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hinnerk August/September 2020

Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

16 SZENE DISKRIMINIERUNG

16 SZENE DISKRIMINIERUNG Wie rassistisch ist die schwule Pornoindustrie? FOTOS: WWW.INSTAGRAM.COM/RACECOOPER Der ehemalige Pornostar Race Cooper berichtet von strukturellem Rassismus in der schwulen Pornowelt – und verdeutlicht, warum er Bezeichnungen wie „BBC“ hasst und es satthat, dass schwarze Männer auf ein Körperteil reduziert, statt als Menschen mit Persönlichkeit und Seele wahrgenommen zu werden. WENIGER GELD, WENIGER LOB, WENIGER ANERKENNUNG Race Cooper begann seine Pornokarriere 2009 als Casting-Direktor beim Pornogiganten Raging Stallion, später stand er auch vor der Kamera. Davor hatte er bereits jahrelang für die Film- und Fernsehindustrie gearbeitet. Strukturen, die beim Fernsehen als rassistisch galten – in der Pornowelt waren sie alltäglich, so Cooper. Der Ex-Pornostar prangert Rassismus als tägliche Konstante in dem Business an – ständig seien sowohl seine Arbeitsethik als auch seine Intelligenz infrage gestellt worden. Außerdem wurden die Darsteller gebeten, Rassenkategorien aufzuschreiben, mit denen sie nicht gerne beim Dreh zusammenarbeiten würden. Und: Die Charaktere schwarzer Männer in Pornos seien oft stereotype „Schläger“-Rollen, was Cooper als beleidigende und rassistische Vorurteile brandmarkt. Außerdem ein großer Vorwurf des ehemaligen Pornodarstellers: die Gehaltsunterschiede. Immer habe er weniger verdient als die weißen Darsteller. Der Afroamerikaner erzählt, dass sogar ein Weißer, der noch nie zuvor eine Pornoszene gedreht hatte, von Anfang an 200 Dollar mehr bekam als der erfahrenere Cooper. Die Botschaft dahinter ist für Cooper eindeutig: „Schwarze Menschen sind weniger wert.“ Auch habe er viel seltener Lob, Anerkennung und Bestätigung erhalten als seine Kollegen. Heute glaubt Cooper: Er war nur der „Quotenschwarze“, der dem Studio Vielfalt bescheinigen sollte. Als das Studio schließlich mit Falcon Studios fusionierte, wurde nur ein Mitarbeiter entlassen: Cooper, der einzige schwarze Angestellte. DER RASSISMUS HINTER „BIG BLACK COCKS“ Race Cooper hält jedoch nicht nur der Produktionsfirma den Spiegel vor, sondern auch allen Pornofans. Er spricht von einer Fetischisierung von Schwarzen in der schwulen Pornoindustrie – das sei ein lang anhaltendes und sehr erniedrigendes Problem. Was bedeutet das genau? Der Ex- Darsteller erklärt den feinen Unterschied zu anderen Fetischen: „Fetische wie Fisting oder das Nutzen einer Sexschaukel haben nichts mit Rasse oder Hautfarbe zu tun. Jeder kann daran teilhaben. Aber wenn dein Fetisch irgendein austauschbarer ‚schwarzer Kerl’ ist, nimmst du die menschliche Komponente heraus und behandelst sie einfach als Objekte aufgrund ihrer Hautfarbe“. Wenn man eine Ethnie oder Menschen aufgrund eines Merkmals zum Fetischobjekt macht, werde der Mensch genau das: ein Objekt. Man entmenschliche diese Person zu einer Sache, sagt Cooper. Und schwarze Männer in der Pornoindustrie würden oft sowieso auf nichts anderes als einen bestimmten Körperteil reduziert. Hand aufs Herz: Wem ist bewusst gewesen, wie diskriminierend die Bezeichnung „Big Black Cocks“ eigentlich ist? „Ein Mensch mit einer Seele wird auf einen schwarzen Dildo reduziert, wie die, die man kauft und besitzt – und man versteckt ihn unter seinem Bett, bis man geil und einsam ist.“ Cooper verdeutlicht durch diese krasse Aussage: Dadurch bleibe bei Schwarzen der Eindruck zurück, sie hätten nur Wert in der sexuellen Befriedigung, die sie den Weißen bieten können. Aufmerksame hinnerk Leser*innen werden sich erinnern: So weit waren wir vor zwanzig Jahren schon einmal. Ob Worten nun auch Taten folgen? *lm Den ganzen Text gibt es unter maenner.media/topics/rassismus

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