Aufrufe
vor 6 Monaten

gab Dezember 2021

34 KULTUR KINO FOTOS: GM

34 KULTUR KINO FOTOS: GM FILMS DAS ENDE DES SCHWEIGENS Zu Beginn der 1950er Jahre führten in Frankfurt Staatsanwälte und die Polizei regelrechte Verfolgungsjagden auf schwule Männer durch – nach damals geltem Recht des §175. In seinem Dokumentarfilm „Das Ende des Schweigens“ blickt der Filmemacher van-Tien Hoang auf die Frankfurter Prozesse. Rund 122 Jahre lang stellte der §175 sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe. Nachdem er 1872 eingeführt wurde, erfuhr er in der Zeit des Nationalsozialismus eine Verschärfung: Ab 1935 wurde die Strafbarkeit auf alle „unzüchtigen Handlungen“ ausgeweitet, so dass selbst Gerüchte dafür ausreichten, um jemanden verhaften zu können. Auch unmittelbar nach der Zeit des Nationalsozialismus blieb diese verschärfte Fassung bestehen – und schlimmer noch: Die Beamten bei Gericht und Polizei waren zum größten Teil die Gleichen wie in den Jahren zuvor. Regisseur van-Tien Hoang Zu Beginn der 1950er kam es in Frankfurt schließlich zu einer regelrechten Jagd auf schwule Männer seitens der Staatsanwaltschaft und Polizei, der mehrere hundert Männer zum Opfer fielen. Eine der Schlüsselfigur war der Stricher Otto Blankenstein, dessen Notizbuch mit den Namen seiner Kunden der Polizei als Informationsquelle diente. Viele der Verurteilten von damals schwiegen über das Erlebte, die Prozesse gerieten lange Zeit in Vergessenheit. Mit der Doku „Das Ende des Schweigens“, einer Mischung aus Interviews und Spielszenen, arbeitet der Filmemacher van-Tien Hoang nun die Jahre der Frankfurter Verfolgungen ausführlich auf. Die Historiker Gottfried Lorenz, Marcus Vellke und Christian Setzepfandt erläutern dabei nicht nur die Umstände der Prozesse, sondern erklären auch die Ursprünge des §175, zeichnen ein Gesellschaftsbild der Nachkriegsjahre und der schwulen Subkultur der damaligen Zeit. Zu Wort kommt außerdem Wolfgang Lauinger, einer der wenigen Zeitzeugen der Frankfurter Prozesse. Lauinger wurde als „Halbjude“ und Homosexueller bereits in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und Anfang der 1950er erneut wegen homosexueller Handlungen verhaftet – aufgrund von Otto Blankensteins Denunziation. Die Spielszenen in van-Tien Hoangs Film sind mit bekannten Gesichtern besetzt: unter anderem sind Yvo Heinen als Otto Blankenstein und Wolf Gerhardt als Staatsanwalt Thiele zu sehen, Christoph Gerard Stein spielt den jungen Wolfgang Lauinger und Bernd Lottermann – besser bekannt als Ronny Rolls – ist „Die Gräfin“. Eine gut und vor allem ausführlich gearbeitete Doku, die das Licht auf ein dunkles Kapitel der Frankfurter Geschichte wirft, das nicht vergessen werden darf. *bjö Filmstart am 2.12., in Frankfurt zu sehen in Orfeo’s Erben, Hamburger Allee 45, am 5.12. um 15 Uhr in Anwesenheit von Filmemacher van-Tien Hoang und weiteren Mitwirkenden, außerdem: 5.12., Kommunales Kino, Carl-Ulrich-Str. 9, Weiterstadt, 15 Uhr, www.gmfilms.de

Unsere Magazine

Regionalseiten
männer* – das queere Onlinemagazin

Unsere News

About us

blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.