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gab September 2021

12 RHEIN-MAIN-NECKAR

12 RHEIN-MAIN-NECKAR COMMUNITY gratuliert FOTOS: FOTO FALK UND CARSTEN-PHOTOGRAPHY.COM „Dieses brave Wiesbaden mausert sich ein bisschen!“ CSD Wiesbaden 2021 Vor 10 Jahren begann die Geschichte von Warmes Wiesbaden, dem Verein, der mehr queeres Leben in die hessische Landeshauptstadt bringen wollte. Mit vielen Communityangeboten und -kooperationen und nicht zuletzt der Organisation des jährlichen CSDs und der monatlichen „Let’s go queer“-Partyreihe kann der Verein heute stolz auf 10 Jahre Communitywirken zurückblicken. Wir haben Holger Venino und Nathalie Schambach vom Vorstand zum Interview getroffen. Holger und Nathalie, ihr seid beide keine Gründungsmitglieder gewesen, aber könnt ihr trotzdem was zum damaligen Start von Warmes Wiesbaden erzählen? HOLGER: Damals waren es 14 Personen die sich zusammen getan haben. Und der Grund war, dass damals tote Hose in Wiesbaden war. Es gab zwei schwule Kneipen und das war‘s. Und Warmes Wiesbaden wollte das queere Leben in Wiesbaden starten. Es sollte eine Anlaufstelle für queere Menschen entstehen. Auch ein CSD wurde gleich im zweiten Jahr ins Leben gerufen. Man wollte Wiesbaden wärmer machen. Daher kommt auch der Name des Vereins „Warmes Wiesbaden“. Ihr habt verschiedene Angebote und Aktionen, was ist alles Teil von Warmes Wiesbaden? HOLGER: Wir unterscheiden zwischen Projekten und Aktivitäten. Zu den Kernprojekten gehört die Vereinsarbeit wie unser monatlicher queerer Stammtisch und das Vereinstreffen. Dort besprechen wir auch kommende Projekte. Wichtig sind auch unsere Kooperationen, denn wir finden, wir müssen nicht alles alleine stemmen. Die Vielfalt macht’s, und es ist einfacher, wenn ein Projekt von mehreren Organisationen getragen wird. Zu den Kooperationen mit der AIDS-Hilfe Wiesbaden gehört zum Beispiel unser Beratungstelefon, die Bunte Nummer. Dann haben wir das SCHLAU-Projekt, auch eine Kooperation mit der AIDS-Hilfe. SCHLAU leistet Aufklärungsarbeit zum Thema Sexualität und Homosexualität in den Schulen. Die Jugendgruppe „Birds of Pride“ ist letzten Oktober gestartet. Sie sind eine eigenständige Jugendgruppe, die ebenfalls auch von der AIDS-Hilfe und der Jugendkirche KANA unterstützt wird. Obwohl die Jugendgruppe eigenständig ist, sehen wir sie als eines unserer Projekte, weil die Unterstützung der Jugendgruppe uns ganz besonders am Herzen liegt. Wir starten jedes Jahr auch Aktionen zum IDAHOBIT*. Unsere größten Projekte sind aber der CSD und die monatliche „Let‘s go queer“-Party, die übers Jahr gesehen fast genauso wichtig ist wie der CSD. Die Party ist eine feste Größe im Rhein-Main- Gebiet. Wegen Corona schläft sie jetzt leider seit über einem Jahr, aber das wird alles wiederkommen. Welches sind eure Aktivitäten? HOLGER: Wir haben ein Sportprogramm mit einer LGBT-and-friends-Laufgruppe. Da steht nicht nur der Sport im Vordergrund, sondern auch viel Networking: Wie kommen wir mit den Rädern schnell zum CSD nach Mainz? Oder man geht auch mal ein Bier zusammen trinken. Die Laufgruppe hat wirklich Spaß. Bei Bedarf bieten wir im Sportprogramm auch Zumba und Volleyball an, was in der Pandemie leider nicht stattfinden konnte, aber wir wollen versuchen das wieder starten. Während der Pandemie haben wir eine neue Aktivität gestartet: unser WaWi-on- Tour-Programm mit Ausflügen, Wanderungen oder Fahrradtouren. In diesem Jahr gab es außerdem erstmals unsere erfolgreiche Schiffstour „Rainbowshipping“, da waren wir ausverkauft! Wir haben für den diesjährigen „Queeren Sommer“ unsere und andere queere Aktivitäten gebündelt und sind dabei auf über 40 Veranstaltungen gekommen! Dieses brave Wiesbaden mausert sich! Und wir merken: Die Leute brauchen den Austausch und die Geselligkeit. Das versuchen wir zu organisieren! NATHALIE: Unsere Aktivitäten kamen in diesem Jahr gerade nach dem langen Shutdown besonders gut an. Die Leute waren so froh, wieder unter Menschen zu kommen und vor allem wieder unter ihresgleichen zu sein. Das hat man bei unseren Veranstaltungen deutlich gespürt!

