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Gesundheit FOTO: MICHAEL STOBRAWE EIN „BLAUES WUNDER“ ERLEBEN FOTO: CK Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) gilt als eine vielversprechende Entwicklung der letzten Jahre im Kampf gegen HIV. Fest steht: Die blaue „Pille davor“ wirkt, wirft aber noch viele Fragen auf. Gemeinsam mit anderen Kollegen der deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) ist eine Befragung zum Thema PrEP geplant. Wir besprechen mit Dr. Christoph Spinner vom Interdisziplinären HIV Zentrum (IZAR) am Münchner Klinikum rechts der Isar die Hintergründe. WAS VERBIRGT SICH HINTER DEM BEGRIFF PREP? PrEP ist eine Strategie, mit der man HIV-Infektionen verhindern will, indem man vor und nach dem Sex ein antivirales Medikament (Truvada) einnimmt, das eine Ansteckung mit HIV mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert. ICH NEHME ALSO EINE PILLE UND KANN BEDENKENLOS UNGESCHÜTZ- TEN SEX HABEN? Ganz so einfach ist es leider nicht. Die Studienergebnisse beweisen, dass die Erfolgsquote zwar sehr hoch ist, aber auch die PrEP bietet keinen 100%igen Schutz vor einer HIV-Infektion. Außerdem kann sie die Ansteckung mit anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen nicht verhindern. SIND RESISTENZEN ZU BEFÜRCHTEN? Grundsätzlich ja: Je mehr PrEP weltweit im Spiel ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich Resistenzen entwickeln oder resistente Viren übertragen werden. Zurzeit beobachten wir aber noch eine sehr geringe Quote, die unter 0,1 % aller bisherigen Studienteilnehmer einer PrEP liegt. WIE KOMME ICH AN EINE PREP? In Deutschland ist es kompliziert, denn hierzulande ist Truvada nur zur Behandlung von HIV zugelassen. Es wäre aktuell eine sogenannte „Off- Label“-Anwendung erforderlich, das heißt: In Einzelfällen kann ein Arzt das Medikament auch als PrEP verschreiben, allerdings auf eigenes Risiko. In anderen Ländern wie den USA ist die PrEP hingegen zugelassen, in Europa folgt die Zulassung voraussichtlich noch dieses Jahr. WELCHE FOLGEN HAT DAS FÜR DEUTSCHLAND? Da die Medikamente sehr teuer sind, entwickelt sich bereits ein Markt mit günstigen Alternativen, zum Beispiel aus Indien. Es gibt auch Patienten, die das Truvada aus ihrer HIV-Therapie anderen als PrEP verkaufen. Das ist einerseits verständlich, zum anderen erfüllt es uns als Ärzte mit Sorge, weil die unkontrollierte Einnahme Nebenwirkungen haben kann und ein allzu sorgloser Umgang mit der PrEP auch die Entstehung gefürchteter Resistenzen ermöglichen kann. Regelmäßige HIV-Tests (mindestens alle drei Monate) während der PrEP-Einnahme sind unverzichtbar. WARUM IST DIE PREP IN DEUTSCH- LAND NICHT ZUGELASSEN? Das Zulassungsverfahren ist kompliziert und es gibt viele offene Fragen rund um den Bereich der Kostenerstattung. Nicht zuletzt funktioniert die PrEP in aktuellen Studien noch in erster Linie in der Gruppe der schwulen/bisexuellen Männer (MSM). Da tun sich auch gesellschaftspolitische Fragen auf: Warum soll die Gemeinschaft der Krankenversicherten für den „Spaß“ einiger weniger so viel Geld bezahlen? WORUM GEHT ES IN DER UMFRAGE ZUR PREP, DIE JETZT DEUTSCHLAND- WEIT AM START IST? In der Umfrage, die von der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (DAGNÄ) durchgeführt wird, wollen wir mehr über den Bedarf und die Einstellung schwuler und bisexueller Männer zu diesem Thema erfahren. WAS IST DAS ZIEL DIESER BEFRA- GUNG? Zum einen werden uns die Ergebnisse helfen, auch in Zukunft bestmögliche Beratung zum Schutz vor HIV zu geben. Zum anderen möchten wir die Ergebnisse nutzen, um seitens der Fachgesellschaften mit den Verantwortlichen der Politik in Diskussion zu einem möglichen Einsatz in Deutschland zu kommen. Uns treibt es um, dass wir Menschen, die auf Kondome in jedem Fall verzichten wollen, nicht mit einer wirksamen PrEP vor einer HIV- Infektion schützen können. WIE GEHT ES MEDIZINISCH WEITER IN SACHEN PREP? Auf der CROI, der weltweit größten Retrovirus-Konferenz zum Thema, wurden vor kurzem wirksame Alternativen zu Truvada vorgestellt, außerdem werden gerade Medikamente getestet, die als Spritze nur noch alle vier bis zwölf Wochen oder sogar nur ein Mal im Jahr verabreicht werden müssten. Doch das ist Zukunftsmusik. •Interview: Bernd Müller www.prep-befragung.de

3 FRAGEN AN DR. POSTEL EIN FRÜHER THERAPIEBEGINN WIRD STETS EMPFOHLEN. WARUM IST DAS SO? Es gibt eine solide Datenbasis, dass ein möglichst frühzeitiger Therapiebeginn weitgehend vor Folgekrankheiten und direkt von HIV ausgelösten Symptomen schützt sowie die langfristige Prognose verbessert. Je weniger stark das Immunsystem durch HIV geschädigt ist, desto schneller und nachhaltiger kann es sich erholen. Bei einem späten Behandlungsbeginn („late presentation“) ist das Immunsystem stark geschädigt und kann auch durch die antiretrovirale Therapie nicht mehr vollständig gesunden. Ob Menschen, deren Immunsystem durch eine HIV- Infektion kaum einen messbaren Schaden nimmt und deren Viruslast sehr niedrig ist („elite controller“), ebenfalls von einer sehr frühen Therapie profitieren, ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt. WELCHE KONSEQUENZEN HAT DAS, WENN ICH DIE THERAPIE DANN MÖGLICHERWEISE MEIN GANZES LEBEN LANG EINNEHMEN MUSS? MACHT MEIN KÖRPER DAS MIT? Die heute üblichen Medikamente sind fast immer exzellent verträglich; notwendig ist jedoch ein regelmäßiges Neben-wirkungsmanagement durch den Arzt. Selbstverständlich kann niemand heutzutage seriös vorhersehen, welche Nebenwirkungen ggf. auch nach 20 bis 50 Jahren auftreten könnten. Andererseits werden andere chronische Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck) bereits seit vielen Jahrzehnten behandelt, ohne dass schwere Nebenwirkungen bekannt geworden sind. Gesundheit „Schlau zu HIV“ WENN EIN PATIENT AUF KEINEN FALL SOFORT BEGINNEN WILL, WAS SOLLTE ER BEACHTEN? Das Wichtigste: Sich regelmäßig bei einem HIV-Experten vorstellen. Jedes Fieber, jeden Durchfall, jeden Gewichts-verlust, jeden Husten ernst nehmen und lieber einmal häufiger zum Arzt gehen. Allerdings führt eine intensive, sachliche und ergebnisoffene Beratung häufig zu einem Therapiewunsch. Mit freundlicher Unterstützung der Gilead Sciences GmbH. Die Antworten geben ausschließlich die Meinung des befragten Arztes wieder und wurden nicht durch Gilead Sciences GmbH beeinflusst oder finanziert.

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.