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GAB September 2016

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Bühne 26 FOTO: E.

Bühne 26 FOTO: E. ZEIZIG / MASCARILLE.COM SZENE AUS „ONE FLAT THING, REPRODUCED“ Dresden Frankfurt Dance Company VIELFALT AUF DER TANZBÜHNE Jacopo Godani und die Dresden Frankfurt Dance Company starten mit einer Reihe von Kollaborationen in die neue Spielzeit. Gleich als Opener gibt es einen Ballettabend, der das Stück „Lux Tenebris“ des Choreografen Rafael Bonachela, Leiter der Sydney Dance Company, als Europapremiere zeigt. Zu sehen sein wird außerdem „One Flat Thing, reproduced“, eine Choreografie von William Forsythe aus dem Jahr 2000, in die auch Studierende der HfMDK eingebunden sind. Als besonderes Special wird es ein Konzert mit dem Frankfurter Musiker Shantel und seinem Bucovina Club Orkestar geben, zu dem Tänzer der Dresden Frankfurt Dance Company eigene Choreografien entwickeln. Zusätzlich wird es im Foyer des Bockenheimer Depots eine Ausstellung mit beweglichen Objekten des japanischen Tänzers und Künstlers Shun Ito geben. Alles in allem eine weltumspannende Mischung aus Tänzern, Choreografen, Musikern und Künstlern. Wie bekommt man das unter einen Hut? Das GAB Magazin hat Jacopo Godani und Rafael Bonachela zum Interview getroffen. JACOPO, WIE KAM ES ZU DEN VIELEN KOLLABORATIONEN? Jacopo Godani: Ich habe mit der Dresden Frankfurt Dance Company eine ganz einfache Philosophie: Wir möchten Zusammenarbeit fördern, möchten uns mit anderen Künstlern austauschen und zusammenarbeiten. Ich finde das sehr wichtig. Denn egal wie hart du arbeitest, bist du doch immer allein im Ballettsaal mit deiner Truppe. Wir wollen ein offenes Haus sein, eine Art Community Center Aber es ist für meine Arbeit und die der Tänzer wichtig, andere Meinungen zu hören und Input zu bekommen. Der Kontakt zu Rafael besteht zum Beispiel schon eine ganze Weile. Wir hatten schon immer großen Respekt für die Arbeit des anderen, haben uns persönlich aber erst vor einigen Jahren kennen gelernt. Ich habe dann ein Stück für die Sydney Dance Company gemacht. Rafael Bonachela: Auch für mich ist das eine großartige Gelegenheit. Ich habe mich in den letzten sieben Jahren mit meiner Compagnie stark darauf konzentriert, den Tanz in Australien nach vorne zu bringen. Aber heutzutage muss man schon allein aus wirtschaftlichen Gründen umdenken. Auch deshalb ist es klug, Kollaborationen zu schießen. Ich probe das Stück, das in Sydney im März Premiere hatte, nun mit Jacopos Ensemble. Und diese globale Zusammenarbeit ist schon sehr außergewöhnlich. Jacopo Godani: Ich erinnere mich noch, dass früher viel öfter die Kollegen vorbeischauten, bei Proben oder nach den Shows Backstage gekommen sind, das gibt es heute kaum noch. Auch das Publikum ist da sehr verhalten, obwohl wir ganz bewusst nach jeder Vorstellung, also auch außerhalb der Premieren, das Theater immer für eine weitere Stunde geöffnet halten. Wir wollen ein offenes Haus sein, eine Art Community Center.

