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22 BÜHNE BÜCHER ES IST

22 BÜHNE BÜCHER ES IST EIN POLITISCHES EXPERIMENT gratuliert FOTO: SERGIO VITALE Die Querverleger Ilona Bubeck und Jim Baker Der Berliner Querverlag, Deutschlands erster und laut eigenen Angaben auch einziger explizit lesbisch-schwuler Buchverlag, feiert sein 25-jähriges Bestehen. Ausgerechnet in seinem Jubiläumsjahr wird der Querverlag nicht bei der Frankfurter Buchmesse vertreten sein. Wieso sich die Querverleger Jim Baker und Ilona Bubeck schon vor der Absage der physischen Buchmesse dagegen entschieden haben, sowie über die Geschichte des Verlags und über die Neuerscheinungen im Herbst erzählt Jim Baker im Interview. Erst mal herzlichen Glückwunsch zum 25-jährigen Jubiläum! Ist der Querverlag wirklich Deutschlands einziger lesbisch-schwuler Buchverlag? Ja, es gibt viele schwule Verlage oder lesbische Verlage, aber wir sind wirklich ein Verlag, der beide Bereiche abdeckt und inzwischen auch um trans*-Themen ergänzt wird. Wir wachsen ja auch mit der Zeit. Lesbisch-schwul spiegelt sich beim Querverlag auch schon in der Verlagsleitung wieder, die seit Anbeginn paritätisch besetzt ist. Habt ihr eine Art Arbeitsteilung? Die meisten denken immer, ich mache die schwulen Titel und Ilona die lesbischen Titel, DIE NEUERSCHEINUNGEN aber das ist ganz und gar nicht so. Die Entscheidungen, welche Titel wir machen wollen und was das Programm angeht, treffen wir zusammen. Ich bin mit der Betreuung der Titel bis zur Drucklegung verantwortlich, und sobald das Buch auf dem Markt ist, übernimmt Ilona und kümmert sich um den Verkauf, das Marketing und die Finanzen. Ihr bezeichnet euren Verlag als politisches Experiment – wie kann man das verstehen? Das war es und ist es nach wie vor. Wir haben uns auf der Frankfurter Buchmesse kennen gelernt, Ilona war damals beim Orlanda Frauenbuchverlag tätig und ich bei Magnus. Bei einer Lesung im LSKH hat sich dann herausgestellt, dass ihr Verlag in Berlin um die Ecke von meinem Verlag war, so ist dann erst mal eine professionelle Freundschaft entstanden. Wir haben uns einmal im Monat zum gegenseitigen Austausch getroffen. Sie hat sich über Frauenkollektive beschwert: Ich habe mich über schwule Kollektive beschwert (lacht), und daraus ist dann die Idee der eigenen Existenzgründung entstanden. Wir sind damals ganz leichtgläubig und blauäugig mit dieser Idee zur Sparkasse gegangen und haben den Verlag ohne Eigenkapital gegründet, was im Nachhinein betrachtet ein Riesenfehler war. Aber vielleicht muss man so naiv sein, um so etwas zu probieren. Ich frage mich heute noch, wieso die Sparkasse uns den Kredit gegeben hat ... Meinen VOJIN SAŠA VUKADINOVIĆ (HRSG.) „ZUGZWÄNGE“ Aus der Reihe „Debatten“: Texte um Flucht, Asyl und Geflüchtete mit vielen biografischen Texten. SUSANNE KALKA / HELENE TRAXLER „LESBISCH, FEMINISTISCH, SICHTBAR“ Vorgestellt werden 40 deutschsprachige Frauen aus unterschiedlichsten Bereichen die als Vorbilder gelten. Helene Traxler hat die Zeichnungen beigesteuert. AIMÉ DUC „SIND ES FRAUEN?“ Der vermutlich erste Lesbenroman aus dem Jahre 1901 wurde wiederentdeckt. Eine positive Lesbengeschichte, die sehr selbstbewusst mit dem Thema umgeht.

