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CHECK NRW #1

GESUNDHEIT MYTHOS

GESUNDHEIT MYTHOS IMPFUNG Deutschland ist im Impffieber – dennoch gibt es zahllose Skeptiker, die einer Impfung misstrauen. Dabei gehören Impfungen zu den wirksamsten Maßnahmen, um Infektionskrankheiten zu vermeiden. Man schützt damit nicht nur sich selbst, sondern indirekt auch nicht geimpfte Menschen, da impfen die weitere Verbreitung einer Infektionskrankheit stoppen oder verringern kann. Wir haben für euch die größten Mythen und Missverständnisse zum Thema Impfschutz zusammengefasst. Grafik: photoroyality_freepik.com „IMPFUNGEN SIND ÜBERFLÜSSIG, WEIL KRANKHEITEN AUCH MIT ANTIBIOTIKA BEHANDELT WERDEN KÖNNEN.“ Die Behandlungsmöglichkeiten sind natürlich besser als früher. Aber man muss wissen, dass Antibiotika lediglich gegen bakterielle Infektionen helfen. Viren gegenüber sind Antibiotika unwirksam. Ein großes Problem sind auch sogenannte Antibiotikaresistenzen, die die Behandlungsmöglichkeiten von bakteriellen Erkrankungen immer mehr gefährden. Einige bakterielle Erkrankungen sind auch äußerst schwer zu behandeln. So können unter anderem Tetanusinfektionen, bakterielle Hirnhautentzündungen und Keuchhusten selbst unter modernen Behandlungsbedingungen tödlich verlaufen. Impfungen dienen der Prophylaxe von Infektionen und können so Erkrankungen verhindern, sodass eine Therapie nicht mehr notwendig ist. Nicht jede Impfung schützt zu 100 Prozent vor einer Infektion, kann aber zumindest den Verlauf abschwächen. „MAN KANN TROTZ IMPFUNG ERKRANKEN.“ Keine einzige Impfung kann ausnahmslos alle Geimpften schützen. Jedoch können Impfungen die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich senken. Bei der Grippeimpfung etwa schützt sie je nach Alter und Gesundheitszustand etwa 40 bis 75 Prozent der Geimpften vor Grippe, wobei die Impfung bei alten Menschen in der Regel am schlechtesten anschlägt. „ES GIBT ÄRZT*INNEN, DIE VOM IMPFEN ABRATEN.“ Nur wenige Ärzt*innen sind gänzlich gegen das Impfen. Allerdings finden sich manche, die eine kritische Haltung gegenüber einzelnen Impfungen einnehmen. Das heißt aber nicht, dass es dafür unbedingt wissenschaftliche Gründe gäbe. Auch persönliche Erfahrungen, religiöse oder philosophische Überzeugungen spielen hierbei eine wichtige Rolle. EINE DISKUSSION ÜBER NUTZEN UND NACHTEILE VON IMPFUNGEN IST VÖLLIG LEGITIM. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte e.V. (DZVhÄ) hob in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2002 hervor, dass eine Diskussion über den Nutzen und Nachteil von Impfungen völlig legitim sei und die Entscheidung dafür oder dagegen individuell getroffen werden müsse. Gleichzeitig aber bekräftigte der DZVhÄ die Bedeutung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut. Deren Empfehlungen seien „sorgfältig erwogen und berücksichtigen den aktuellen Stand des Wissens mit der Absicht, das Auftreten vieler Infektionskrankheiten grundsätzlich zu verhindern.“ „IMPFUNGEN SCHÜTZEN NICHT LANGFRISTIG UND MÜSSEN STÄNDIG WIEDERHOLT WERDEN.“ Ob eine Impfung wiederholt werden muss oder 42 CHECK NRW #1

GESUNDHEIT nicht, ist von Impfstoff zu Impfstoff unterschiedlich. Bei Tetanus, Diphtherie, Polio oder Keuchhusten bietet eine Impfung gegen diese Krankheiten fünf bis zehn Jahre Schutz – danach sollte sie wiederholt werden. Einen wesentlich kürzeren Schutz bietet eine Grippeimpfung: Da sich der Grippeerreger enorm schnell verändert, müssen gefährdete Personen den Immunschutz jedes Jahr mit einem neu zusammengesetzten Impfstoff auffrischen lassen. Das bedeutet aber nicht, dass dieser Impfschutz weniger effektiv ist. Eine jährliche Grippeschutzimpfung kann bei chronisch Kranken oder alten Menschen das Risiko für lebensbedrohliche Erkrankungsverläufe verringern. Auch eine Immunisierung gegen Tetanus im 10-Jahres-Turnus erscheint angesichts der mitunter tödlichen Infektion als ein geringer Aufwand. „MIT IMPFUNGEN WILL DIE PHARMA- INDUSTRIE NUR GESCHÄFTE MACHEN.“ Privatwirtschaftliche Unternehmen in allen Branchen haben ein legitimes Interesse, mit ihren Produkten Geld zu verdienen. Die Pharmaindustrie macht hier keine Ausnahme. Es gibt aber einen großen finanziellen Unterschied zwischen dem Geschäft mit Arzneimitteln und dem mit Impfstoffen. Von den knapp 194 Mrd. Euro, die die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2014 ausgegeben hat, entfielen 33 Mrd. Euro (17%) auf Arzneimittel und lediglich etwas mehr als 1 Mrd. Euro (0,65%) auf Impfstoffe. Ein Grund dafür ist, dass Medikamente etwa von chronisch Kranken ein Leben lang eingenommen werden müssen, während Impfstoffe in der Regel nur wenige Male verabreicht werden. Aus Sicht der Pharmaindustrie ist das Geschäft mit Impfstoffen auch deshalb weniger attraktiv, weil die Herstellung von Impfstoffen weitaus komplexer und teurer ist als die von Arzneimitteln. So gibt es weltweit immer weniger Impfstoffhersteller, wozu auch wirtschaftliche Erwägungen beigetragen haben dürften. (ts,dgg,dcl) IMPFEN GEGEN CORONA - DIE HÄUFIGSTEN FRAGEN IM ÜBERBLICK Stand: Februar 2021 Wie sicher ist die Impfung? In Deutschland wird ein Impfstoff nur dann zugelassen, wenn er alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms erfolgreich bestanden hat. Diese nationalen und internationalen Qualitätsstandards gelten wie bei allen anderen Impfstoff- Entwicklungen auch bei der Zulassung einer Coronavirus- Impfung. Wie oft muss die Impfung wiederholt werden? Bei den am weitesten fortgeschrittenen Impfstoff-Kandidaten ist davon auszugehen, dass zwei Impfdosen im Abstand von wenigen Wochen für den Aufbau eines Immunschutzes nötig sind. Wird es eine Impfpflicht geben? Nein. Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig. Quelle: Bundesregierung Quellen: RKI, BZgA Die wichtigsten Impfungen für Erwachsene in Deutschland sind: • Diphtherie • FSME (Frühsommer- Meningoenzephalitis) • Grippe (Influenza) • Gürtelrose (Herpes zoster) • Keuchhusten (Pertussis) • Masern • Pneumokokken • Polio (Kinderlähmung) • Röteln • Tetanus (Wundstarrkrampf) • Mumps CHECK NRW #1 43

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