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gab März 2021

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MUSIK TIPP FOTOS: JULIAN

MUSIK TIPP FOTOS: JULIAN BURGUENO MADISON BEER: Autoaggression und Kunst Die sozialen Medien sind für Madison Beer wohl gleichermaßen Fluch und Segen. Einerseits entdeckte Justin Bieber ihre Version von Etta James‘ „At Last“ bei You- Tube und teilte sie auf Twitter. Das bracht der Amerikanerin nicht nur ungeheure Aufmerksamkeit, mit Biebers Hilfe ergatterte sie gleich ihren ersten Plattenvertrag. Andererseits wird die Sängerin bei Instagram oder TikTok – das Videoportal hat sie inzwischen von ihrem Mobiltelefon gelöscht, aus Selbstschutz – immer wieder gemobbt. Sie sei zu schön, heißt es zum Beispiel. Da habe sie wohl ein bisschen nachgeholfen... Dabei sollte man die volle Aufmerksamkeit lieber auf ihre Musik richten, die 22-Jährige ist nämlich ausgesprochen talentiert. Den Beweis dafür liefert ihr Debütalbum. Nicht ohne Grund nannte sie es „Life Support“: Die kreative Arbeit am Album war quasi der Rettungsanker, als Madison Beer durch eine ziemlich dunkle Zeit ging. Ihre Beziehung zerbrach, bei ihr wurde eine Borderline-Persönlichkeitsstörung inklusive Stimmungsschwankungen und Autoaggressionen diagnostiziert, zeitweilig hatte sie sogar Selbstmordgedanken, wie sie in einem Interview mit dem Magazin „The Face“ offenbarte. Um dieses Tief zu überwinden, entschied sich die auf Long Island geborene Musikerin, die heute in Los Angeles lebt, für eine Psychoanalyse. Dreimal pro Woche ging sie zur Therapie und setzte sich mit ihren tiefsten Empfindungen auseinander, das half ihr, sich selbst besser zu verstehen. Davon profitierte sie nicht nur als Mensch, sondern auch als Künstlerin. Madison Beer begann, gnadenlos ehrliche Lieder zu schreiben. In der melancholischen Ballade „Selfish“ bereut sie, sich auf ihren egoistischen Ex eingelassen zu haben. „I bet you thought you gave me real love“, singt sie. „But we spent it all in nightclubs.“ Im sphärischen „Stained Glass“ offenbart sie ihre Dünnhäutigkeit, der Satz „My skin is made of glass“ spricht Bände. „Effortless“ pirscht sich ebenfalls auf Samtpfoten an. In diesem Titel zieht Madison Beer die Option in Betracht, den fiesen Schmerz mit Tabletten zu betäuben. Wen diese Stücke nicht berühren, der muss aus Stein gemeißelt sein. Offenheit ist das Charakteristikum, das Madison Beer so unverwechselbar macht. Sie setzt sich mit ihrem (Welt-)Schmerz von der Konkurrenz im Mainstream- Pop ab, hat aber ganz offensichtlich auch nichts gegen ein bisschen Spaß einzuwenden. „Baby“ – eine Harfe liefert das Intro, kein Witz! – lockt mit groovigen R'n'B-Beats auf den Dancefloor. „I look too good to be in this bedroom without someone to touch me like you do“, flötet die Sängerin, die in diesem Song ausnahmsweise die laszive Verführerin gibt. Sie fühlt sich attraktiv und selbstbewusst, das hört man. Das basslastige „Follow the White Rabbit“ wirkt dagegen dunkel und beängstigend, fast schon gespenstisch. So nimmt Madison Beer ihre Hörerschaft mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Düsternis statt Party. Längst hat sie weit mehr zu bieten als ihr 13-jähriges Alter Ego, das Coversongs bei YouTube einstellte. Wer weltweit mehr als drei Milliarden Streams verzeichnen kann – ein Drittel davon für die EP „As She Pleases“ (2018) –, der ist auf dem Weg nach ganz oben. 2019 übernahm Madison Beer die komplette Kontrolle über ihr kreatives Umfeld. Sie schreibt und produziert ihre Lieder selbst. Mit diesem Konzept dürfte diese unglaublich talentierte Künstlerin künftig für Furore sorgen. *Dagmar Leischow

COMEBACK Amanda Lear „More“ Amanda Lear kündigt für den Frühling ein neues Album an: „More“. Es ist das erste Studioalbum der queeren Sängerin seit „Let Me Entertain You“ 2016. In ihrer seit Jahrzehnten andauernden Karriere hat Amanda Lear musikalisch schon so ziemlich alles ausprobiert: Disco, Eurodance, Balladen, Pop-Rock und auch House. Und nicht nur in der Musikwelt war die ewige Schönheit vielseitig interessiert. Amandas Karriere startete in den 1960ern als Model (sie lief während ihrer aktiven Zeit unter anderem für Karl Lagerfeld und Jean Paul Gaultier), etwa in der selben Zeit traf Amanda Lear auf den Maler Salvador Dalí und wurde seine Muse. Bis heute malt sie hoch gehandelte Werke. Ihren großen Durchbruch hatte Amanda dann als Sängerin von Hits wie „Queen of China-Town“ (Platz 2 in Deutschland), „Tomorrow“ (Platz 1 in ihrer Wahlheimat Italien), „Love Your Body“ (Top 30 Belgien) und natürlich „Follow Me“ (ein europaweiter Top-10-Hit). Seit den 1980ern konzentrierte sie sich vor allem auf ihre TV-Karriere, veröffentlichte aber sporadisch Musik, die auch immer irgendwo auf der Welt chartete. Wir sind gespannt, wie das neue Album klingen wird, vorab zu hören gab es bei Redaktionsschluss noch nichts. *rä www.amandalear.com ROCK Die Könige sind zurück Lange mussten wir auf ein neues Album der Kings of Leon warten, im März ist es soweit: „When You See Yourself“ erblickt das Licht der Welt. Einmal mehr beweist das Quartett dabei, dass es sich weder scheut, Genres zu mischen, noch große Melodien mit harten Texten zu paaren. Unsere Anspieltipps sind „100,000 People“ und „The Bandit“. *rä POP „Anders als geplant“ von Marcella Rockefeller Deutschlands musikalischste Dragqueen, veröffentlicht im März ihr erstes Album „Anders als geplant“. Für Marcella waren Peter Plate und Ulf Sommers Kompositionen (Rosenstolz) der Soundtrack ihrer Jugend und für Peter Plate war Marcellas Stimme und ihre zutiefst menschliche Haltung so bewegend, dass aus einem geplanten Abenteuer für ein Lied nun ein ganzes Album entstand. Aufgenommen zwischen wiederkehrendem Lockdown in Köln, Hannover und Berlin, eingespielt von fantastischen Musikern voller Spielfreude, entstand ein Klang zwischen Rio Reiser, Carole King und dem Augenzwinkern einer Lady Gaga. Marcella singt nicht nur – sie bettelt, fleht, seufzt, schreit und immer geht es um alles.

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.