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hinnerk HH August 2017

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10 HAMBURG der

10 HAMBURG der LGBTIQ*-Community verstanden wird. Noch immer ist die Dunkelziffer von homophoben Gewalttaten oder Beziehungsgewalt in homosexuellen Partnerschaften viel zu hoch.“ „Es geht um Opfer homound transphober Gewalt“ COMING-OUT ALS POLIZIST: „ES HAT AUCH UNANGENEHME SITUATIONEN GEGEBEN“ Zu seinem beruflichen Coming-out erzählt uns Tobias von ersten Reaktionen in seinen Dienststellen: „Ich hatte mich bereits bei guten Freunden geoutet, mit denen ich die Ausbildung zum Polizisten absolviert habe. Hier war mein Coming-out nicht sonderlich erwähnenswert, da es als ‚normal‘ angesehen wurde. Anders war es jedoch am Anfang meiner Laufbahn als Polizist in den Dienststellen. Hier war ich schon ziemlich nervös und machte mir einen Kopf darüber, wie die Kollegen reagieren könnten. Das änderte sich im Laufe der Zeit, da ich mehr und mehr bemerkte, dass es keinen Unterschied macht, hetero oder schwul zu sein. Die Kollegen haben mich als Mensch akzeptiert, dienstlich wie auch privat.“ Es habe aber auch unangenehme Situationen gegeben, so Tobias weiter. Zum Beispiel gleich am Anfang seines Berufslebens, unmittelbar nach der Ausbildung. „Es war meine erste Demonstration, die es zu schützen galt, witzigerweise beim CSD in Hamburg. Schmunzelnd saß ich im Gruppenwagen und lauschte den Kommentaren meiner Kollegen. Keiner äußerte sich negativ, ausgenommen ein Kollege. Sein homophober Kommentar war hoffentlich nicht ernst gemeint, sorgte jedoch kurzzeitig für entsetzte Gesichter.“ Im Laufe seiner bisherigen Dienstjahre blieb das nicht der letzte Einsatz mit schwulem Bezug. Neben weiteren CSDs war es auch das eine oder andere Eingreifen bei häuslicher Gewalt in schwulen oder lesbischen Beziehungen. „In diesen Einsätzen und auch danach erlebte ich bisher keinen Kollegen, der unprofessionell oder gar homophob gegen die Opfer oder Demonstranten vorging.“ Es sei klar, dass auch die Polizei schon lange nicht mehr der „Männerverein“ ist, der er einmal war. „Unsere heutige Polizei ist ein Querschnitt der Gesellschaft, was sie offener, moderner und bürgernäher macht. Jedoch habe ich manchmal das Gefühl, dass gerade diese Wandlung noch nicht ganz in Im Laufe der Zeit lernte Tobias natürlich auch weitere Kollegen und Kolleginnen kennen, die homosexuell sind. „Es hätte mich auch stark gewundert, wenn ich der Einzige wäre“, ergänzt er. So kam es zum Kontakt mit VelsPol. „Ich finde den Beitrag solcher Verbände beachtenswert und wichtig. Hier werden Kollegen und Kolleginnen neben ihrem Dienst tätig und sorgen für eine gute Kooperation zwischen den Verbänden. Sie unterstützen oder initiieren Aktionen innerhalb und außerhalb der Polizei zur Bekämpfung von Vorurteilen und zur Unterstützung lesbischer und schwuler Polizistinnen und Polizisten.“ VelsPol wirkt dabei innerhalb aller Kommandoebenen der Polizei, von Ausbildungsstätten bis zu höchsten Führungsebenen, um für die Anliegen von LGBTIQ* zu sensibilisieren. Vorträge in Dienststellen, Veröffentlichungen in Publikationen der Polizei, Plakataktionen oder die uniformierte Teilnahme an Veranstaltungen, vom schwul-lesbischen Straßenfest bis zum Regenbogenball, gehören dazu. „Schließlich geht es auch um die Opfer homo- und

transphober Straftaten und Gewalt mit ihren oft sehr tief sitzenden Wunden. Und das meinen wir durchaus so doppeldeutig, wie ich das hier sage“, erklärt Tobias eindringlich. Vor allem in seiner täglichen polizeilichen Arbeit profitiere er von diesen Kooperationen, denn Opfer seien in allen sozialen Schichten, Berufsgruppen oder Interessengebieten zu finden. Da helfe es sehr, die Arbeit der LGBTIQ*-Netzwerke und deren Denkansätze und Aktionen zu kennen, um Ansatzpunkte für Hilfestellungen geben zu können, denn nicht immer werde die Polizei von den Opfern als das gesehen und angenommen, was sie sein soll: die staatliche Gewalt, deren erste Aufgabe es ist, gewalttätige Handlungen zu verfolgen, im besten Fall präventiv auf potenzielle Straftäter einzuwirken, um Straftaten zu verhindern und Gefahren abzuwehren. NETZWERKTREFFEN FÜR ERFAHRUNGSAUSTAUSCH In den bundesweiten Landesverbänden von VelsPol gibt es dazu unterschiedliche Erfahrungen. Die Arbeit im ländlichen Raum ist anders geprägt als die in Großstädten und Ballungszentren. Die jährlichen Bundestreffen dienen dem Austausch, zumeist auch über die Bundesgrenzen hinweg. So sind Kolleginnen und Kollegen aus der Schweiz und Österreich in Hamburg dabei. Sie alle gemeinsam werden ein dreitägiges Workshop- Programm absolvieren, am Hamburger CSD teilnehmen und schließlich auch die Sehenswürdigkeiten der Hansestadt kennenlernen – die polizeilichen wie die touristischen. Deshalb reicht das Rahmenprogramm vom Besuch des Polizeioder des Zollmuseums bis zur klassischen Hafenrundfahrt. Die Hansestadt bringt ihren Gästen in Uniform erfreulicherweise Respekt und HAMBURG 11 Anerkennung entgegen. Der Eröffnungsempfang im Kaisersaal des Hamburger Rathauses und die Durchführung der Kongressveranstaltungen im Hamburger Polizeipräsidium sind Ausdruck dafür. „Denn unser Hamburg ist und bleibt das, was es war: eine weltoffene, tolerante und gastfreundliche Stadt, auch und gerade nach den Vorkommnissen um den G20- Gipfel“, so Tobias, dem man den Stolz auf seine Heimat durchaus anmerkt. *Lutz Lorenz www.velspol.de FOTOS: PRIVAT Möbel, Lampen, Tequila TOLLE ANGEBOTE IM ONLINESHOP CHAISELONGUE FLAGSHIP-STORE TIMOTHY OULTON ACCESSOIRES TISCH BETON OPTIK LEUCHTEN MODE NEU: WÄSCHEREI DESIGN: Sofa STRIP ME 1.190,- 269,- 299,-

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.