RHEIN-MAIN-NECKAR 13 Es gab auch politische Aktionen, die Warmes Wiesbaden ins Leben gerufen hat. HOLGER: Ja, du meinst die Aktion gegen die die „Demo für alle“! NATHALIE: Wir nennen sie ja nur „Die sogenannte Demo für alle“ HOLGER: Im Oktober 2016 hatte sich die „Demo für alle“ in Wiesbaden angekündigt, und sie war nach unserer Meinung eine Veranstaltung eines klerikal-, rechts-konservativ bis -extremen Bündnisses mit starken Verknüpfungen zur AFD und anderen rechtsextremen Gruppierungen. Da war für uns klar, dass wir denen ja nicht einfach so die Stadt überlassen können! Auf Initiative des Vereins, der – das muss man sagen – damals noch gar nicht so breit aufgestellt war wie heute, haben sich dann verschiedene andere Gruppen, Initiativen, Vereinen aber die Kirchen und viele Parteien zusammengetan. Mit fast 100 beteiligten Gruppen was das die größte Demo, an die sich Wiesbaden erinnert. *Interview: Björn Berndt Kontakt zum Verein: Das Vereinstreffen und der Stammtisch finden am 2. Dienstag jeden Monats statt; zurzeit Open Air im 60/40 im Kulturzentrum Schlachthof, Murnaustr. 1, Wiesbaden, www.warmeswiesbaden.de Das komplette Interview gibt’s auf www.männer.media/region/gab COMMUNITY Wiesbaden ist offizielle Rainbow City Neuestes Mitglied des Rainbow Cities Network ist die Stadt Wiesbaden, wie Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende beim Regenbogenempfang anlässlich des CSD- Wiesbaden verkündete. Pünktlich zum CSD Wiesbaden – genauer: beim Regenbogenempfang anlässlich des CSD im Innenhof des Wiesbadener Rathauses am 23. Juli – verkündete Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende, dass die Stadt Wiesbaden in der Kreis des Rainbow Cities Network (RCN) aufgenommen wurde. Damit gehört Wiesbaden zu einer Gruppe von 35 Städten weltweit, die gemeinsam die gesellschaftliche Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt fördern wollen. „Wiesbaden ist eine Regenbogenstadt“, erklärte Mende. „Das beweisen die Menschen, die hier leben jeden Tag aufs Neue. Wir als Stadt müssen uns für diskriminierte Minderheiten einsetzen. Wir wollen diese Aufgabe gemeinsam in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen Städten angehen“. Wiesbaden hat seit Jahren einen „Runden Tisch LSBT*IQ Lebensweisen“, an dem regelmäßig Vertreter*innen aus der Community, der Politik und der Stadtverwaltung zusammenkommen. Seit 2018 hat Wiesbaden außerdem eine LSBT*IQ-Koordinierungsstelle im Rathaus eingerichtet. Zentrales Thema der Wiesbaden-Community ist derzeit die Gründung eines Queeren Zentrum: „Queere Menschen, insbesondere queere Jugendliche, brauchen diesen geschützten Raum, an dem sie so sein können, wie sie sind. Ohne dass sie Anfeindungen befürchten müssen“, sagt Mende. Das RCN wurde 2011 von Amsterdam, Barcelona, Köln und Turin gegründet; inzwischen haben sich weitere Städte angeschlossen, darunter auch Wiesbadens Partnerstädte Gent und Ljublijana. Weitere RCN-Städte aus dem GAB-Land sind Frankfurt, Heidelberg und Mannheim. *bjö www.wiesbaden.de, www.rainbowcities.com FOTO: THE CREATIVE EXCHANGE, UNSPLASH.COM Unser Land kann viel, wenn man es lässt. gruene-frankfurt.de

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.