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gab März 2021

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8 FRANKFURT KELLY

8 FRANKFURT KELLY HEELTON „Rassismus ist eine heimtückische Kulturkrankheit“ Sie zierte schon das Cover des GAB Magazins, war und ist erfolgreich in TV-Shows und gehört fest zur queeren Community Deutschlands. Höchste Zeit, Kelly Heelton mal wieder im Chat zu haben! FOTO: SELFIE Wie erlebst du als Geschäftsfrau die Corona-Zeit? Die aktuelle Situation ist für niemanden einfach. Kein Theater, keine Klubs, Partys, Veranstaltungen ohne Bühne oder Publikum. Als Künstler war es schon vor Corona immer ein Kampf. Und ich kämpfe weiter! Glücklicherweise kann ich an einer Musicalschule, an der ich seit 13 Jahren arbeite, immer noch Online-Unterricht (Schauspiel und Tanz) geben. Hat sich dein Privatleben sehr verändert? Ich bin sehr gerne zu Hause, koche, erstelle Outfits und erarbeite Performance-Ideen. Im Lockdown bemerkte ich, dass es mir manchmal an Kreativität mangelte. Natürlich fehlen mir soziale Kontakte. Ich mag meine Rolle als „Hausfrau“, aber ich hasse Routine. Ich vermisse die Bühne sehr, doch ich habe gelernt, das Beste aus meiner Zeit zu machen und mich um meine körperliche und geistige Gesundheit zu kümmern. Was macht dir Hoffnung? Täglich und jede Stunde erhalten oder lesen wir neue Nachrichten. Es ist schwer zu wissen, was man glauben soll. Aber ich habe immer noch das gute Gefühl, dass bald alles gut wird, wenn alle Maßnahmen richtig getroffen wurden. Für mich ist der positive Teil dieser ganzen Situation, dass die Menschen gelernt haben, Freundschaften, den Menschen viel mehr Wert zu geben. Wir alle dürsten nach Freiheit, um zu feiern! Und genau dieses Gefühl erhöht meine Hoffnung. Thema Rassismus: Wie begegnet er dir im Alltag? Leider erlebe ich immer noch Vorurteile wegen meiner Hautfarbe. Es scheint surreal, dass dies noch diskutiert werden muss. Black, gay und Dragqueen ist für viele Menschen immer noch ein Tabu. Das Problem ist, dass „nicht schwarze“ Menschen Rassismus als bewussten Hass betrachten, obwohl Rassismus viel größer ist. Ja, Rassismus sieht aus wie Hass, aber Hass ist nur eine Manifestation. Privilegien, Apathie und Ignoranz sind auch Manifestationen von Rassismus. Dinge wie der verblüffte Blick einer Supermarktkassiererin, wenn sie sieht, dass ich eine (einfache) EC-Karte besitze. Oder ohne Grund von der Polizei auf der Straße angehalten oder immer ohne Grund kontrolliert werde, nur wegen meines Hautfarbtons. Und es geht noch schlimmer, wie zum Beispiel, dass ich nicht für Theater- oder Fernsehproduktionen zugelassen wurde, nur weil ich sehr „dunkel“ bin (und mir wurde das in mein Gesicht gesagt). Wir haben 2021 erreicht, wir haben bisher viel erreicht. Aber es liegt noch viel Arbeit vor uns. Wie gehst du mit Menschen um, die „eigentlich“ nett sind, aber dann doch Vorurteile haben, die sie an der Hautfarbe festmachen? Das ist genau das Problem: Ich muss mich darum kümmern (!?). Rassismus ist eine heimtückische Kulturkrankheit. So heimtückisch, dass es mir schon egal ist, ob weiße Personen schwarze Menschen mögen. Sie werden immer einen Weg finden, Beziehungen zu Menschen zu infizieren, die nicht wie sie aussehen. Und die Frage kommt zurück: Muss ich da wirklich mitgehen? All dies zu erklären, wurde seit der Zeit der Sklaverei versucht. Viele wollen nicht verstehen, um ihre „Macht“ und ihre „Privilegien“ nicht zu verlieren. Ich entwickle mich weiter und siebe Menschen aus, von denen ich weiß, dass sie mich niemals akzeptieren/respektieren werden als der, der ich bin, unabhängig von meiner Hautfarbe. Und wie gehst du mit Hetze im Internet um? Seitdem die Menschen gelernt haben, das Internet zu nutzen, ist es für viele Feiglinge, die sich „Herren der Weisheit“ oder „Wissenschaftler der Wahrheit“ nennen, zu einer Rüstung geworden. Natürlich denke ich, dass es fair ist, wenn Menschen ihre eigenen Meinungen haben, und ich denke auch, dass es fair ist, wenn Menschen frei sind zu denken und zu fühlen, was sie wollen. Ich denke, dass das Streiten im Internet dasselbe ist wie das Kämpfen im Dunkeln, aber mit der Tastatur als Waffe. Es führt nirgendwohin. Ich streite nicht, ich rede und erkläre. Es ist nicht mein Problem, was die Leute über mich denken. Am Ende ist es wichtig, wie ich mich fühle, und mein innerer Frieden, mein Stolz, so zu sein, wie ich bin. *Interview: Michael Rädel

COMMUNITY NACHRUF: Herbert Gschwind FRANKFURT 9 Anfang Januar verstarb der in Frankfurt tätige Arzt und Psychoanalytiker Herbert Gschwind. Zusammen mit seinem Mann, dem Psychiater Ulrich Goos, leitete er eine Praxisgemeinschaft in Frankfurt. Herbert Gschwind gehörte zur ersten Welle der Frankfurter schwulen Emanzipationsbewegung und war neben seiner Tätigkeit als Psychoanalytiker auch in der Community engagiert – unter anderem als Mitinitiator des Frankfurter Engels, dem Denkmal Homosexuellenverfolgung am Klaus-Mann- Platz, sowie zuletzt als Berater für das maincheck-Zentrum der AIDS-Hilfe Frankfurt. Für die Trans*-Community wie für LGBTIQ*-Geflüchtete war seine Praxisgemeinschaft eine wichtige Anlaufstelle in Frankfurt. Herbert Gschwind war außerdem engagiert in der Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule im Gesundheitswesen BASG sowie im ehemaligen Frankfurter Institut für Sexualwissenschaft und dessen „Zeitschrift für Sexualforschung“. Für schwule Männer veröffentlichte er einfach verständliche medizinische Ratgeber und Sachbücher, die über STIs informierten, lange bevor der Begriff salonfähig wurde. FOTO: ELHIT Herbert Gschwind beim Gedenk- und Diskussionsabend zum Welt-AIDS-Tag 2014 in der Frankfurter Paulskirche. Für die AIDS-Hilfe Frankfurt sprach er zudem öfters als Redner der Gedenkveranstaltung zum Welt-AIDS-Tag; der Titel seines Vortrags 2014 hieß „Rückkehr der Scham?“ mit kritischen Gedanken über Schamgefühle homosexueller Männer zu ihrer sexuellen Orientierung und die mehr oder weniger versteckte Homophobie in der Gesellschaft. *bjö

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.