Aufrufe
vor 1 Jahr

GAB November 2020

  • Text
  • Kino
  • Stuttgart
  • Mannheim
  • Erotik
  • Eintritt
  • Kultur
  • Gasse
  • Sauna
  • Szene
  • Frankfurt
gab – das Gaymagazin

8 RHEIN-MAIN-NECKAR

8 RHEIN-MAIN-NECKAR FOTO: H. SEIBERT RADIO Seit 1997 schickt der Regionalsender Radio Darmstadt monatlich eine queere Sendung on air. Nach „Andersrum“ und „Rosa Welle“ ist die Show seit 2008 unter dem Namen „Ganz schön queer“ bekannt und wird seit 2010 von Jürgen Radestock gestaltet. „Ganz schön queer“ ist heute die einzige deutsche queere Radiosendung, die von einem gemischten Doppel moderiert wird – seit vergangenem Jahr mit der neuen Co-Moderatorin Heike Greulich. Zu seinem 10-jährigen „Ganz schön queer“-Jubiläum haben wir mit Jürgen Radestock gesprochen. *bjö GANZ SCHÖN QUEER! Jürgen, wie bist du 2010 zu „Ganz schön queer“ gestoßen? Irgendwann im Frühjahr 2010 sprach mich ein Kollege im Sender an und erzählte mir, dass das bisherige Team der queeren Sendung aufhören wird. „Ob ich das schon mitbekommen hätte?“ fragte er mich. Das hatte ich tatsächlich. Dann meinte der Kollege „du bist doch auch so …“ und „ob ich nicht jemanden kennen würde, der diese Sendung übernehmen will“, damit dieses wichtige Thema on air erhalten bleibt. Das war eine extrem lustige Begegnung. Sofort dachte ich dabei an meine Freundin Gogo, die sich zu dieser Zeit mehr politisch engagieren wollte. So schlug ich ihr vor, diese Sendung zu übernehmen, vielleicht zusammen mit einer Freundin oder so. Nach einiger Bedenkzeit sagte meine Freundin dann zu, aber nur mit mir an ihrer Seite. So hatte ich also letztlich zusammen mit ihr die Sendung geerbt. Und so begründeten wir damals das erste schwul-lesbische Team im Radio, was es sonst nirgendwo anders gibt. Entweder gibt es schwule oder lesbische Teams – aber keine gemischten. Darauf kann die Darmstädter Szene und vor allem Radio Darmstadt sehr stolz sein. Den Namen „Ganz schön queer“ hatten unsere Vorgängerinnen schon ins Leben gerufen oder übernommen. Wir jedenfalls waren uns sicher, der Name ist perfekt – vor allem für ein gemischtes Team – und führten ihn weiter. Wenn man sich heute mal umschaut, dann ist fast alles queer – und nicht mehr schwul oder lesbisch, wie es früher oft betitelt wurde. Das ist super. Und vielleicht auch ein Verdienst von uns (lacht). Wie setzt sich das Programm der Sendung zusammen? Seitdem ich diese Sendung betreue haben wir primär immer auf lokale Themen gesetzt. Es ist schließlich ein Lokalradio. Es gibt so viele Menschen, Vereine und Institutionen, denen wir hier im Radio schon eine Stimme geben konnten. An erster Stelle sind sicherlich die CSDs in der Region zu nennen, also Darmstadt, Frankfurt, Mannheim, Wiesbaden und Mainz. Also Orte, wo die Menschen aus Darmstadt hinfahren. Darmstadt ist ja szenetechnisch erst in den letzten Jahren stärker hervorgetreten. Es gab aber auch immer wieder Menschen, die neue Projekte gestartet haben, tolle Gruppierungen aus der Umgebung, die wir zu Wort haben kommen lassen und auch die ein oder andere Berühmtheit war schon bei uns on air. Ob der Bürgermeister von Darmstadt, Jochen Partsch, Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts, Harald Blaul vom ehemaligen „Der andere Buchladen“ aus Mannheim, der Regisseur Jochen Hick („Mein wunderbares West-Berlin“), Chansonier Tim Fischer, das Vintage- Showgirl Aurora DeMeehl oder Kabarettist Malte Anders. Sie alle waren schon bei uns. Wir bringen aber auch Themen ins Radio, die die Community im Allgemeinen beschäftigen. Der Global Pride im Corona Jahr, 50 Jahre Stonewall 2019, politische anti-queere Revolten in der Welt, die Veränderungen in den USA als Donald Trump Präsident wurde, die „Ehe für alle“, queere Rechte und Unterschiede in Europa – alles Themen die nicht lokal sind, trotzdem aber auch Menschen in Darmstadt und unserem Sendegebiet beschäftigen. Gibt es zwischen dir und Heike unterschiedliche Schwerpunkte bezüglich der Themenfindung? Ich denke schon. Sie ist lesbisch, ich schwul (lacht), Unterschiede gibt es. Das habe ich bereits damals mit Gogo gemerkt. Schwule und Lesben beleuchten Themen oft unterschiedlich und stellen andere Fragen. Das macht es in meinen Augen so wertvoll, ein gemischtes Team zu haben. Gewissermaßen also auch eine Form von lesbischer Sichtbarkeit. Ich persönlich liebe Kinofilme und Musik und bin darin gut informiert. Da finden sich oft fluffige, spannende Themen für die Sendung. Das soll aber nicht heißen, dass mir nicht auch schwere Themen, wie zum Beispiel die Ausgrenzung von HIVpositiven Menschen nicht auch liegen. Ich liebe die Abwechslung. Denn letztlich bringt jeder unserer Gäste ein eigenes Thema mit, worauf es sich einzustellen gilt. Das wird nie langweilig. Heike fand, als sie vor einem Jahr dazu gestoßen ist, unsere Rubrik „Queer-Songs“ spannend und wollte gerne regelmäßig ein Thema aus Darmstadt präsentieren. Dabei ist es aber nicht geblieben. Stonewall 50 oder die ganzen Online-CSD-Veranstaltungen im Corona Jahr fanden wir beide sehr spannend. Da haben wir uns gut ergänzt und konnten in der Sendung viel darüber berichten. Das gab viel Lob von außen (also von unseren Hörer*innen). Es ist zwar nicht immer einfach, doch letztlich versuchen wir, in der Sendung eine gute unterhaltsame Mischung hinzubekommen. Die kann mal lustiger, mal ernster sein. Im besten Falle sogar beides. Ganz schön queer, jeden ersten Montag im Monat bei Radio Darmstadt, 18 – 20 Uhr, DAB+ 103,4 mHz oder über www.radiodarmstadt.de Das komplette Interview gibt’s auf www.männer.media/regional/gab

