Aufrufe
vor 5 Jahren

gab 0416

  • Text
  • Frankfurt
  • Szene
  • Gasse
  • Sauna
  • Kultur
  • Erotik
  • Friedberger
  • Stuttgart
  • Eintritt
  • Mannheim

Frankfurt 12 FOTO:

Frankfurt 12 FOTO: DIETER SCHÜTZ / PIXELIO.DE "Am besten ist es, einen offenen Dialog im geschützten Rahmen zu führen" FREIHEIT BRAUCHT ZEIT Der Diplom Psychologe Thomas von der Ohe betreut in seiner Frankfurter Praxis auch jugendliche schwule Flüchtlinge; daneben ist er in seinem Heimatort ebenfalls privat als ehrenamtlicher Helfer aktiv. Im Gespräch mit dem GAB Magazin erzählt er von seinen Erfahrungen. •bjö MIT WELCHEN PROBLEMEN HABEN DIE HOMOSEXUELLEN FLÜCHTLINGE ZU KÄMPFEN? Die Probleme sind sehr unterschiedlich und fangen oftmals in dem Herkunftsland an, gehen aber nach der Flucht weiter. Ganz allgemein ist zwar nicht jeder Flüchtling traumatisiert, aber bis zu 30 Prozent haben psychische Erkrankungen wie posttraumatische Belastungsstörungen, Angststörungen, Depression oder eine Kombination dieser Probleme. Von denjenigen, die aufgrund ihrer Homosexualität Probleme in ihrem Heimatland hatten, ist der Wunsch als Homosexueller akzeptiert zu werden, der primäre Grund für ihre Flucht. Es gibt viele tragische Fälle, bei denen im Heimatland durch das Bekanntwerden der Homosexualität Gefahr für Leib und Leben bestand. Nicht selten haben homosexuelle Flüchtlinge Schnittverletzungen, die medizinisch nicht korrekt behandelt wurden. Homosexuelle werden in einigen Ländern dadurch geächtet, indem man ihnen an bestimmten Körperstellen, zum Beispiel am Po, schwere Schnittverletzungen zufügt. Das Leid, insbesondere unter den schwulen Flüchtlingen, ist unermesslich! WIE GEHT MAN MIT DEN KULTUREL- LEN UNTERSCHIEDEN IM UMGANG MIT HOMOSEXUALITÄT UM? Den meisten homosexuellen Flüchtlingen ist der natürliche Umgang mit Homosexualität in der Öffentlichkeit neu und fremd. Man sollte zum Beispiel aufpassen, diese Menschen nicht zu überfordern, zum Beispiel nicht zu erwarten, Begriffe wie „schwul“ oder „gay“ für sich in Anspruch zu nehmen oder gar in aller Öffentlichkeit darüber zu sprechen. Auch das öffentliche Flirten und zur Schau tragen der Gefühle, wie es bei uns zum Glück möglich ist, wird von praktisch allen schwulen Flüchtlingen als einschüchternd oder sogar furchteinflößend erlebt. Schuld daran ist der psychologische Konditionierungsprozess. Wir alle kennen das zum Beispiel von unseren FOTO: PRIVAT Großeltern, die immer noch mit gesteigerter Unruhe auf Sirenengeheul reagieren. Das bedeutet, wenn jemand es von klein auf gelernt hat, dass das Thema Homosexualität zu Ausgrenzung, Hohn oder Folter führt, kann er nicht von heute auf morgen umdenken. Das braucht Zeit, vielleicht viele Jahre und kann auch im Einzelfall ein ganzes Leben lang andauern. Am besten ist es, einen offenen Dialog im geschützten Rahmen zu führen. Dabei hilft es, offen für Themen zu sein, über das mein Gegenüber sprechen möchte, und auf keinen Fall auf Themen zu beharren, die dem anderen unangenehm sein könnten. SIE ENGAGIEREN SICH AUCH PRIVAT EHRENAMTLICH IN DER FLÜCHT- LINGSHILFE. WAS FEHLT KONKRET AN UNTERSTÜTZUNG? Ich denke, es sind immer noch viele ehrenamtliche Helfer nötig. In Schmitten, wo ich ehrenamtlich tätig bin, funktioniert die Organisation ganz gut, aber ich habe das Gefühl, dass insbesondere in Frankfurt ein differenzierteres Hilfsangebot nötig ist. Gerade die homosexuellen Flüchtlinge sind in der Regel auf sich allein gestellt, da sie keinen Rückhalt durch ihre Familien haben. Die Gefahr des Abrutschens in ein kriminelles Milieu ist da viel häufiger gegeben. Wer helfen möchte, kann sich zum Beispiel direkt an die Notunterkünfte wenden oder sich mit Gruppen wie den „Rainbow Refugees“ in Frankfurt in Verbindung setzen.

