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Frankfurt 10 FOTO: PSK

Frankfurt 10 FOTO: PSK 25 Jahre „Projekt: schwul und katholisch“ DAS KREUZ MIT DEM KREUZ Homosexuelle in der Katholischen Kirche haben’s nicht leicht: Homosexuelle Handlungen werden noch immer als Sünde bewertet, infolgedessen Lebenspartnerschaften nicht anerkannt und homosexuellen Angestellten droht beim Outing die Kündigung. Trotzdem – oder gerade deswegen – hat sich 1991 selbstbewusst und mutig das „Projekt: schwul und katholisch“ in der Frankfurter Gemeinde Maria Hilf gegründet. Anfang April feiert die Gottesdienstgemeinschaft ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Festgottesdienst und einer Akademietagung im „Haus am Dom“ unter dem Titel „Wandlungsgeschichten“ mit prominenten Teilnehmern. Das Frankfurter Festwochenende ist gleichzeitig das bundesweite Jahrestreffen der lesbischwulen Gottesdienstgemeinschaften im deutschsprachigen Raum. Ein Gespräch mit Burkhard Cramer, Georg Linde und Wolfgang Nuss über Schwule in der katholischen Kirche und den Sieg der Nächstenliebe. •bjö WELCHE AKTIVITÄTEN BIETET DAS „PROJEKT: SCHWUL UND KATHOLISCH“? Wir feiern seit 25 Jahren Gottesdienst weil wir der Zusage Gottes Glauben schenken: Du sollst wissen, dass du frei, dass du geliebt bist, dass du als Lesbe, als Schwuler ..., einzigartig bist. Du sollst wissen, dass du auf dem Weg bist, dabei nicht allein bist, dass du ein Ziel hast, dass dein Leben Sinn hat. Aus der gottesdienstlichen Perspektive gehen wir gestärkt in den Alltag, wo wir uns in den Kirchen und der LGBTI-Community engagieren. Wir tun dies ökumenisch auf Kirchen- und Katholikentagen, oder in der katholischen Stadtkirche Frankfurt, wo wir dazu beigetragen haben, eine Stelle für LGBTI-Seelsorge einzurichten. Wir sind tätig im Europäischen Forum christlicher Lesben- und Schwulengruppen, besuchen schwule Gefangene in Gefängnissen, sind mit anderen christlichen Gruppen mit Stand und Gottesdienst auf dem CSD aktiv. Wir sind offen für Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Jede, jeder ist willkommen. Vor 25 Jahren ging es darum, einen Ort zu finden, der Raum für ein doppeltes „coming out“ ermöglicht: Als Lesbe oder Schwuler in der Kirche sichtbar zu sein und als Christ in der LGBTI Community. WAS SETZT DAS „PROJEKT: SCHWUL UND KATHOLISCH“ DER SCHWIERIGEN SITUA- TION HOMOSEXUELLER IN DER KIRCHE ENTGEGEN? Zuerst mal die Zusage Gottes, von ihm so angenommen und geliebt zu sein, wie er uns geschaffen hat. Außerdem das Bewusstsein, nicht Objekt von Beseelsorgung, sondern aktiver Teil der Kirche zu sein. Die Gottesdienste feiern wir mit Priestern und Pastoralreferentinnen, welche ihre positiven Erfahrungen als Multiplikatoren in ihre Gemeinden mitnehmen. Aufgrund unserer Arbeit haben wir einen eigenen Rechtstitel des Bistums Limburg erhalten. Weil wir aktiver Teil der Kirche sind, können wir Entwicklungen auch mitgestalten. So haben wir als Teil der lesbischwulen Gottesdienstgemeinschaften (LSGG) zusammen mit der HuK (ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V.) und dem NkaL (Netzwerk kath. Lesben) bereits viel in der katholischen Kirche erreicht. Eine positive theologische Neubewertung der Homosexualität wird in den Fakultäten mehr und mehr gelehrt. Liturgien für Partnerschaftssegnungen von lesbischen und schwulen Paaren werden offiziell erarbeitet und schon seit mehreren Jahren auch im PSK bereits gefeiert. DIE KATHOLISCHE KIRCHE SIEHT HOMOSEXUELLE NEIGUNGEN PER SE NICHT ALS SÜNDE AN, HOMOSEXUELLE HANDLUNGEN HINGEGEN SCHON. IST DAS NICHT ABSURD? WIE BEGEGNET MAN DIESER THESE ALS HOMOSEXUEL- LER GLÄUBIGER? FÄLLT MAN DA NICHT VOM GLAUBEN AB? Ja, diese Haltung des kirchlichen Lehramts ist definitiv absurd. In der gesamten katholischen Kirche ist sie aber durchaus nicht Konsens. Und nein, vom Glauben fällt man da nicht ab, denn „glauben“ heißt „ein Herz haben“, „nach seinem Herzen zu leben“, darauf vertrauen, was mich im innersten meines Herzens bewegt, lebendig leben lässt. Der Begriff „homosexuelle Neigung“ ist per se falsch. Ich bin schwul oder lesbisch oder wie auch immer – das habe ich mir nicht ausgesucht. Ich bin es, es ist Teil meines Wesens, so hat mich Gott gewollt und geschaffen, ob ich das will oder nicht. Oder wie es der Katholik Klaus Wowereit gesagt hat: „Ich bin schwul und das ist gut so“. „Homosexuelle Handlungen“ sind Lebensäußerungen homosexueller Menschen, als Erotik, Liebe, Lust, Leidenschaft und Sex in Verantwortung. Sexualität und Spiritualität sind die größten Energiekräfte des Menschen. Lasst nicht zu, dass andere Menschen diese eure Energien ausbeuten. Menschen, die Macht über andere Menschen ausüben wollen, tendieren dazu, diese Kräfte zu diffamieren und auszubeuten: das ist Sünde. Die These von Mitchristen ausgesprochen, homosexuelle Handlungen seien per se Sünde, verweist auf Menschen, die Ihre sexuelle Identität nicht integriert haben. Übrigens: Handlungen, auch sexuelle, die mit einem liebenden Herzen einhergehen, sind christlich. Handlungen, auch sexuelle, die den Nächsten zum Objekt der Ausbeutung degradieren, sind Sünde und unchristlich. PAPST FRANZISKUS HAT ZU VERSCHIE- DENEN ANLÄSSEN EINE LIBERALERE HALTUNG DER KIRCHE GEGENÜBER SCHWULEN UND LESBEN SIGNALISIERT. WIE WEIT REICHT DER EINFLUSS SOL- CHER ÄUSSERUNGEN? DAS PROBLEM SIND JA NACH WIE VOR DIE KONSERVA- TIVEN KRÄFTE ... Das Positivste an den Äußerungen des Papstes sind seine Ermunterungen, die

