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GAB Oktober 2017

6 FRANKFURT FOTO: BJÖ

6 FRANKFURT FOTO: BJÖ INTERVIEW GUTE RESONANZ Matthias Block-Löwer und Julia Reichel sind die Ansprechpartner für Menschen in gleichgeschlechtlicher Lebensweise bei der Frankfurter Polizei. Im Herbst starten sie eine neue Kampagne „Für ein gewaltfreies Miteinander“ – im Gespräch mit dem GAB Magazin sprechen sie auch über steigende Gewaltstatistiken und geeignete Gegenmaßnahmen. Sie waren mit ihren Kollegen in diesem Jahr wieder mit Ihrem Infomobil präsent auf dem CSD – wie war die Resonanz? Julia Reichel: Das Feedback war absolut positiv! Wir hatten ein neues Giveaway mitgebracht: Einen Taschenalarm, der, wenn man einen Splint zieht, einen Höllenlärm macht – damit erzeugt man Öffentlichkeit. Wir werden oft gefragt, ob wir Pfefferspray befürworten, aber es gibt verschiedene Gründe, wieso wir das nur mit Vorbehalt empfehlen, vor allem weil man sich damit auch selbst treffen kann und es Leute gibt, die auf das Spray gar nicht reagieren. Der Taschenalarm ist ideal, da keine Eigengefährdung besteht. Matthias Block-Löwer: Ein weitere Vorteil: Wenn der Schrillalarm aus der Hand geschlagen wird, macht er weiter Krach. Es ist ein tolles präventives Mittel. Es gab in letzter Zeit Meldungen, dass Gewalttaten gegen LSBTIQ*- Menschen bundesweit gestiegen sind. Bekommen Sie in Frankfurt auch mehr Meldungen? Matthias Block-Löwer: Ja, wir bekommen mehr Meldungen. Aber die Frage ist, ob die Anzahl der Taten tatsächlich angestiegen ist, oder ob einfach mehr Taten bekannt werden. Es gibt ein sehr hohes Dunkelfeld, weil wir ein relativ schlechtes Anzeigeverhalten der Geschädigten haben. Wir und unsere Kollegen mit gleicher Funktion in den Ländern versuchen natürlich, das Bewusstsein bei den Geschädigten hervorzurufen: Wenn ihr Opfer einer Straftat wurdet, zeigt das bei der Polizei an! Und für Frankfurt können wir sagen, dass unsere Arbeit Früchte trägt, denn mehr Taten werden zur Anzeige gebracht. Diese Taten werden anonym statistisch erfasst, und bei der jährlichen Auswertung ist natürlich das Aufkommen im Vergleich Ansprechpartner bei der Polizei Frankfurt zum Vorjahr höher. Das ist eine mögliche Erklärung für den Anstieg, und für mich auch die schlüssigste, denn die Straftaten hat es schon immer gegeben. Ob sie mehr geworden sind, können wir so nicht sagen, weil wir nur mit dem arbeiten können, was wir statistisch erfasst haben. Julia Reichel: Man muss auch immer die Art der Straftaten betrachten. Durch unsere Aufklärungsarbeit werden inzwischen auch niedrigschwellige Taten wie Beleidigung oder Sachbeschädigung vermehrt zur Anzeige gebracht. Sind lediglich die Anzeigen für diese niedrigschwelligen Straftaten gestiegen? Matthias Block-Löwer: Nein, wir verzeichnen einen Anstieg der Anzeigen in der gesamten Bandbreite, von Beleidigung über Sachbeschädigung bis Körperverletzung. Sie dürfen sich jetzt aber auch nicht vorstellen, dass wir hier 70 oder 80 Strafanzeigen bekommen, wir sind immer noch bei einem sehr geringen Anzeigeverhalten, aber gleichwohl macht es sich bemerkbar.

FRANKFURT 7 Ändern die Statistiken die Maßnahmen der Polizei? Matthias Block-Löwer: Grundsätzlich würden wir unsere Strategie ändern, wenn wir einen Straftatanstieg feststellen. Die Konstablerwache oder die Hauptwache sind zum Beispiel Orte, an denen grundsätzlich viele Straftaten passieren. Ob der Täter jetzt immer ausnahmslos angegriffen hat, weil Sie homosexuell sind, muss man herausarbeiten. Falls es sich herausstellt, dass dort speziell Straftaten gegen Homosexuelle gerichtet sind, würde man den Fokus auch darauf legen: Wie können wir mit dieser Opfergruppe umgehen, welches Täterklientel haben wir und welche Möglichkeiten, dagegen vorzugehen? Eine solche Situation haben wir bislang noch nicht. Momentan kann man festhalten, dass Straftaten dort passierten, weil das einfach eine prädestinierte Stelle dafür ist. Welche präventiven Maßnahmen bieten Sie außerdem an? Matthias Block-Löwer: Es gibt über den Präventionsrat der Stadt Frankfurt eine Arbeitsgruppe für lesbisch-schwule, trans*, bi- und intersexuelle Menschen. Dieser Arbeitsgruppe gehören neben uns auch das AmkA, die Bundespolizei, der Präventionsrat, die Stadt, das Ordnungsamt, Broken Rainbow, die AIDS-Hilfe und die Stabstelle für Flüchtlinge an. Wir treffen uns in der Regel zwei Mal im Jahr, tauschen uns aus und versuchen, neue Projekte anzustoßen. Das haben wir jetzt letztlich wieder getan und ein bestehendes Projekt neu aufgegriffen: Das Plakat zum Thema „Keine Gewalt gegen Schwule und Lesben“, das es 2004 schon einmal gab. Wir haben es aufgearbeitet, um eine andere Botschaft rüberzubringen: Für ein gewaltfreies Miteinander. Das wird auch in verschiedenen Sprachen dargestellt. Neben dem Plakat wird es auch die Notfallkarten mit den Rufnummern geben. Diese liegen in öffentlichen Häusern der Stadt aus. Wir wollen damit aber auch in die Szenelokale gehen, um innerhalb der Szene verstärkt das Bewusstsein hervorzurufen, dass es uns als Polizei und die anderen Organisationen gibt, an die man sich wenden kann, wenn irgendetwas passiert. Das muss nicht immer etwas mit einem polizeilichen Institut zu tun haben, sondern es sind zum Beispiel auch Beratungsstellen zum Bereich Trans*- und Intersexualität aufgeführt. Und jetzt hoffen wir, dass das entsprechenden Anklang in der Community findet. WORKWITHINWORK William Forsythe High Breed jacopo godani Special L-E-V Dance Company zu Gast am 15./16. Oktober Bockenheimer Depot In Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main Oktober 21., 22. 26. 29. november 02. BOCKENHEIMER DEPOT am Main Tickets 069 212 494 94 dresdenfrankfurtdancecompany.de 04. 20 UHR Frankfurt Julia Reichel: Wir haben die Aktion bereits beim CSD auf der Bühne vorgestellt und das Plakat präsentiert. Und jetzt freuen wir uns auf eine gute Resonanz! *Interview: Björn Berndt Kontakt zu Matthias Block-Löwer über 069 75566777, zu Julia Reichel über 069 75566999, www.polizei.hessen.de/rainbow

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.