13 Region AIDS-HILFE WIESBADEN Für Menschen mit HIV und Aids ergeben sich immer wieder rechtliche Fragestellungen: Wie ist das mit der Mitteilungs- und Schweigepflicht im Beruf? Welche Versicherungen darf ich abschließen? Hat die Infektion Einfluss auf die Sozialleistungen? Die AIDS-Hilfe Wiesbaden bietet eine monatliche, kostenlose und anonyme Rechtsberatung. Der ehrenamtliche Jurist Dominic ist jeden dritten Montag im Monat zwischen 16 und 19 Uhr am Beratungstelefon der AIDS-Hilfe oder per Mail zu erreichen. •bjö Jeden 3. Montag im Monat, Kontakt über 0611-302436 oder rechtsberatung-ahw@gmx.de FOTO: I-VISTA / PIXELIO.DE LESEFRÜHLING MAINZ Der April steht in der Mainzer Bar jeder Sicht ganz im Zeichen der Literatur: An verschiedenen Terminen werden Bücher vorgestellt, Autoren sind eingeladen und sogar Kabarett steht auf dem Programm. Den Anfang macht der Frankfurter Autor Jannis Plastargias, der am 3.4. aus seinem Buch „RotZSchwul“ liest; der Autor hat sich für sein Buch auf Spurensuche nach den Anfängen der Frankfurter Schwulenbewegung gemacht, Wegbegleiter getroffen, Archive durchforstet und stellt seine Ergebnisse immer in Zusammenhang mit der heutigen Zeit. Am 5.4. liest Prof. Dr. Livia Prüll von der Uni Mainz aus ihrer Autobiografie „Trans* im Glück“, eine authentische und spannende Reise vom eigenen Erkennen der Transidentität bis zur Frage nach dem Sinn transidenten Lebens. Die Kinder von Regenbogenfamilien kommen am 8.4. zu Wort, in der Lesung „Was sagen die Kinder dazu“ von Stephanie Gerlach. Der Kabarettist und Autor Volker Surmann (Foto) stellt am 22.4. sein Buch „Mami, warum sind hier nur Männer“ vor: Die alleinerziehende Mutter Ilka muss aus einer Notsituation heraus mit ihren beiden Töchtern Unterkunft auf Sardinen im Gay-Resort von Hotelier Helmer Klotz suchen; zwei Welten prallen aufeinander, was Surmann aber aberwitzig und viel Ironie löst. Den Abschluss des Lesefrühlings bildet das Lesefestival, zum dem vom 22. bis 24.4. insgesamt 12 Autoren und Autorinnen eingeladen sind; wann und wer am großen Lesewochenende liest kann man über die eigens für das Festival eingerichtete Website www.queer-gelesen.de erfahren. Der Eintritt für alle Veranstaltungen des Literaturfestivals in der Bar jeder Sicht ist frei! •bjö Bar jeder Sicht, Hintere Bleiche 29, Mainz, Mehr Infos zum Festival über www.sichtbar-mainz.de und www.queer-gelesen.de FOTO: INGO HOFFMANN FOTO: JOUJOU / PIXELIO.DE

Magazine

Regionalseiten
männer* – das queere Nachrichtenportal

Unsere News

About us

blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.