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GAB Juni 2020

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gab – seit 1996 das queere Magazin für Hessen und Baden-Württemberg.

4 FRANKFURT Kolumne

4 FRANKFURT Kolumne ILLUSTRATION: JANIS CIMBULIS CSD INTERVIEW FRANKFURT: Chance für einen Perspektivwechsel Glücklich wie ein Kind, das ein Vogelnest entdeckt hat, bin ich darüber, dass endlich die Szene-Lokale teilweise und unter Einschränkungen wieder öffnen dürfen und ich bekenne mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand: In der pandemischen Notwendigkeit, die Orte von Subkultur und queerem Zusammensein zu schließen, habe ich eine empfindliche Störung meiner sozialen Gewohnheiten erlebt. Selbstverständlich haben wir alle die Zeit sinnvoll genutzt und sind vor lauter Sport nun topfit, können eine Fremdsprache mehr, haben sogar die Schränke hinten und von unten staubgewischt, heimgewerkt und regalweise Bücher gelesen. Doch nun muss ich gestehen, ist mein Geist von so viel Lebensmuße gesättigt wie ein rüstiger Mann vom Ruhen im warmen Sand. Man möchte aufspringen und nach so viel selbstbestimmter Annehmlichkeit auch wieder Anregung und Aufregung erfahren. Für manche waren die vergangenen Wochen eine belastende Zeit, die geprägt war von Sorge um die Gesundheit, mit sozialer Isolation, Zukunftsängsten und teilweise erheblichen finanziellen Einbußen. Die meisten werden das Frühjahr 2020 aber als unfreiwilligen psychosozialen Selbstversuch in Erinnerung behalten, der ihnen aufgezeigt hat, was ihnen wichtig ist, was unentbehrlich und was eigentlich vernachlässigbar. Auch viele die glaubten sich selbst gut zu kennen, waren über die Resultate dieser Erfahrung überrascht ... ... weiterlesen auf www. männer.media/regional/gab Joachim, was hat eure Konferenz zum CSD Frankfurt 2020 ergeben? Wir stehen erst am Anfang unserer Überlegungen, allerdings kann man jetzt schon sagen, dass ein CSD mit Besucherinnen und Besuchern, wie wir ihn bisher kennen, in diesem Jahr in weite Ferne gerückt ist. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass man ab September wieder Veranstaltungen mit einer Größe von sagen wir mal 5.000 Personen veranstalten könnte, würden wir ein solches Konzept auch entwickeln können. Das wäre eine enorme logistische Herausforderung, aber machbar. Allerdings wäre das nur dann der Fall, wenn es in absehbarer Zeit einen Impfstoff geben würde. Allein das würde die momentane Lage ändern. Jede andere Planung ist nicht verantwortungsvoll und daher nicht akzeptabel. Und ganz ehrlich gesagt sehen wir im Augenblick diese Möglichkeit als eher unwahrscheinlich. „ Die CSDs 2020 können in der gewohnten Form nicht stattfinden. Der CSD Frankfurt sucht derzeit nach Alternativen, um die Idee des CSD trotzdem weiter zu tragen. Ein Gespräch mit Joachim Letschert über die Chance eines Perspektivenwechsels. *bjö Joachim Letschert beim CSD-Empfang 2019 im Kaisersaal des Frankfurter Römer Wir sehen einen digitalen CSD als Chance, um noch mehr Sichtbarkeit mit alternativen Wegen zu schaffen. “ Stand denn für euch zur Diskussion, den CSD komplett ausfallen zu lassen? Das stand nie in Frage. Etwas machen wollen wir auf jeden Fall. Wir haben uns vielmehr die Frage gestellt, um was es beim CSD eigentlich geht. Und beim CSD geht es um Sichtbarkeit der LGBTIQ*-Community und von queeren Menschen. Der CSD wie wir ihn kennen schafft diese Sichtbarkeit. Wir suchen also jetzt nach Möglichkeiten, wie wir diese Sichtbarkeit auch ohne das Fest schaffen können. Da muss ein Perspektivenwechsel stattfinden: Es geht eben nicht nur um gemeinsames Feiern, sondern um Sichtbarkeit. Und darauf legen wir jetzt den besonderen Fokus. Wie könnte eine solche Alternative aussehen? Digital ist da das richtige Medium. Denn die digitale Welt gehört seit Langem zur Lebensrealität der meisten Menschen. Also sind wir auf der Suche nach Infrastrukturen, mit denen wir im Internet Sichtbarkeit schaffen können. Da müssen wir mit den richtigen Partnern zusammenarbeiten, um das entsprechend professionell umsetzen zu können. Wir können ein CSD-Fest professionell organisieren, für Online brauchen wir andere Experten. Wir haben uns aber auch Gedanken darüber gemacht, wie man in Frankfurt am ursprünglich geplanten Termin Sichtbarkeit schaffen könnte. Da gibt es verschiedene Überlegungen wie eine Plakataktion oder Regenbogenstelen mit den politischen Forderungen. Oder man könnte die Konstablerwache für das Wochenende mit Regenbogenballons bestücken oder die schwarzen Ballons der Schweigeminute trotzdem steigen lassen oder andere Aktionen, die punktuell Verbundenheit erzeugen und auch zeigen, dass der CSD nicht aufhört zu arbeiten. Aber wie gesagt, da sind wir gerade noch dabei, Ideen zu sammeln. Die European Pride Organisers Association EPOA plant für den 27.6. einen „Global Pride Day“, der weltweit digital stattfinden und Communitys gemeinsam teilhaben lässt; wie steht der CSD Frankfurt dazu? Die Idee, den CSD weltweit an einem Tag stattfinden zu lassen und damit eine welt- FOTOS: BJÖ

