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gab März 2021

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MUSIK FOTO: ALEX WAESPI

MUSIK FOTO: ALEX WAESPI NACHGEFRAGT LONDON GRAMMAR: „Ich lege nicht allein den künstlerischen Kurs fest“ Die Sängerin Hannah Reid ist erfreulich unprätentiös. Für das Video-Interview hat sie sich nicht großartig gestylt. Sie sitzt ganz lässig in Jeans und Sweatshirt bei sich zu Hause in London und redet völlig unaufgeregt über das neue Album ihrer Band London Grammar, das „Californian Soil“ heißt. Alle Songs seien bereits vor der Pandemie entstanden, erklärt sie. Somit greifen sie keine Themen wie Isolation in Zeiten von Corona auf, sondern rücken Feminismus in den Mittelpunkt. Das kommt nicht von ungefähr – Hannah Reid will als Frau im Musikgeschäft endlich ernst genommen werden. Deswegen hat sie sich zur Bandleaderin erklärt. Wie haben der Gitarrist Dan Rothmann und der Keyboarder Dominic „Dot“ Major darauf reagiert? „Sie verstanden sofort, worum es mir geht“, sagt die Britin. „Ich möchte mehr Respekt von außen bekommen.“ Das habe an den internen Strukturen allerdings nichts geändert: „Ich lege nicht allein den künstlerischen Kurs fest. Als Gruppe setzen wir nach wie vor auf Demokratie.“ Das zeigt sich zum Beispiel an dem Stück „Talking“, das ursprünglich für die letzte Platte „Truth Is a Beautiful Thing“ vorgesehen war. Es machte damals nicht das Rennen, weil es zu wenig Single-Potenzial hatte. Damit konnte sich Hannah Reid aber nicht abfinden. Sie kramte die Demoversion wieder hervor und entschied einvernehmlich mit ihren beiden Mitstreitern, diese Nummer zu vollenden. „Den Klavierpart hat Dot tatsächlich binnen weniger Sekunden komponiert“, schwärmt Hannah Reid. „Er ist wirklich ein unglaublicher Pianist.“ Das Ergebnis kann sich durchaus hören lassen: „Talking“ verzaubert als hinreißende Ballade. „Als ich den Text schrieb“, führt Hannah Reid aus, „war ich irgendwie paranoid. Ich brauchte nach zahlreichen Auftritten jemanden, der mich erdete.“ So entstand ein Liebeslied, in dem die 31-Jährige ihre Bedürfnisse auf den Punkt bringt. Bei ihr kommt Feminismus eben eher auf Samtpfoten daher. Mal offenbart sie ihre Sehnsüchte, mal sagt sie emotionalem Missbrauch in einer Beziehung den Kampf an, der Titelsong „Californian Soil“ wiederum handelt davon, die Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen. Wenn sich Hannah Reids glasklarer Gesang bei diesem Lied über sphärischen Trip-Hop legt, klingt das traumhaft schön. So pendeln London Grammar immer wieder zwischen handgemachter Musik und elektronischen Passagen. Bei „Missing“ vereinigen sich pluckernde Beats mit Streichern. Inhaltlich tanzt diese Nummer jedoch ein bisschen aus der Reihe. Sie erzählt davon, wie sich einige Musiker*innen im Sumpf aus Drogen und Alkohol verlieren. „Als ich mir Dokumentationen über Amy Winehouse, Whitney Houston oder Avicii ansah, habe ich geweint“, offenbart Hannah Reid. „Ihre Schicksale sind absolute Tragödien.“ Sie selbst scheint zum Glück nicht Gefahr zu laufen, aus der Spur zu geraten: „Während einer Tournee würde ich mich niemals betrinken. Ich hätte Angst davor, dass ich verkatert gar nicht meine volle Leistung abrufen könnte.“ Apropos touren: Vermisst Hannah Reid im Moment das Unterwegssein? Jein – einerseits hat sie sich daheim ziemlich gut eingerichtet, andererseits fehlen ihr die Fans: „Ich sehne mich danach, mich emotional mit Menschen zu verbinden, denen unsere Musik wichtig ist.“ Dabei leidet sie vor einem Konzert stets unter furchtbarem Lampenfieber: „Ich habe zumindest die leise Hoffnung, dass es mir vor zukünftigen Gigs etwas besser gehen wird. Einfach weil ich mit unserem neuen Album so glücklich bin, dass das mein Selbstvertrauen stärkt.“ *Dagmar Leischow

