen Weg erlernt, mit der Infektion im Alltag umzugehen, denn Freunde sind da nicht immer eine wirkliche Hilfe. Die sind zwar oft mitfühlend, aber es fehlt ihnen meist an eigener Erfahrung mit HIV. Hier macht es einfach Sinn, sich mit einem „Betroffenen“ auszutauschen, der schon ein paar Jahre damit sehr gut lebt. www.sprungbrett.hiv ICH WEISS BESCHEID Foto: Paul Schimweg / Design: twotype Ich habe mich bei Hein & Fiete zu HIV, Hepatitis, Syphilis, Chlamydien und Tripper beraten und testen lassen. Kostenlos, anonym und ohne Voranmeldung, jetzt neu jeden Dienstag und Donnerstag von 16-20 Uhr, sicheres Testergebnis bereits nach zwei Tagen! Hein & Fiete, Pulverteich 21, 20099 Hamburg, Tel. 040 - 240 333 www.heinfiete.de.

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