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hinnerk April/Mai 2022

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REISE USA In Bewegung

REISE USA In Bewegung Von schwulen Bürgerrechtlern bis zu einer einzigartigen LGBTIQ*-Szene: In der Südstaatenmetropole Atlanta ist die Geschichte der afroamerikanischen Community stets präsent. Tourguide Charly Es gilt als Aushängeschild einer Stadt, in der das Thema Gleichberechtigung seit jeher eine große Rolle spielt. Das 2014 im Zentrum vom Atlanta eröffnete National Center for Civil and Human Rights widmet sich zwar vor allem der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, aber auch dem weltweiten Kampf für Menschenrechte – die LGBTIQ*-Bewegung eingeschlossen. Eindrucksvoll und multimedial erleben die Besucher die wichtigsten Ereignisse in Zeiten der Rassentrennung und den Kampf gegen deren Überwindung. Und natürlich spielt auch Dr. Martin Luther King Jr., Atlantas berühmtester Sohn, in dem Museum eine ganz besondere Rolle. Ein kleiner Raum ist dem 1968 in Memphis ermordeten Friedensnobelpreisträger gewidmet, doch immer wieder wird auf dem Rundgang Bezug auf Kings Wirken genommen. So auch in dem Raum, der sich mit dem Marsch auf Washington vom 28. August 1963 beschäftigt, jener Demonstration, die mit Kings „I have a dream“-Rede endete. Doch auch der eigentliche Hauptorganisator des Groß-Events kommt in dem Raum nicht zu kurz: Dem Bürgerrechtsaktivisten Bayard Rustin, einem langjährigen Vertrauten Kings, gelang es meisterhaft, den Marsch mit all seinen logistischen Herausforderungen zu organisieren. Der offene Umgang mit seiner Homosexualität war einer der Gründe, warum Rustin nicht als offizieller Organisator benannt wurde, dennoch schaffte er es eine Woche nach dem Marsch zusammen mit Philip Randolph, dem nominellen Organisator, unter der Schlagzeile „Die Führer des Marsches“ auf das Cover des Life Magazins. Schwuler Bürgerrechtler Der schwule Bürgerrechtler, dessen Philosophie der Gewaltlosigkeit auch Martin Luther King beeinflusste, ist ebenfalls Thema bei der seit Sommer 2021 von

FOTOS: ACVB & ATLANTAPHOTOS.COM, DAX REISE Center for Civil and Human Rights Black Pride Center for Civil and Human Rights Martin Luther King Jr. National Historical Park Schwules Ausgehviertel an der Piedmont Avenue Bicycle Tours of Atlanta angebotenen Queer History Tour. Während der gut dreistündigen Stadtführung erfahren die Teilnehmenden viel über die queere Geschichte der Stadt und besuchen zahlreiche Orte, die für Atlantas LGBTIQ*-Community von Bedeutung sind. So etwa über den Atlanta Eagle, den Prototypen der schwulen Lederbar, in dem es noch 2009 zu einer Polizeirazzia kam. Mitte der 1980er-Jahre, als die Bar noch unter dem Namen Celebrity Club firmierte, begann hier die Karriere der damals noch jungen Dragqueen RuPaul. Der Rest ist Geschichte. Das Gebäude wurde inzwischen als Erstes in den Südstaaten überhaupt zu einer für die LGBTIQ*-Community bedeutenden „Historic Landmark“ ausgewiesen. In Downtown Atlanta führt die Tour vorbei an großen Wandmalereien, die die lokalen LGBTIQ*-Aktivistinnen Joan Garner und Cathy Woolard ehrt, bis zum Gerichtsgebäude des 11. Circuit. Dort wurde in dem 1986 verhandelten Fall Bowers gegen Hardwick ein bestehendes Sodomiegesetz bestätigt, das im Staate Georgia weiterhin oralen und analen Sex generell unter Strafe stellte. „Eine fürchterliche Entscheidung“, wie Tour Guide Charly Paine hinzufügt. Dank seines ehrenamtlichen Engagements bei der Organisation Historic Atlanta, in der er den Vorsitz des LGBTQ Historic Preservation Advisory Committee innehat, wird das queere Erbe der Stadt so weit wie möglich bewahrt. Neben einem Halt an der besonders queerfreundlichen Kirche Saint Mark gehört auch der Stopp am Martin Luther King National Historical Park mit Kings letzter Ruhestätte und der Ebenezer Baptist Church zum Programm. Hier wird dann auch auf die Rolle des schwarzen schwulen Bürgerrechtlers Bayard Rustin und dessen Einfluss auf King hingewiesen. Nackt auf der Bühne Doch auch die heutige LGBTIQ*-Szene Atlantas kommt nicht zu kurz. Rund um die in Midtown gelegene Kreuzung Piedmont Avenue und 10th Street, die man dank bunter Regenbogenzebrastreifen kaum übersehen kann, schlägt das Herz der schwulen Szene. In der wohl beliebtesten Bar Blake’s On The Park ist eigentlich immer etwas los und hier ist ein guter Ausgangspunkt für ein Bar-Hopping, etwa ins nahe gelegene Bulldogs, in dem vor allem die afroamerikanische Community feiert. Ein gutes Stück nördlicher finden sich in einer typischen Strip Mall mit Parkplätzen in der Mitte und Geschäften bzw. Bars drum herum die Bars Oscar’s und Felix’s sowie das bei einem bunt gemixten Publikum beliebte Midtown Moon mit großem Außenbereich, günstigen Drinks und Dragshows an den Wochenenden. Eine in den USA besondere Seltenheit ist die ebenfalls in Midtown gelegene Strip- Bar Swinging Richards, in der die Tänzer sämtliche Hüllen fallen lassen. Atlantas derzeit angesagtester Tanzklub ist das Heretic, in dem man bis zur Sperrstunde um 3 Uhr morgens ausgelassen feiert. Die Woofs Sports Bar ist dagegen ein beliebter Ort für Buzz, um sich mit Freunden zu treffen. Der bärtige Creative Director und Brand Designer setzt mit seinem queeren Modelabel ABETTERBUZZ witzige Statements auf T-Shirts und Baseball-Kappen und engagiert sich zudem für wohltätige Organisationen. Mit seinem Ehemann lebt Buzz im Hipster-Viertel Reynoldstown, etwa drei Kilometer östlich von Downtown gelegen. „Ich mag die unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Stadtteile“, so Buzz. Auch die Festivalszene weiß der 41-Jährige an Atlanta zu schätzen: von den Musik- und Kunstfestivals bis zum Atlanta Pride oder dem Atlanta Black Pride, die jeweils mit einem Festival im Piedmont Park enden. „Der Park ist dank seiner Nähe zur Szene in Midtown beliebt bei Schwulen, um hier in der Sonne zu liegen oder Sport zu treiben. Im dortigen Freibad findet einmal im Jahr die HIV/Aids-Benefizveranstaltung Joining Hearts statt, einer der Höhepunkte des Jahres“, so Buzz. Von Langeweile ist in Atlanta jedenfalls keine Spur. *dax www.discoveratlanta.com www.exploregeorgia.com

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.