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16 CSD FRANKFURT SPECIA

16 CSD FRANKFURT SPECIA FOTO: EDUARDO PASTOR, UNSPLASH.COM, GEMEINFREI VOLLER TATENDRANG! Michel Kubig ist seit seiner Kindheit auf einen Rollstuhl angewiesen. Um trotzdem ein selbstbestimmtes Alltagsleben zu führen, wurde der heute 29-Jährige und in der Nähe von Gießen Lebende aktiv, organisierte sein Leben neu und gründete das Projekt „Von Handicap zu Handicap“, um anderen Menschen mit Handicaps zu helfen. Beim CSD Frankfurt ist Michel Kubig am Samstag im Anschluss an die Demo als Redner auf der Hauptbühne zu Gast und stellt „Von Handicap zu Handicap“ vor. Wir haben ihn vorab zum Interview gebeten. Michel, du hast das Projekt „Von Handicap zu Handicap“ gegründet – wie kam es dazu und wofür setzt sich das Projekt ein? Meine Mutter ist 2015 erkrankt. Dann musste ich sehr schnell mein Leben umplanen, denn es war sehr schnell klar, dass sie mich nicht mehr pflegen und betreuen kann. Da habe ich mich an den Landeswohlfahrtsverband in Hessen gewandt, der mir den Tipp gegeben hat, einen Plan zu machen, wo man selbst Assistenz aussuchen und einstellen kann. Ich habe mir dann über alle öffentlichen Register Assistenten gesucht, und bin so in mein eigenes Leben mit Assistenz gestartet. Ich habe mir über zwei Jahre mein eigenes Leben aufgebaut. In meiner eigenen Wohnung, damit ich mit Behinderung so gut es geht selbstständig leben kann. Ich wollte dann auch beruflich etwas aus dem machen, was ich selbst erlebt habe, weil ich am besten weiß, was die Menschen brauchen. Ich habe dieses Projekt gegründet, damit jeder Mensch mit Behinderung die Möglichkeit hat, selbständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Wir helfen dabei, Assistenten und Pflegedienste zu finden, die Finanzierung über verschiedene Kostenträger zu klären, wir helfen bei der Wohnungssuche und eben bei allem, was die Menschen brauchen, und was sie sich so vorstellen, damit man so leben kann, wie man das selbst für richtig hält. FOTO: MICHEL KUBIG Wie hast du dein eigenes Leben mit deinen Assistenten gestaltet? Ich bin vor fünf Jahren mit 12 Assistenten gestartet, auch aus dem Grund, weil die Assistenten oft nur 450-Euro-Kräfte sind, die nur ein bestimmtes Stundenlimit arbeiten dürfen. Und weil ich zum Beispiel auch nicht allein auf die Toilette kann oder wenn nachts mal was ist, sind die Assistenten in der Regel mit drei Tagen im Monat ausgelastet. Deswegen brauchten wir am Anfang relativ viele. Aktuell hat es sich ein wenig geändert: Ich habe vor zwei Jahren meinen Mann kennengelernt und geheiratet. Und dann gibt es natürlich auch Tage, wo wir allein sein wollen. Jetzt haben wir nur noch drei Assistenten, die machen Teilzeit und dürfen auch ein bisschen mehr verdienen als die 450-Euro-Kräfte. „ Die Behinderung gehört zu mir, so wie alles andere auch zu mir gehört. “ Welche Alternativen hätte es damals für dich gegeben? Naja, wenn ich es damals nicht geschafft hätte, alles selbst zu organisieren, hätte es für mich nur das Pflegeheim gegeben. Sagen wir‘s, wie es ist! Ein Pflegeheim, wo Menschen mit geistiger Behinderung leben. Wo man dann ein Zimmer hat, wo man nicht selbstbestimmt leben kann, wo man 24 Stunden ist. Und da bist du dann halt einer von Vielen, musst zu einer bestimmten Zeit aufstehen, zu einer bestimmten Zeit Mittag essen und zu einer bestimmten Zeit ins Bett gehen.

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.