27 Bühne FOTO: DOMINIK MENTZOS FOTO: BEN SYMONS JACOPO GODANI RAFAEL BONACHELA VIELLEICHT IST MAN ALS NICHT-PRO- FESSIONELLER TÄNZER ZU SCHÜCH- TERN? Rafael Bonachela: Oh, das muss man nicht sein. Wichtig ist, den Tanz zu entmystifizieren. Tänzer sind auch Menschen, und Tanz ist ihr Job. Im Gegensatz zu Europa mit seiner unglaublich reichhaltigen und vielfältigen Tanzkultur musste ich in Australien mit ganz anderen Vorurteilen kämpfen. Die Leute hatten Angst, dass sie Stücke nicht verstehen und all dies. Tänzer sind wirklich wunderbare Künstler, und Tanz ist so vielfältig, athletisch, energiegeladen, körperlich und manchmal auch sexy. Und Tänzer zu treffen verbindet dich mit ihrer Arbeit. SPRECHEN WIR DOCH ÜBER DEIN STÜCK, „LUX TENEBRIS“. DER TITEL IST EIN ZITAT AUS EINEM BIBEL-PSALM – HAT DIE ARBEIT RELIGIÖSE HINTER- GRÜNDE? Rafael Bonachela: Nein, und keiner der Involvierten hat eine solche Deutung bewusst reingebracht. Das Thema folgt eher der wortwörtlichen Übersetzung „Licht in der Dunkelheit“. Am Anfang stand die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Nick Wales. Die Musik sollte elektronisch sein, was für mich etwas Neues war, da ich zuvor eher mit klassischer Musik gearbeitet hatte. Jetzt sollte die Musik dunkel, mysteriös sein und etwas Unerwartetes haben. Ich hatte als Inspiration eine Reihe von Begriffen gesammelt, die beschreiben, was ich ausdrücken wollte. Irgendwann bin ich auf das Zitat „Lux Tenebris“ gestoßen, und ich wusste, dass das der Name des Stücks sein wird. Nick Wales hat mit den Begriffen gearbeitet, er hat für seine Musik sogar Klänge benutzt, die die NASA von Planeten aufgezeichnet hat. Die Tänzer haben im Anschluss ihre Assoziationen zur Musik aufgeschrieben, da entstanden teilweise sogar Gedichte, die ich in die Arbeit habe einfließen lassen. Es war alles in allem ein sehr kooperatives Arbeiten im Ensemble. Klänge von Planeten, aufgezeichnet von der NASA KLINGT SPANNEND! JACOPO, ES GIBT NOCH EINE WEITERE ZUSAMMENAR- BEIT, MIT SHANTEL UND DEM BUCO- VINA CLUB ORKESTAR. WAS HAT ES DAMIT AUF SICH? Jacopo Godani: Wir wollen ein Zeichen setzen gegen den Fremdenhass der zurzeit grassiert. In Dresden ist unser Konzert Teil der Initiative „Weltoffenens Dresden“ WOD, als Zeichen, dass wir alle Teil unseres Planeten sind. Wenn man offen ist, gibt es keinen Raum für Angst, und diese Botschaft ist jetzt sehr wichtig. Daher bringen wir das Konzert auch in Frankfurt. Shantel kenne ich auch schon sehr lange, und ich bin absolut fasziniert, welch unglaubliche Energie die Band auf der Bühne erzeugt und die sich aufs Publikum überträgt. Unsere Tänzer werden am Anfang des Konzertes eigene Choreografien dazu entwickeln und tanzen. DER JAPANISCHE TÄNZER UND KÜNST- LER SHUN ITO ZEIGT IM FOYER DES BOCKENHEIMER DEPOTS EINIGE ARBEI- TEN. WAS HAT ES DAMIT AUF SICH? Jacopo Godani: Shun Ito kenne ich als Tänzer, er hat in Japan mit Saburo Techigawaras Compagnie Karas und auch schon für das Ballett Frankfurt gearbeitet. Wir hatten über den Tanz immer wieder Kontakt miteinander. Als Künstler baut er diese Maschinen, die sich mit kleinen Motoren bewegen und mit Licht, Reflexion und Schatten spielen. Zusammen mit Forsythes „One Flat Thing, reproduced“ und Rafaels „Lux Tenebris“ finde ich das sehr passend. • Interview: Björn Berndt 8.9., Premiere „Ballettabend“ mit „One Flat Thing, reproduced“ von William Forsythe und „Lux Tenebris“ von Rafael Bonachela, Bockenheimer Depot, Frankfurt, 20 Uhr, um 19 Uhr Einführungsgespräch mit Jacopo Godani, Rafael Bonachela und Luisa Sancho Escanera weitere Vorstellungen vom 9. – 11.9. und 14. – 19.9., www.dresdenfrankfurtdancecompany. com 10.9., im Anschluss an die Vorstellung: Konzert mit Shantel und dem Bucovina Club Orkestar und Choreografien des Ensembles

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