11 Frankfurt eigene Verantwortung ohne Angst vor Signalen aus Rom in die Gemeinschaft der Kirche einzubringen. Übrigens pflegt der durchaus konservative Papst Franziskus das Gespräch mit Lesben und Schwulen, verurteilt nicht, anerkennt sie als Teil der Kirche. Immer mehr Kirchenführer tun es ihm gleich. Erzbischof Koch aus Berlin besucht bewusst lesbische und schwule Flüchtlinge. Bischof Overbeck aus Essen lädt lesbische und schwule Paare mit Ihren Kindern dazu ein, am vollen kirchlichen Leben in den Gemeinden teilzunehmen. 23 von 25 katholischen Diözesen haben im letzten Jahr das Arbeitsrecht für Angestellte in der Kirche überarbeitet – zum Beispiel der schwule Arzt, der mit seinem Freund in eingetragener Partnerschaft lebt, darf von seinem katholischen Arbeitgeber nicht mehr entlassen werden. Es gibt da noch viel zu tun, aber die Richtung stimmt. DIE MALWEIBER VON PARIS Deutsche Künstlerinnen im Aufbruch WAS BEDEUTEN DIESE SIGNALE FÜR EURE ARBEIT? Wir sehen uns in unserer Arbeit bestätigt. Die LGBTI- Graswurzelbewegungen in den Kirchen, von der HuK, NkaL bis hin zu den LSGG, von denen wir die zuerst gegründete Teilgemeinschaft hier in Frankfurt sind, sehen, dass ihr langjähriges Beten und Arbeiten Früchte trägt. Wir werden daher gerne unsere spirituelle und emanzipatorische Arbeit weiter führen. WIRD DIE NÄCHSTENLIEBE IRGENDWANN SIEGEN UND FÜR EINE GLEICHBERECHTIGTE BEHANDLUNG HOMOSE- XUELLER IN DER KIRCHE SORGEN? Ja, wenn lesbische Christinnen und schwule Christen es schaffen, nicht nur auf Signale „von oben“ zu warten, sondern in der Tradition der lesbisch-schwulen Befreiungsbewegung sich selbst anzunehmen und zu lieben. Nächstenliebe ist so schnell daher gesagt. Meinen Mitmenschen kann ich nur lieben, wenn ich mich selbst liebe. Selbstliebe setzt für Christen voraus, dass wir glauben, von Gott geliebt zu sein. Immer wieder begegnen wir Lesben und Schwulen, die sich selbst nicht wirklich annehmen können, und mit Ersatzbefriedigungen wie erhöhtem Konsumverhalten sublimieren. Sie setzen sich ihrer inneren Welt nicht aus und glauben nicht, dass alles, was Sie sehen, auch das weniger Gute und Schöne wertvoll ist. Ja, die Nächstenliebe wird in der Kirche siegen, weil sie aus Gott ist, und Kirche ohne Gott nicht Kirche ist. Es wird eine Gleichheit in versöhnter Verschiedenheit kommen wo Lesben und Schwule selbstverständlich dazu gehören. Dafür engagieren wir uns gerne weiterhin, auch in unserem Alltag unter den Menschen, die es alle verdient haben geliebt zu werden. 20.2.–29.5.2016 Pfaffengasse 26, 63739 Aschaffenburg www.museen-aschaffenburg.de la 1. – 3.4., 25 Jahre „Projekt: Schwul und Katholisch“, Mehr Infos über www.psk-ffm.de FOTO: PRIVAT MIT DJDUO SUPERNOVA AUS FLORENZ APRIL DIE PARTY ZUR AUSSTELLUNG AB UHR facebookcom/staedelmuseum

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.