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CHECK Nord #2

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COMMUNITY BODY SHAMING

COMMUNITY BODY SHAMING NO FATS, NO FEMS! Bodyshaming, also das Diskriminieren eines Menschen aufgrund seiner äußerlichen Merkmale, ist ein ebenso problematisches wie häufiges Phänomen und trifft inzwischen immer mehr Männer – gerade in der schwulen Community. Was macht es mit einem, was steckt dahinter und warum ist der ideale Körper das Maß der Dinge? Wir sprachen mit einem Betroffenen und einem Experten über ein Phänomen, das Menschen in tiefe Krisen stürzen kann. „Du bist so fett. Das ist so ekelhaft. Dich würd´ ich nicht mal mit Gummihandschuhen anfassen!“ Das sind noch die harmloseren Sätze, die René im letzten Jahr auf seinen Social Media-Profilen vorgefunden hat. „Immerhin ganze Sätze“, lacht er, obwohl er zugibt, dass ihm manchmal zum Heulen zumute ist. René ist 27, kommt aus der bayerischen Oberpfalz und ist eine beeindruckende Erscheinung. „Meine ganze Familie ist stämmig. Wir essen gut und gern!“, so der Einzelhändler, der mit seinen 1,90 Metern 125 Kilos auf die Waage bringt. Dass er damit nicht gängigen Schönheitsidealen entspricht, ist ihm klar. Doch er geht offen damit um: „Ich werde nie ein schlanker Mann sein und das stört mich auch nicht.“ Andere scheint es hingegen durchaus zu stören. Wegen seines Äußeren erfährt er immer wieder Ablehnung, gerade auf Dating-Apps. „Wem ich zu stark bin, der ist mir zu schwach“, sagt er selbstbewusst, gibt aber zu, im letzten Jahr ein Foto in Badehose von seinem Profil gelöscht zu haben. Irgendwann wurden ihm die oft „witzig gemeinten“ Posts zu viel und die Kommentare machten selbst ihn mürbe. „Ich bin ein Bär – nehmt mich, wie ich bin!“, ist in seinem Profiltext zu lesen. Und immerhin tun das viele. „Ich bekomme auch tolle Zuschriften von Leuten, die mich gut finden – über die freue ich mich. Die anderen versuche ich zu ignorieren.“ René will jedenfalls weder abnehmen noch sein Profil löschen. René ist mit seinem Übergewicht ein typisches Opfer von Bodyshaming, gerade in 36 CHECK NORD #2

„Schwein“ COMMUNITY „ekelhaft“ Foto: pict rider_stock.adobe.com der schwulen Szene. Das US-amerikanische Journal „Psychology of Sexual Orientation and Gender Diversity“ veröffentlichte eine Studie, derzufolge gerade die schwule Community besonders hart mit übergewichtigen Menschen ins Gericht geht – deutlich härter als beispielsweise heterosexuelle Umgebungen. „LASST DOCH DIE LEUTE, WIE SIE SIND, UND LASST SIE IN RUHE!“ Doch so selbstsicher wie René weiß nicht jeder, mit einem scheinbaren körperlichen Defizit umzugehen. Für viele bedeutet Bodyshaming eine Herabsetzung nicht nur ihres Körpers, sondern ihrer ganzen Person, einer Lebensweise. Und diese Herabsetzung kann enorme Folgen haben: Isolierung und Depression bis hin zu Selbstverletzung, ja sogar Selbsttötung. Viele, die selbstgerecht bodyshamen, nehmen diese Konsequenzen leichtfertig oder gar bewusst in Kauf. Das Internet bietet ihnen dazu häufig den notwendigen Schutz durch Anonymität. Um diesen Trend umzukehren und Bodyshaming zu reduzieren, ist nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch der Gesetzgeber gefragt. Man wünscht sich, alle würden sich den Satz von René zu Herzen nehmen: „Lasst doch die Leute, wie sie sind – oder lasst sie in Ruhe!“ (bm) CHECK NORD #2 37

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.