FRANKFURT 5 weite Sichtbarkeit zu schaffen, finden wir gut. Es ist eine Chance für alle, über unsere lokalen Schatten hinweg zu springen. Und es wäre toll, wenn wir das professionell umsetzen können. Das meine ich auch mit dem Perspektivwechsel: Das bekannte CSD-Konzept lässt sich nicht einfach eins zu eins ins Digitale übersetzen, da müssen andere Wege gefunden werden. Und dafür braucht es einfach auch neue Infrastrukturen. Wir sehen das als Chance, um noch mehr Sichtbarkeit mit solchen alternativen Wegen zu schaffen. Und wenn eine solche Infrastruktur erst einmal entwickelt worden ist, kann man sie ja in Zukunft auch für Veranstaltungen wie den IDAHOBITA* oder den „Transgender Day of Visibility “ oder ähnliches nutzen. Es wäre schade, wenn wir uns diese Chance entgehen lassen würden. „ Wir können ein CSD-Fest professionell organisieren, für Online brauchen wir andere Experten. Wäre ein solcher digitaler CSD generell eine Alternative zum CSD-Fest? Wir sehen das als zusätzlichen Weg für mehr Sichtbarkeit. Das ersetzt natürlich keine echte Umarmung beim CSD-Fest, das ist klar. Aber wir müssen dieses Jahr “ umdenken. Selbst eine kleine Veranstaltung wäre kein echter Ersatz für den CSD wie wir ihn kennen. Auch unser angedachtes Motto für 2020 „Geschlechterfrei Artikel 3 – Grundgesetz für alle“ würden wir eventuell so nicht benutzen, weil es, wie jedes andere Motto mit expliziten Forderungen auch, in diesem Jahr möglicherweise untergehen würde. Ich würde da eher für ein allgemeines Motto wie „haltet zusammen“ plädieren, aber mit diesen Überlegungen sollte man beginnen, wenn wir in der Planung weiter sind. Wie gesagt: Wir sehen das alles als Chance, neue, zusätzliche Wege für noch mehr Sichtbarkeit zu finden. www.csd-frankfurt.de Filialteam Offenbach Ab Juni 2020 sind wir im Rathaus Plaza Offenbach, Frankfurter Straße 39 für Sie da. Auf gute Nachbarschaft! Wir freuen uns auf Ihren Besuch. www.frankfurter-sparkasse.de

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.