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CHECK OST#2

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Vorsorge

Vorsorge Patientenverfügungen und Vollmachten Das eigene Schicksal in fremden Händen Interview und Foto: Bernd Müller Keiner spricht gern darüber – und dennoch können Dokumente wie Patientenverfügungen oder Behördenvollmachten eine geradezu lebenswichtige Rolle spielen. Andrea Brunner ist Diplom-Sozialpädagogin und Expertin zum Thema Vorsorge in der Beratungsstelle der Münchner Aids-Hilfe. Frau Brunner, Sie beschäftigen sich seit 30 Jahren für die Münchner Aids-Hilfe mit dem Thema Vorsorge und Patientenverfügungen. Warum? Vor 30 Jahren war die Situation für Menschen mit HIV/Aids ja noch deutlich schwieriger als heute. Die Medikamente griffen nicht so gut, das Thema Sterben, Pflegebedürftigkeit und Hilflosigkeit standen wesentlich mehr im Raum. Deshalb war es damals absolut notwendig, sich hier einzuarbeiten, um zunächst speziell diese Klientel unterstützen zu können. Mittlerweile hat sich mein Fokus aber deutlich erweitert. Klären wir zunächst: Was ist überhaupt eine Patientenverfügung? Das ist ein Schriftstück, in dem ich festlege, was passiert, wenn ich in eine lebensbedrohliche Situation geraten sollte. Es klärt, wie mit mir im Falle eines unumkehrbaren Sterbeprozesses verfahren wird, wie ich medizinisch begleitet werde und ob lebensverlängernde Maßnahmen ergriffen werden sollen. Das muss übrigens Punkt genau formuliert sein, denn es gibt ja auch Situationen, die nicht unumkehrbar sind – und aus denen möchte man natürlich gerettet werden. Apropos Punkt genaues Formulieren: Der Bundesgerichtshof hatte vor nicht allzu langer Zeit festgestellt, dass eine solche Verfügung unwirksam sein kann, wenn sie nicht eindeutig ist … … umso wichtiger dieser Hinweis. Uneindeutig wäre eine Formulierung wie „Wenn es mir sehr schlecht geht, sollen Maßnahmen zu meiner Rettung unterbleiben.“ Das ist zu weit gefasst, denn immerhin gibt es ja Situationen, in denen man zwar auf Hilfe Dritter angewiesen ist, die aber noch nicht so dramatisch sind, dass über lebenserhaltende Maßnahmen entschieden werden muss. Die Umstände sollten also klar formuliert sein, beispielsweise: „Wenn ich irreversible Hirnschäden habe“ oder „Wenn ich geistig nicht mehr in der Lage bin, mich klar zu äußern“. Je konkreter und persönlicher man das macht, desto eher ist es eine Hilfe für die Ärzte, Rettungssanitäter oder die Bevollmächtigten. Ist es sinnvoll, sich vor der Formulierung einer Patientenverfügung Unterstützung durch Dritte zu holen? Natürlich ist es gut, sich zunächst im Verwandten- oder Freundeskreis auszutauschen. Man muss ja auch genau hinsehen, wen man einsetzt, denn das ist die Person, die im Krisenfall Kontakt zu Ärzten suchen, meine Interessen durchsetzen und im Endeffekt über mein Schicksal bestimmen soll. 44 CHECK OST #2

Vorsorge Wo hinterlege ich eine solche Verfügung? Das Original sollte zu Hause aufbewahrt werden. Eine Kopie beim behandelnden Arzt, oder dem eingesetzten Vertreter zu hinterlegen, ist hilfreich. Man kann auch eine entsprechende Info im Geldbeutel deponieren, da schauen Pflegekräfte ja gern mal rein, wenn sie beispielsweise ein Unfallopfer aufnehmen. Wie verfasse ich ein solches Dokument? Man kann das theoretisch auf ein Blatt Papier schreiben und unterzeichnen. Viele Kommunen, wie zum Beispiel die Betreuungsstelle der Landeshauptstadt München, stellen aber Vordrucke zur Verfügung, die man besser verwenden kann. In komplexeren Zusammenhängen empfehle ich einen Notar. Fazit: Ob Patientenverfügung, Behörden- oder Bankvollmachten – diese Dokumente zu erstellen, kann lebenswichtig sein. Und übrigens nicht erst gegen Ende des Lebens. Es kann ja sein, dass ich zwar nicht ganz so schwer erkrankt bin, aber etwas vorliegt, das mich dauerhaft hindert, meine Geschäfte zu betreiben. Dann ist es wichtig, dass eine Person meines Vertrauens existiert, die die Kommunikation mit Ämtern, Behörden oder Versicherungen in die Hand nimmt und Bankgeschäfte tätigen kann. Mein Tipp: Wenn es um Geld oder Sachwerte geht, sollte man zudem regeln, wie umfangreich der Zugriff der dritten Person auf die eigenen Finanzen sein darf. Und was passiert, wenn keine Verfügung oder Vollmacht existiert? Dann greifen die gesetzlichen Regelungen und der Arbeitsauftrag des Arztes. Ohne schriftliche Formulierung können Verwandte, Lebenspartner oder Freunde zwar Hinweise darauf geben, was der Patient wohl gewollt hätte. Dennoch liegt die letzte Entscheidung dann beim behandelnden Arzt. Das lässt sich vermeiden. andrea.brunner@muenchner-aidshilfe.de, www.muenchen.de/betreuungsstelle CHECK OST #2 45

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