RHEIN-MAIN-NECKAR 9 COMMUNITY Hessens erster Preis für Lesbische Sichtbarkeit Veronica King ist die erste Ausgezeichnete des neu ausgelobten Hessischen Preises für Lesbische Sichtbarkeit. Am 14. Oktober wurde der erste Hessische Preis für Lesbische Sichtbarkeit im Rahmen eines feierlichen Festakts im Biebricher Schloss verliehen. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht an die Kasseler Sozialpädagogin Veronica King. „Mit Veronica King hat die Jury eine Preisträgerin ausgewählt, die sich in den vergangenen Jahrzehnten und bis heute in einer Vielzahl von Rollen und Settings für lesbische Sichtbarkeit eingesetzt hat und immer noch einsetzt – häufig gegen alle Widerstände“, heißt es dazu von Sozial- und Integrationsminister Kai Klose. Veronica King ist in vielen Bereichen tätig: Ob als Sozialpädagogin in der Frauen- und Jugendarbeit, im Vereins- und Freizeitsport, in der Verwaltung, bei der Organisation des CSD Kassel, in Theaterprojekten oder zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Aktivitäten teilt King ihre Erfahrungen als farbige, lesbische Frau und arbeitet daran, Strukturen zu öffnen und weiterzuentwickeln. FOTO: TIM WEGNER Zur ersten Preisverleihung lagen über 20 Nominierungen vor; unter anderem auch die vieler Aktivist*innen aus Frankfurt wie die Organisator*innen des Dyke March Rhein-Main 2019, die Beratungsstelle LIBS, der Chor „Die Liederlichen Lesben“, Dr. Constance Ohms, Erika „Ricky“ Wild vom La Gata und auch Kim Engels vom frauen museum wiesbaden, außerdem die Initiative „Lesben gegen Rechts“ und Yvonne Ford als Veranstalterin von „Lesbischer Herbst“. Der Preis wird von nun an alle zwei Jahre an Lesben (cis, trans*, non-binär), lesbische Gruppen und Initiativen und Organisationen verliehen, die sich für lesbische Sichtbarkeit einsetzen und Bezug zum Land Hessen haben. *bjö www.soziales.hessen.de

Unsere Magazine

Regionalseiten
männer* – das queere Onlinemagazin

Unsere News

About us

blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.