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gab April 2017

20 BÜHNE FOTO: DOMINIK

20 BÜHNE FOTO: DOMINIK MENTZOS Dresden Frankfurt Dance Comapny INTERVIEW Nach erfolgreichen Gastspielen im Ausland kehrt die Dresden Frankfurt Dance Company zurück auf die Probebühne, um den inzwischen sechsten Ballettabend vorzubereiten. Der Titel der neuen Arbeit: „Extinction of a Minor Species“ – „Das Aussterben einer unbedeutenden Spezies“. Klingt bedrohlich? Grund genug, beim künstlerischen Direktor und Choreograf Jacopo Godani und dessen künstlerischer Koordinatorin und Referentin Luisa Sancho Escanero nachzufragen ... Die Evolution im Tanz Ihr hattet in den vergangenen Wochen eine Reihe von Gastspielen – wie war’s? Jacopo Godani: Wir waren unter anderem zum ersten Mal in Italien, im Auditorium Parco della Musica in Rom. Das war etwas ganz Besonderes, da dort normalerweise eher Musikkonzerte stattfinden. Wir haben zwei Produktionen gespielt, „The Primate Trilogy“ und unseren „Dreiteiligen Ballett-

abend“ mit Live-Musik, den wir in Frankfurt im November gezeigt haben. In Rom hat uns das Kubus Quartett begleitet. Luisa Sancho Escanero: Und wir haben in Rom auch eine Weltpremiere gehabt, „Postgenoma“, ein Duett mit zwei Tänzern, Anne Jung und Gustavo Gomez, mit Musik von 48Nord. FOTO: RAHI REZVANI Wird das hier auch noch einmal gezeigt? Jacopo Godani: Es wird Teil des neuen Stücks im April. Ich bin sehr gespannt, weil wir seit Januar mit Anne Jung eine neue Tänzerin haben. Sie kommt aus der Frankfurter Region und ist sehr talentiert. Ich freue mich, sie unserem Publikum vorzustellen. Der Titel „Extinction of a Minor Species“ macht ein wenig Angst ... Jacopo Godani: (lacht) Ich mag den Titel, weil er sehr theatralisch klingt. Es hat schon etwas mit der Idee von Evolution zu tun, aber eher im Sinne von, dass etwas verschwindet, dafür aber auch etwas Neues kommt. Das gilt zum Beispiel auch für die Geschichte unserer Compagnie: Wir waren neu, haben versucht uns zu verbessern und den sich ständig verändernden Situationen anzupassen. Ihr arbeitet in diesem Stück eng mit der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung zusammen – das ist ungewöhnlich für eine Tanztruppe! Luisa Sancho Escanero: Wir tun das schon seit der letzten Spielzeit. Wir haben über Senckenberg und das Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie Jena zum Beispiel auch den Video- und 3D- Animation-Künstler kennen gelernt, der die animierten Tier-Projektionen gemacht hat, die bei „C.O.R.E.“ im Foyer des Bockenheimer Depots zu sehen waren. Wir wollten die Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern unbedingt fortsetzen, weil die Treffen und Gespräche großen Einfluss auf unsere Arbeit haben. Jacopo Godani: Wir pflegen diesen Austausch mit Wissenschaftlern, aber wir versuchen nicht, Wissenschaft in Kunst zu übersetzen. Es ist mehr eine Inspiration, um Input, interessante Ideen und neue Ansatzpunkte zu bekommen. Luisa Sancho Escanero: Was mich beeindruckt hat, waren diese Parallelen in der Art zu arbeiten, die durch die Gespräche entstanden sind. Unsere Herangehensweise und die Fragen, die wir uns stellen, sind plötzlich denen eines Wissenschaftlers sehr ähnlich. FOTO: RAHI REZVANI Das erste Stück der Dresden Frankfurt Dance Company zeigte puren Tanz, die nachfolgenden Stücke haben sich erweitert, was Licht, Bühnentechnik und Requisiten anbelangt. Wo geht es nun hin? Jacopo Godani: Ich möchte für dieses BÜHNE 21 Stück sehr visuell bleiben. Ich möchte große, beeindruckende Bilder schaffen und eine starke theatralische Wirkung erzielen. Aber der Tanz soll weiterhin im Vordergrund stehen und nicht erdrückt werden von Effekten. Diese Balance muss unbedingt gewahrt bleiben! Meine visuellen Ideen gehen aber auch dahin, Wesen auf der Bühne zu zeigen, die halb Mensch, halb Tier, halb Gott sind. Es geht stark in die biologische oder sogar mythologische Richtung. Wir arbeiten zum Beispiel mit Fetisch-Tiermasken, aber auch mit Nacktheit, Prothesen, schwarzen Bodypaints oder ausgestopften Tieren. Aber wir probieren das gerade aus, ob und wie diese Ideen auf der Bühne funktionieren. Aber all das sind die Bilder, die ich in meinem Kopf habe. Das klingt alles sehr düster! Jacopo Godani: Ja, wir machen hier kein La La Land! Aber es stimmt schon, die dunkle Seite interessiert mich sehr! Das ist sicherlich auch eine Art Spiegel der Welt, in der wir momentan leben. Aber ich finde, dass auch in diesen Themen eine große Poesie liegen kann. Luisa Sancho Escanero: Es ist auch eine Art Versuch, die Welt zu erklären. Diesen Fragen stellen wir uns! *Interview: Björn Berndt „Extinction of a Minor Species“, 28. – 30.4., 3. – 7.5. und 10. – 13.5., Bockenheimer Depot, Carlo- Schmid-Platz, Frankfurt, 20 Uhr, www.dresdenfrankfurtdancecompany.de Eckenheimer Landstr. 126 & 128, Frankfurt U-Bahnhaltestelle Glauburgstraße Tel.: 069 593 314 Öffnungszeiten: 17.30 - 01.00 Uhr, Fr/Sa - 02.00 Uhr www.omonia.de

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