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hinnerk August/September 2020

Seit 1993 ist hinnerk DAS (erst schwule) und heute queere Magazin für Hamburg und Norddeutschland.

12 SZENE #BLACKQUEER -

12 SZENE #BLACKQUEER - LIVESMATTER ALLE BILDER CC0/GEMEINFREI Rassismus, Homophobie und Evangelikale Wenn Donald Trump sich den Weg zum Fototermin mit Bibel durch friedliche Demonstranten mit Waffengewalt freiprügeln lässt, könnte das kaum symbolischer für „separate but equal“ stehen. Eine Gedankenskizze von Sven Paßmann. „Separate but equal“ war die der ehemaligen US-amerikanischen Rassendiskriminierung zugrunde liegende Losung. Auswirkungen dieser Doktrin manifestierten sich in öffentlichen Örtlichkeiten gleicher Aufgabe, die aber für jeweils nur eine bestimmte Personengruppe zugänglich waren – somit also jeweils zwei Ausgaben hatten oder zumindest getrennte Abteile aufwiesen. D. h. es gab u. a. zwei getrennte Orte des Einkaufens, der Hygiene, des Vergnügens bis hin zu zwei Abteilen in öffentlichen Bussen und Bahnen, deren Separierung lediglich auf der Hautfarbe der Menschen basierte – heute unvorstellbar. Ihren Anfang nahm diese Praxis in der Sklaverei-Geschichte der noch jungen USA. Mit der Zeit zog sich diese aber immer mehr in die südlichen Staaten der USA zurück und mündete schließlich in einem der weltweit bekanntesten Bürgerkriege, der wiederum zu einer vollständigen Aufhebung der Sklaverei führte – zumindest auf dem Papier. Eine gute Zusammenfassung über diesen Teil der Geschichte der USA bietet diese Hausarbeit: https://bit.ly/3jsJA1h. Die ideologische Grundlage der Sklaverei wurde dabei in nicht unerheblichem Maße auch von christlichen Religionen getrieben. Mehrere Bibelstellen wurden hier als Grundlage der Sklaverei angeführt, um sie zu rechtfertigen. Doch dieser Ansatz wurde alsbald immer mehr infrage gestellt. Eine durchaus begrüßenswerte Entwicklung, zumal sie deutlich macht, dass gläubige Menschen sich durchaus darüber bewusst sein können, dass die Bibel einen historischen Kontext reflektiert, der irgendwann einfach nicht mehr funktionieren kann und dass dies dem Glauben selbst nicht widersprechen muss. Dass der christliche Grundsatz „all men are created equal“ nach dem Bürgerkrieg nun Schritt für Schritt auch auf die afroamerikanische Bevölkerung ausgedehnt wurde (siehe https://bit.ly/3jsJA1h) ließ als Gegenreaktion eine Welle an wissenschaftlichen Arbeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstehen, die gezielt „herausfinden“ sollten, dass Rassendiskriminierung gar keine Diskriminierung ist, sondern dass eine Separierung aufgrund der Unterschiedlichkeit einfach ganz natürlich ist. Nun, wer fühlt sich da nicht an die Ideen der Nazis erinnert? Interessant hierbei ist: Sklaverei und vor allem die spätere Rassentrennung wurde auch in jüngster Vergangenheit von christlich-rechten Gruppierungen immer noch über die Bibel gerechtfertigt. Bob Jones Sr., der Gründer-Präsident der Bob Jones University (1960): „White folks and colored folks, you listen to me. You cannot run over God’s plan and God’s established order without having trouble. God never meant to have one race. It was not His purpose at all. God has a purpose for each race.“ Judge Leon M. Bazile, 1959: „Almighty God created the races white, black, yellow, malay and red, and he placed them on separate continents. And but for the interference with his arrangement there would be no cause for such marriages. The fact that he separated the races shows that he did not intend for the races to mix.“ Insbesondere der christliche-fundamentale Ku-Klux-Klan scheint sich seit der Wahl von