Anteil an der GmbH habe ich mir von meinem ehemaligen Chef aus dem Buchladen geliehen, Ilona hat sich ihre Einlage von drei ihr bekannten Verlagsvertreter*innen geben lassen. Dafür haben wir die ersten sieben Jahre aber auch nur für die Abzahlung gearbeitet, gar nichts aus dem Unternehmen heraus genommen und unser Geld woanders verdient. Naja, ich bin von Hause aus sehr optimistisch veranlagt und, um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Für mich war das ein Experiment! Ich habe mich gerne darauf eingelassen. Und ich bereue es nicht. Natürlich ist da immer diese Gratwanderung zwischen kommerzieller Notwendigkeit, weil wir ja auch Rechnungen zahlen müssen, und einem politischen Anspruch, der sich trotzdem verkaufen lassen muss. Und manchmal liegen wir auch voll daneben! Das ist dann das Experiment und auch das verlegerische Risiko, das wir eingehen. Und daher stehe ich auch zu der Wortwahl „Experiment“, weil es für uns nach wie vor ein Experiment ist. Es macht Spaß, aber es ist nie einfach gewesen und es ist heutzutage immer noch nicht einfach. Zur Buchmesse habt ihr jedes Jahr zum queeren Sektempfang an eurem Messestand geladen – dieser Empfang gehört auch zum Konzept des Querverlags, Menschen zusammen zu bringen, mit dem Verlag als Ort der Zusammenkunft? Ja, das war mir immer wichtig. Den Empfang gibt es auch schon seit 25 Jahren und ja, ich bergreife den Verlag da auch ein bisschen als Netzwerk, und das macht mir Spaß. Das Treffen mit Kolleginnen und Kollegen ist schon manchmal wie ein Klassentreffen. Nach so vielen Jahren kenne ich so viele Leute, und viele Berlinerinnen und Berliner treffe ich teilweise nur in Frankfurt beim Empfang. In diesem Jahr fällt das alles aus: Die physische Buchmesse wurde abgesagt, ihr hattet euch schon vorher dagegen entscheiden. Was sind die Gründe? Ich hatte bis zuletzt am Messebesuch festgehalten, ich hatte den Verlag ja schon im vergangenen Jahr angemeldet. Ich bin wie gesagt von Natur aus sehr optimistisch und denke immer „ja, das klappt schon, das klappt schon“. Aber nach den Gesprächen mit so vielen Kolleginnen und Kollegen habe ich niemanden gesprochen, der zur Buchmesse wollte. Und mit diesem Hygienekonzept, wo unter anderen auch alle Bücher eingeschweißt bleiben müssen, ist das dann keine Messe, wie ich sie mir vorstelle. Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen, aber wie soll das gehen mit den Abstandsregeln? Und da sehe ich dann den Sinn der Sache nicht mehr. Wir sind ja sonst auch bei den Berliner, Kölner oder Frankfurter queeren Straßenfesten dabei, das konnte dieses Jahr alles auch nicht stattfinden. Und die Leipziger Buchmesse im Frühjahr ist auch schon ausgefallen. Da geht uns nicht nur der Umsatz verloren, sondern wir wollen als Szeneverlag auch ansprechbar sein für die Szene. Die Leute kommen vorbei, sagen, was ihnen nicht gefällt und was ihnen gefällt, und genau aus diesem Grund machen wir das ja. Wir werden sehen und in dieser Hinsicht kreativer werden müssen, wie wir mit diesem Virus leben und trotzdem einigermaßen effektiv arbeiten können. Zum Schluss eine positive Botschaft an die Leser*innen? Unterstützt eure Kiezbuchandlungen und bestellt die Büchner nicht bei der bekannten Online-Buchhandlung! Das ist meine Botschaft! Kleine Buchhandlungen brauchen Kundinnen und Kunden! Die meisten Menschen im Ausland beneiden uns um die Vielfalt die wir im deutschsprachigen Buchhandel haben, und dafür ist nicht nur die Buchpreisbindung wichtig, sondern auch die Unterstützung der Kundinnen und Kunden. Das ist das A und O. Das wäre mein Wunsch! Interview: Björn Berndt Das komplette Interview gibt’s auf www.männer.media/regional/gab LUTZ VAN DIJK (HRSG.) „ERINNERN IN AUSCHWITZ“ Die Archive in Auschwitz haben es endlich erlaubt, dass man zum Thema sexueller Minderheiten in Auschwitz forscht. Das erste Buch, das der Frage der Verbrechen der Nazis gegen sexuelle Minderheiten nachgeht, mit Beiträgen von Aktivist*innen bis Akademiker*innen. FOTOS: QUERVERLAG

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.