NACHGEFRAGT MUSIK CHRISTOPHER Lund Nissen – „die Welt zu einem besseren Ort machen“ Es dürfte schwerfallen, Christopher Lund Nissen, der sich als Sänger einfach Christopher nennt, nicht zu mögen. Souverän eröffnet er beim Video- Interview das Gespräch, während er sein Auto einparkt. Der Däne ist wegen seines Umzugs gerade ziemlich im Stress, zudem erwartet seine Frau, das Model Cecilie Haugaard, in wenigen Wochen ihr erstes gemeinsames Kind. Doch der 29-Jährige verliert trotzdem nicht die Fassung, das ist wohl seiner skandinavischen Gelassenheit geschuldet. Hochkonzentriert redet er über sein neues Album „My Blood“, dessen Namen er mit Bedacht gewählt hat. Nach den beiden Vorgänger-Alben „Closer“ und „Under the Surface“ machte es für ihn einfach Sinn, seine Fans noch näher an sich heranzulassen: „Meine Stücke sind jetzt persönlicher als jemals zuvor.“ Den Titelsong hat er zum Beispiel seinem Bruder gewidmet, um ihm zu zeigen, dass Wasser dicker ist als Blut: „Was auch passiert, ich werde immer für meinen Bruder da sein“, verspricht Christopher. „Für ihn bin ich überall lediglich einen Telefonanruf entfernt.“ Solche Aussagen verpackt Christopher in extrem eingängigen Pop mit elektronischen Akzenten. Die Medien haben ihm längst den Stempel „dänischer Justin Biber“ aufgedrückt, ebenso suggeriert seine äußere Erscheinung – blond, schlank, gutaussehend – eine Verwandtschaft mit dem US-Teenie-Star. Wie Biber hat auch Christopher überwiegend weibliche Fans, zumindest in Dänemark: „In meiner Heimat kommen zu 80 Prozent Mädchen zu meinen Auftritten.“ In Peking dagegen vergöttert ihn die Gay- Community: „Als ich dort ein Konzert gab, war die Hälfte des Publikums männlich. Meine chinesische Promoterin erklärte mir daraufhin, ich sei bei Schwulen halt beliebt.“ Solche Momente genießt der gebürtige Kopenhagener, klar. Trotzdem hat er nie den Bezug zur Realität verloren. Er beobachtet kritisch, was um ihn herum passiert. Mit der Ballade „Aiming“, die er teilweise im Falsett singt, plädiert er dafür, sich höhere Ziele zu stecken. Es nervt ihn, wenn sich die Menschen vom scheinbar perfekten Leben anderer auf Instagram blenden lassen. „Es stimmt nicht, dass das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist“, ereifert er sich. „Gras grünt dort, wo man es wässert.“ Was er damit meint: „Jeder sollte sich selbst im Spiegel anschauen und sich fragen, wie er die Welt zu einem besseren Ort machen kann.“ Als Botschafter für die World Child Cancer Foundation geht Christopher mit gutem Beispiel voran. Mit dem Roten Kreuz reiste er nach Syrien, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. „Abgesehen davon versuche ich, ein guter Sohn, Freund und Ehemann zu sein. Ich will positive Energie ausstrahlen.“ Auch der Klimawandel liegt ihm sehr am Herzen: „Bereits in der neunten Klasse habe ich eine längere Hausarbeit über die globale Erwärmung geschrieben.“ Doch der Klimaschutz sollte nicht sein einziges Steckenpferd bleiben. Als Christopfer zwölf war, schenkte ihm seine Großmutter eine Gitarre. Wie ein Besessener spielte er von da an das Instrument bei sich zu Hause in einem Kopenhagener Vorort, wo er sich vor Kurzem ein eigenes Haus gekauft hat. Den Talentwettbewerb in seiner Schule gewann er gleich dreimal in Folge. Mit 15 begann er, eigene Songs zu schreiben. Mit 17 bekam er seinen ersten Plattenvertrag: „Das war für mich ein Paradigmenwechsel. Zum ersten Mal glaubte ich ernsthaft daran, mit meiner großen Leidenschaft Musik wirklich Geld verdienen zu können.“ *Dagmar Leischow

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