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CHECK West #1

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PARTNERSCHAFT Foto: ruslanshug_stock.adobe.com als sagen die sich: Wir haben jetzt bereits ein Jahr lang die Wirtschaft ruiniert, wir können nun nicht den Kurs ändern. Auch wenn uns Experten oder andere Länder zeigen, dass es Alternativen gibt. Die sind nicht unbedingt besser, aber es sind zumindest Alternativen. Man muss nicht in einer Situation feststecken, trotzdem verlässt man die Situation nicht, weil man denkt, man würde zu viel verlieren. Das ist die schlimmste Situation, in die man kommen kann. Man verstrickt sich immer weiter und die Investition wird immer größer: emotional, finanziell, zeitlich. Meinen Klient*innen rate ich dann, den Verlust abzuschreiben. Denn wenn man genau hinschaut, ist es kein Verlust. Man hat viel gelernt, über sich selbst und über das Leben. Man hat neue Informationen an der Hand für die Zukunft. Auch für eine bessere Zukunft. „WIR DENKEN OFT, DASS DIE LIEBE ALLE HÜRDEN ÜBERWINDEN KANN. DAS IST LEIDER NICHT SO.“ Oft möchte man sich aber einfach nicht eingestehen, dass man es nicht geschafft hat. Wir denken oft, dass die Liebe alle Hürden überwinden kann. Das ist leider nicht so. Es gibt Situationen, in denen Liebe nicht ausreicht. Sie ist so intensiv, das alles bestimmende Gefühl, was durch jede Ader dringt, was die Seele zum beben bringt, das einen innerlich zerreißt, und man nicht mehr klar denken kann. Ein Gefühl, das so groß ist, dass wir es nicht beschreiben können, reicht nicht aus, um jedes Problem zu überwinden. Das ist eine Einsicht, die fast genauso schmerzhaft ist, wie das Gefühl der Liebe selbst positiv ist. Deswegen vermeiden viele Menschen den Weg der Trennung. Wann ist Arbeit an der Beziehung nicht mehr konstruktiv? Streits und Auseinandersetzungen sind gut, solange man produktiv bleibt. Man muss gemeinsam ergebnisorientiert an einem Ziel arbeiten. Wenn der Streit persönlich wird, ist die Grenze bereits überschritten. Und es ist dann ganz schwierig, einen Weg zurückzufinden. 46 CHECK WEST #1

PARTNERSCHAFT Etwa wenn die/der Partner*in versucht, über Beleidigungen und Entwürdigungen Druck und Kontrolle auszuüben. Oder mit schwierigen Forderungen: Beweise mir deine Liebe, indem du etwas Bestimmtes machst oder nicht mehr machst. Wenn du das änderst, dann weiß ich, dass du mich liebst. Wenn du mir dein Handy gibst, damit ich alle deine Nachrichten sehen kann, weiß ich, dass du mich liebst. Das ist der falsche Weg. Wenn ein Mensch das Gefühl hat, er müsse eine Bedingung an einen anderen stellen, die dessen Intimsphäre, sein Inneres und seine Würde verletzen, geht es ab dem Moment nicht mehr um die Beziehung. Es geht dann darum, Kontrolle auszuüben. Sobald eine solche Entwürdigung in einer Beziehung passiert, lohnt auch kein Streit mehr. Entwürdigung wird allerdings sehr individuell empfunden. Was ist dein Rat, wenn man sich nicht sicher ist, ob die/der Partner*in zu weit gegangen ist? Sich selbst zu kennen, ist das Wichtigste. Und die Bereitschaft, sich die Dinge bewusst zu machen, die einem wichtig sind. Dann ist es auch sehr viel einfacher, die Erwartungen an die/den Partner*in zu formulieren. Je besser ich mich kenne und je mehr ich mit mir im Reinen bin, umso leichter ist eine Beziehung zu einem anderen Menschen. Man kann einen Streit auch als Anlass nehmen, an sich zu arbeiten und herauszufinden, was diese Problematik in der Beziehung in mir ausgelöst hat. Was ist mein Anteil daran, dass es so weit gekommen ist? Der Anteil kann allerdings auch sein, dass man nicht schon vor einem Jahr „Stop“ gesagt hat. Was, wenn man nun erkennt, dass man es schon zu weit mit sich hat treiben lassen? Hilft da noch eine Paarberatung? Eine Paarberatung, in welcher Form auch immer, kann eigentlich immer helfen. Und sei es auch nur, damit die Trennung sauberer geschieht. Zu meinen Klient*innen sage ich zuerst immer, dass ich garantieren kann, dass beide hier zufriedener rausgehen. Aber ich kann nicht versprechen, dass sie als Paar hinausgehen. Wenn man zu einer Paarberatung geht, sollte das Ziel sein, dass man zusammenbleibt. Man sollte jedoch offen dafür sein, dass es vielleicht gesünder für beide ist, wenn man nicht zusammenbleibt oder eine Pause einlegt. Aber eine professionelle Beratung hilft, sehr viel zu klären. Eigentlich immer. Hast du noch ein paar Tipps, um es vielleicht gar nicht erst so weit kommen zu lassen? Man sollte nie aufhören, an sich zu arbeiten. Aber es reicht nicht, nur die eigenen Fehler zu beseitigen. Man kann versuchen, sich selbst zu optimieren und die eigenen Stärken stärker zu machen. Also immer aus einer positiven Motivation heraus an sich und an der Beziehung arbeiten. In einer Partnerschaft muss man sich selbst in den Vordergrund stellen. Es gibt Situationen, da nimmt man sich zurück, um der/dem Partner*in zu helfen. Aber generell muss man im Alltag immer dafür sorgen, dass man in der besten Verfassung ist, ein/e gute/r Partner*in zu sein. Körperlich und geistig. www.svenrebel.de Häusliche Gewalt Von häuslicher Gewalt spricht man dann, wenn Personen innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten familiären, ehelichen oder eheähnlichen Beziehung physische, psychische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen. Bei akuter Bedrohung ruft bitte direkt die Polizei unter der Nummer 110. Unter der kostenfreien Rufnummer (0800) 1239900 können sich Männer melden, die beispielsweise von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen sind. CHECK WEST #1 47

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