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gab Juli 2022

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18 CSD FRANKFURT SPECIAL

18 CSD FRANKFURT SPECIAL – THEMA Das wolltest du auf keinen Fall? Nein! Ich habe vor Gründung meines Projekts in der Verwaltung bei der Lebenshilfe gearbeitet, und da war ich auch ganz nah an vielen Schicksalen dran. Und ich dachte mir immer: Arbeiten im Büro mache ich gerne, aber ich könnte niemals in diesen Pflegeheimen oder in diesen Einrichtungen leben und wohnen. Hast du das Gefühl, in der Wahrnehmung oftmals auf dein Handicap „reduziert“ zu werden? Wie gehst du damit um? Ich habe Gott sei Dank nicht das Gefühl, dass mich Leute auf mein Handicap reduzieren. Ich glaube, ich bin eine sehr offene Person und gehe mit meinem Schicksal sehr offen um. Ich nehme die Dinge so wie sie kommen und versuche immer, das Beste daraus zu machen. Ich bin halt auch extrem sportlich, mache viel Kraftsport, und versuche immer, gerade auch wenn ich in die Öffentlichkeit gehe, selbstständig zu sein, mich viel zu bewegen oder auch viel zu sprechen. Damit die Leute, und insbesondere Kinder, merken: Der kann sprechen! Wenn ich ihn mustere, dann kriegt er das mit, dann nimmt er das wahr. Und wenn jemand kommt und fragt, gehe ich damit ganz offen um. Ich glaube, das ist das Beste, was man machen kann. Die Behinderung gehört zu mir, so wie alles andere auch zu mir gehört. Das war natürlich ein langer Lernprozess. Ich hab‘ vier Burnouts hinter mir, ich habe eine Bulimie hinter mir, und als meine Mutter damals im Koma lag, wollte ich mir das Leben nehmen. Gott sei Dank hat das nicht funktioniert. Ich bin dann durch ganz viele Therapien, ganz viele Gespräche und mit ärztlicher Behandlung immer wieder aufgestanden. Und das ist das, was mich heute ausmacht und auch so stark macht. Du bist auch kulturell aktiv: Du schreibst an einem Buch, um was geht es da? Das Buch heißt „Von Handicap zu Handicap“. Und es geht einmal natürlich um mein Projekt. Dann handelt es aber auch von meinem Leben und meiner Krankheitsgeschichte. Es geht auch um verschiedene Klienten, um deren Schicksale und deren Leben, und es soll natürlich auch so eine Art Ratgeber sein, mit Telefonnummern und Infos, wie die Dinge funktionieren, wenn es ums selbstständige Leben es geht. „ Ich bin durch ganz viele Therapien, ganz viele Gespräche und mit ärztlicher Behandlung immer wieder aufgestanden. Und das ist das, was mich heute ausmacht und auch so stark macht. “ Eine Herzensangelegenheit ist dein Musikprojekt? Ja, ich habe ja schon vor sechs Jahren Musik gemacht und war auch deutschlandweit damit unterwegs. 2016 hatte ich dann meinen letzten Auftritt beim Stadtfest in Mittelhessen. Damals lag man in Großvater im Sterben, und als nach Hause kam, war es passiert. Da habe ich dann entschieden, erst mal keine öffentlichen Auftritte zu haben und keine Musik mehr zu machen. Dann kamen bei mir auch noch einige Schicksalsschläge. Der CSD in Gießen hat mich schließlich für dieses Jahr angefragt, ob ich bereit wäre, dort wieder dabei zu sein. Da bin ich 2013 schon mal aufgetreten. Dann habe ich gesagt: Okay, dann mache ich jetzt mein Comeback! Jetzt ist die Zeit, jetzt bin ich älter, weiser und erwachsener! Welche Art von Musik machst du? Sind es eigene Songs? Ich mache Schlager und ich singe eigene Songs, aber auch Coverversionen. Ich habe zum Europäischen Jahr für Menschen mit Behinderungen zwei Lieder geschrieben, da geht es um Menschen mit Behinderung, die werde ich präsentieren, dann werde ich ein paar Coversongs machen und ein paar neue Songs, eben eine bunte Mischung! Beim CSD Frankfurt bist du auch dabei? Ja, ich werde aber nicht als Sänger auftreten, da war es wohl schon ein bisschen zu spät für die Planung des Bühnenprogramms. Aber die fanden mein Projekt interessant. Sie haben dann vorgeschlagen, das Bühnenprogramm mit Musik nächstes Jahr zu machen, und in diesem Jahr eine kleine Vortragsreihe zum Projekt, und das hat dann auch ganz gut gepasst. Ansonsten steht im Juli noch 40 Jahre Stadtfest Marburg an, da habe ich sogar zwei Mal zwei Auftritte an verschiedenen Tagen, das wird auch mega spannend. Und dann mal sehen, was noch so passiert. Während der Pandemie habe ich mich lange genug ausgeruht und wir konnten ja auch wenig bis gar keine persönlichen Termine mit Klienten machen. Alles nur telefonisch, weil da ja auch oft Leute dabei sind, die man anstecken kann und die das dann nicht überleben würden. Ja, und deswegen bin ich voller Tatendrang und freue mich, dass es endlich wieder mit allem losgeht! Interview: Björn Berndt Kontakt zum Michel Kubig und seinem Projekt über www.von-handicap-zuhandicap.de/ FOTO: GUSTAVO FRING, PEXELS.COM, GEMEINFREI Michel Kubig wird am Frankfurter CSD-Samstag nach der Demo auf der Hauptbühne sein Projekt „Von Handicap zu Handicap“ vorstellen. Das komplette Interview gibt’s auf www.männer.media/regional/gab

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.