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CHECK West #1

COMMUNITY Interview:

COMMUNITY Interview: Torsten Schwick VIELFALT STATT EINFALT Die vielen Ziele der AIDS-Hilfe Trier Die AIDS-Hilfe Trier gibt es bereits seit 1985. Damals nahm die konkrete Unterstützung für Menschen mit HIV und deren Angehörige den größten Stellenwert der Arbeit ein. Heute ist das zum Glück anders, da HIV mittlerweile gut behandelbar ist und sich AIDS- Fälle bei rechtzeitiger Diagnose verhindern lassen. CHECK sprach mit Bernd Geller, Leiter des Präventionsbereichs, über die Vergangenheit und aktuelle Aufgaben. Hallo, Herr Geller. Erzählen Sie uns doch etwas über die Geschichte/Arbeit der AH Trier. Anfang der 80er Jahre traten auch in Deutschland die ersten AIDS-Fälle auf. Als Folge wurden damals in vielen Städten AIDS-Hilfen gegründet. Man darf nicht vergessen, dass HIV in dieser Zeit nicht wirklich behandelbar war. Auch gab es in der breiten Öffentlichkeit wie auch in der Community nur wenig Wissen über die Infektion, ihre Übertragung und effektive Schutzmöglichkeiten. Dafür aber jede Menge Vorurteile über Menschen mit HIV sowie vermeintliche „Risikogruppen“. Auch die anonyme und unvoreingenommene Beratung war damals ein „Markenkern“ der AIDS-Hilfe. Das ist sie noch bis heute geblieben. Prävention, also die sachliche Information über den heutigen Wissensstand, war damals wie heute ein wichtiges Standbein unserer Arbeit. Denn nur durch fundiertes Wissen lassen sich übersteigerte Ängste und damit HIV-bezogene Stigmatisierung und Diskriminierung abbauen. Und ohne den Abbau von Diskriminierung ist es auch nicht möglich, Neuinfektionszahlen zu senken oder auf niedrigem Niveau stabil zu halten sowie die Zahl der noch nicht diagnostizierten Infektionen zu reduzieren. Wie hat sich das Angebot der AH Trier in den Jahren gewandelt? Im HIV-Bereich hat es in den letzten vier Jahrzehnten rasante Entwicklungen gegeben: Die Infektion ist heute gut behandelbar, unter erfolgreicher Therapie sind Menschen mit HIV nicht mehr infektiös und neben dem Kondom und „Schutz durch Therapie“ gibt es als dritte Variante von Safer Sex heute die PrEP, also den HIV-Schutz mittels Medikamenteneinnahme. All das hat natürlich Auswirkungen auf unsere Arbeit. Speziell die Präventionsbotschaften werden vielfältiger, aber eben dadurch auch komplizierter. Mit der stetig verbesserten Behandelbarkeit von HIV hat der Bedarf nach niedrigschwelligen, community-nahen und sexpositiven Test- und Testberatungsangeboten zugenommen. Dank entsprechender Awareness-Kampagnen und der zunehmenden Bedeutung medikamentöser Schutzstrategien, die nun mal „nur“ vor HIV schützen, haben auch andere sexuell übertragbare Infektionen an Bedeutung gewonnen. In unseren sexualpädagogischen Workshops in Schulen reden wir heute fast schon mehr über Chlamydien, HPV und Hepatitis als über HIV & AIDS. Die AIDS-Hilfe Trier ist seit zwei Jahren Träger von ara, der Trierer Fachberatungsstelle für Sexarbeiter_innen. Da ja auch wir ursprünglich aus der Selbsthilfe kommen, ist uns eine enge Zusammenarbeit mit dem Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD) wichtig. Konzeptionell ist unsere Arbeit heute mehr denn je verankert im Engagement für eine ganzheitliche sexuelle Gesundheit wie für die sexuellen und reproduktiven (Menschen-) 8 CHECK WEST #1

COMMUNITY „Unsere Arbeit ist verankert im Engagement für eine ganzheitliche sexuelle Gesundheit wie für die sexuellen und reproduktiven (Menschen-) Rechte.“ Rechte. Leider lässt sich auch hierzulande die Tendenz beobachten, dass die Allgemeingültigkeit dieser Rechte immer mehr in Frage gestellt wird. Daher engagieren wir uns im Trierer Aktionsbündnis „Vielfalt statt Einfalt“ gegen Rechtspopulismus und für sexuelle Bildung und Rechte. Was sind die aktuellen Schwerpunkte in Ihrer Arbeit? Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit der AIDS-Hilfe Trier tüchtig durcheinandergewirbelt. Die Verbote im „Prostitutionsgewerbe“ und die damit wegfallenden Einnahmemöglichkeiten der Sexarbeiter*innen haben unsere Berater*innen von ara über einen langen Zeitraum an den Rand ihrer Kapazitäten (und manchmal auch darüber hinaus) gebracht. Da die regionalen Gesundheitsämter mit der Kontaktnachverfolgung voll und ganz beschäftigt waren, blieb dort für Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen keine Zeit mehr. In den letzten Monaten kamen wir daher kaum hinterher, Fragen nach Testmöglichkeiten zu beantworten. Unsere eigenen Testangebote, die wir einmal im Quartal in Kooperation mit dem Gesundheitsamt im Queeren Zentrum anbieten, bewerben wir schon gar nicht mehr richtig, da die verfügbaren Plätze ohnehin bereits Wochen im Voraus ausgebucht sind. Die Anfrage nach begleitenden HIV-Selbsttests hat bei uns ebenfalls zugenommen. Mit einem neuen Angebot, das uns HIV-, Hepatitis- C- und später auch Syphilis-Schnelltests ohne Ärzt*innen erlaubt, wollen wir eine weitere Lücke im Testangebot schließen. Darüber hinaus ist unser Präventionsteam aktuell so viel in Schulen unterwegs wie noch nie. Denn viele geplante Workshops sind über Monate der Schulschließungen ausgefallen und können nun endlich nachgeholt werden. Und es soll in diesem September auch noch einen „Präsenz- CSD“ in Trier geben, an dem wir uns natürlich ebenfalls als Ansprechpartner für LSBTIQ* präsentieren werden. CHECK WEST #1 9

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.