SZENE 13 Präsident Trump wieder großer Beliebtheit zu erfreuen und fühlt sich erstarkt. Zur Erinnerung, was zu der Hochzeit des Ku- Klux-Klan typische Sprache war, Theodore Bilbo, Gouverneur von Mississippi, Ku-Klux- Klan-Mitglied, nach dem Entscheid für ein Anti-Lynch-Gesetz: „(The Bill) will open the floodgates of hell in the South. Raping, mobbing, lynching, race riots, and crime will be increased a thousandfold; and upon your garments and the garments of those who are responsible for the passage of the measure will be the blood of the raped and outraged daughters of Dixie, as well as the blood of the perpetrators of these crimes that the red-blooded Anglo-Saxon White Southern men will not tolerate.“ DER EINFLUSS FUNDAMENTALISTISCHER CHRISTEN Fundamental denkende Christen wie Trumps Evangelikale haben dieses „Separate but equal“ nie abgelegt. Es gehört praktisch zu der DNA ihres Glaubens. Die großen monotheistischen Religionen leben von dem Anspruch zu definieren, was normal ist und was nicht. Ein einzelner Gott kann (rein theoretisch oder halt offiziell) keinen Widerspruch erzeugen. Er alleine bestimmt. Im Gegensatz zu den polytheistischen Religionen, deren Glaubensgrundsätze aufgrund der Vielgestaltigkeit der Charaktere Hetzplakat bei der Gouverneurswahl Pennsylvania, 1866 der Götter und der Diskurse zwischen ihnen bestimmt wurden. Doch was hat das mit #queerlivematters zu tun? Vorneweg: Es geht nicht um Relativierung, es geht um das Aufzeigen von Mechanismen. Und diese Mechanismen sind universal – solange es um vermeintlich „andere“ geht, die man kontrollieren will, die man bekämpfen oder in Schach halten muss oder will. Es zeigt sich mehr als deutlich, dass dasselbe Denken auch vor anderen Minderheiten nicht haltmacht. Es verwundert wenig, dass jedes wichtige Thema menschlicher Sozialisation und sein Erkämpfen (Frauenrechte, Rechte von PoC, LGBTIQ*-Rechte usw.) von den Kirchen vehement bekämpft wurde – nach dem Prinzip der moralischen Überlegenheit, die ein „Normal“ und ein „Anders“ definiert. Der eigentliche Grundsatz der Nächstenliebe wurde von den obersten Stellen und deren Anhängern scheinbar als nicht übergeordnet genug empfunden. Das fängt an bei dem willkürlichen, (zeitlichen und Bibel-textlichen) Kontext missachtenden Herauspicken von Bibelversen, um Homosexualität abzuwerten. Vor allem bei streng Gläubigen funktioniert dies wunderbar und wird bei ihnen im besten Fall als „Liebe den Sünder, aber verurteile die Sünde“ interpretiert. Und es hört noch lange nicht bei dem Versuch auf, „wissenschaftliche“ Kongresse zu Gender und Sexualität abzuhalten („Gender und Sexualpädagogik auf dem Prüfstand der Wissenschaften“ der „Demo für alle“-Initiative am 23. Januar 2016) oder „Heilungsansätze“ für Homosexualität B ERGSTRASSE GRUNDS TÜC KSGE S ELLSCHAF T Das ist jetzt dein Job! penny.de/karriere Jetzt bewerben als sympathischer Verkäufer/Kassierer (m/w/d) MIT VERANTWORTUNG UND FREUDE LIEGT UNS ST. GEORG AM HERZEN KARL-HEINZ RAMKE · SLAVA DROZDOV · FRANK FINKE Beginn: ab sofort | Art: Vollzeit und Teilzeit/unbefristet Was Sie bei uns bewegen: • Sie sorgen dafür, dass es läuft und alles seine Richtigkeit hat. • Sie wissen, was wo zu finden ist, stehen den Kunden mit Rat und Tat zur Seite und begeistern durch Qualität und Frische. • Und wenn es mal etwas zu beanstanden gibt, finden Sie immer eine gute Lösung. • Sie verräumen die Waren und stellen sicher, dass alles am richtigen Platz ist. Unser Angebot an Sie: GRUNDSTÜCKSGESELLSCHAFT BERGSTRASSE MBH KNORRESTRASSE 3 20099 HAMBURG FON 040 41 11 99 490 FAX 040 41 11 99 499 WWW.GGBERGSTRASSE.DE MAIL@GGBERGSTRASSE.DE Sicherer Arbeitsplatz Verlässlicher Betriebsrat Faires Gehalt und Sonderzahlungen Mitarbeiterrabatte beim Einkauf

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