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hinnerk Februar/März 2019

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20 PARTY INTERVIEW „

20 PARTY INTERVIEW „ Frieden mit mir und meinem Körper “ FOTOS: ENRICO DATU Seit mehr als zehn Jahren erfreut uns DJ Berry E. mit seinen Party- und Blogprojekten. Kurz nach Weihnachten überraschte er mit einem neuen Facebook- und SoundCloud-Profil. Was es mit „The Midnite Monkey“ auf sich hat und was das mit Erwachsenwerden, Mobbing und der Akzeptanz des eigenen Körpers zu tun hat, erzählte uns Berry gern. Zum Jahreswechsel hast du dich auf Facebook überraschend zum Affen gemacht. Warum der Monkey im neuen DJ Namen? Der Name DJ Berry E. ist so eng mit R ’n’ B und Pop verbunden, dass ich einfach einen neuen Namen als Abgrenzung brauchte. Ich habe mich in meinem Freundeskreis immer scherzhaft als behaarten Affen bezeichnet und so kam es dann nach und nach zum Monkey. Midnite repräsentiert mich als Kind der 1980er und somit ist der Name, wie auch das Artwork von „The Midnite Monkey“, die perfekte Symbiose. Beeren sind rund, süß, bunt. Der Affe mit der Banane kommt etwas expliziter, dunkler und rougher daher. Das hat vor allem musikalische Gründe, richtig? „The Midnite Monkey“ ist musikalisch der erwachsenere Berry, da hast du völlig recht. Aber auch privat bin ich keine zwanzig mehr und das spiegelt sich in „The Midnite Monkey“ wider. Das Kind in mir wird sich immer über DJ Berry E. austoben und ich glaube, dass ein großer Teil von mir auch für immer Kind bleiben wird. Aber musikalisch ist es einfach an der Zeit, dem erwachsenen Mann in Berry auch seinen Raum zu geben. Die aktuellen Fotos hat Enrico Datu gemacht. Wie habt ihr das Shooting geplant und den Look entwickelt? Enrico ist ein grandioser Künstler und Mensch. Wir haben uns beim Shooting das erste Mal getroffen und uns sofort gut verstanden. Er liest dich komplett als Menschen und versteht sofort, worum es geht. Mit ihm zu arbeiten, ist fast wie eine Therapie. Er erkannte meine Ängste, Schwächen und sah gleichzeitig die Stärken und das Potenzial in „Midnite Monkey“. Die Fotos zeigen mich im Grunde, wie ich bin. Es ist keine fiktive, verkleidete Person. Er ist ein Teil von mir, der nun einfach besser beleuchtet wurde. „Es ist keine fiktive Person.“ „The Banana formely known as Berry“ ist so eine Assoziation, die mir beim Lesen des Textes auf Facebook einfiel. Ist die Beere denn ganz weg oder ist „Midnite Monkey“ eine zusätzliche Persona? (lacht) Das ist super! Gefällt mir sehr. Nein, der Berry in mir bleibt und das muss auch so, denn das ist musikalisch meine Wurzel. Aber ich werde als DJ Berry E. nur noch ausgewählte Gigs spielen, damit ich den Spaß an R ’n’ B und Pop nicht verliere. Vor allem auf meinen eigenen Partys wie der G.A.Y. oder Pop The Floor wird das Fall sein, aber auch deutschlandweit gibt es so einige Highlights, wo Berry nicht fehlen darf. So ein Imagewechsel ist riskant. Allerdings hast du ja auch schon beim Bloggen erfolgreich die zweite Marke etabliert. Treibt dich eher die Lust am Neuen, am Risiko, oder die Angst vor Stillstand und Wiederholung? Ich mache Dinge eher intuitiv. Ich habe Anfang 2018 irgendwann gemerkt, dass das ganze Pop-Ding für mich irgendwie ausgelutscht ist. Ich habe früh erkannt, dass ich das Feuer verlieren werde, wenn ich so weitermache. Gleichzeitig merkte ich, dass meine Liebe zur House-Musik immer stärker raus will und das möglicherweise mein neuer Weg sein könnte oder sein muss. Da aber beide Musikrichtungen unter einem Label nicht funktionieren, weil der Gast dann nie weiß, was ihn erwartet, musste dieser neue Name her. Natürlich ist es ein Risiko, aber mir ist es wichtig, dass das, was ich mache, authentisch ist. Sowohl auf meinem Blog „Hollywood Tramp“ als auch als DJ. Das ist nun mal ein Teil meiner DJ-Identität, und House hat in meinem Leben schon als Kind eine große Rolle gespielt. Warum sollte ich diese Seite also verbergen? Ich habe mich viel zu lange von Ängsten und Befürchtungen leiten lassen und mit den Jahren gelernt, dass man sich einfach überwinden und machen muss, wenn es sich richtig anfühlt. Du schreibst auf Hollywood Tramp regelmäßig über die Alltäglichkeiten schwuler Dating- und Sexkultur.

PARTY 21 Gerne auch etwas, sagen wir mal, konservativ. Bei den Partys oder eben der Schaffung der DJ-Personas spielst du aber offensiv mit Trigger-Elementen schwuler Sexualität. Nur „sex sells“ oder drückst du in den Personas auch eigene Fantasien aus? Da ist Hollywood Tramp sicherlich ein gutes Ebenbild meiner selbst. Auf der einen Seite bin ich konservativ, wenn es um Beziehung, Dating usw. geht. Aber ich bin sexuell kein konservativer Mensch und sehr offen. Auf Hollywood Tramp dreht sich eben parallel auch vieles um Sex und Sexyness. Die Tatsache, dass ich zum Beispiel auf Instagram mit diesen Elementen spiele, hat eher etwas damit zu tun, dass ich als Teenager für mein Aussehen lange und sehr extrem gemobbt wurde. Ich habe dann lange gebraucht, um in meinen 20ern zu mir zu finden und zu stehen. Erst jetzt in meinen 30ern habe ich Frieden mit mir und meinem Körper gefunden und fühle mich wohl in meiner Haut. Wenn ich also zum Beispiel Oben-ohne-Bilder poste, hole ich mir einfach auf virtuelle und oberflächliche Weise ein kleines bisschen Bestätigung und habe dadurch gelernt, dass es okay ist, dass ich so aussehe, wie ich aussehe, und dass ich mich zeigen kann. Es ist eine kleine Therapie, um zu seinen Körper zu stehen. Fast schon eine kleine Feier für den Frieden in dir selbst. Wer wird denn bei der G.A.Y. im Februar dabei sein: Berry oder Monkey? Ich habe mir ein grandioses Line-up für die Party zusammengebucht und freue mich sehr auf die vielen DJs, Acts und Künstler. Bei der G.A.Y. bin ich in erster Linie Berry der Veranstalter, Berry der DJ und Berry der Performer. Ich werde den kleinen „Midnite Monkey“ an diesem Abend etwas an die Hand nehmen und in dieses große Event einführen müssen. Er wird zur späten Stunde auf dem Electro Floor ein kleines Set spielen und die Mädels aus Amsterdam unterstützen, die an diesem Abend ihre TraffaMafia-Party auf den Electro Floor bringen. Wenn der „Midnite Monkey“ brav ist, darf er dann vielleicht im Mai noch mal ran. (lacht) *Interview: Christian Knuth 23.2. G.A.Y. (Glory And Youth), Docks, Spielbudenplatz, Hamburg, S Reeperbahn, 23 Uhr

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