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CHECK Berlin/Brandenburg #6

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TRANS* Interview:

TRANS* Interview: Torsten Schwick Foto: Good Studio_stock.adobe.com DEAD NAMES, HARRY POTTER UND EMPOWERMENT Aus dem Alltag der Trans*Beratung Lüneburg Als Teil des Checkpoint Queer in Lüneburg hilft die Trans*Beratung seit 2014 in allen Fragen rund um das Thema Trans*. Drei Mitarbeiter*innen kümmern sich aktiv um die Betreuung von Gruppen- und Beratungsangeboten mit einer Datenbank von etwa 150 Leuten, die sich bei Bedarf melden. Wir sprachen mit Dr. phil. Daniel Masch, der selbst auch trans* ist und die Beratungsstelle leitet. Was sind die häufigsten Fragen, mit denen sich Klient*innen an euch wenden? Es gibt im Grunde zwei große Bereiche, aus denen die Menschen kommen. Einerseits suchen sie Informationen zur Transition. Nicht nur von medizinischer Seite, sondern auch zur rechtlichen Transition, etwa mit Fragen wie „Wie kann ich meinen Namen oder Personenstand ändern?“ Und dann gibt es soziale Transitions- Themen: Wie kann ich ein besseres Passing erreichen? Wie kann ich besser so aussehen oder mich geben, dass ich eindeutiger gelesen werden kann? Der andere Bereich ist der psychosoziale Bereich. Da geht es um Outing-Beratung oder Beziehungsunterstützung in Form einer Familienberatung, Partnerschafts- oder Paarberatung. Wir begleiten auch an- und zugehörige Menschen. Was treten da für Probleme auf, wenn in einer Partnerschaft ein/e Partner*in nun trans* ist? Oft ist es erst einmal so, dass An- und Zugehörige den Prozess nicht so recht einschätzen können. Sie wissen nicht, was das eigentlich bedeutet. Damit gehen sie dann meistens zu einer Angehörigenberatung, wo wir Strategien entwickeln, um einerseits den eigenen Prozess als Partner*in selbst gut zu managen. Andererseits helfen wir dabei, Wege zu finden, 76 CHECK BERLIN/BRANDENBURG #6

TRANS* um die*den Partner*in während der Transition zu begleiten und zu unterstützen. Da müssen ganz viele selbstklärende Prozesse passieren, in allen Bereichen der Partnerschaft. Was meinst du mit selbstklärend? Nehmen wir mich als Beispiel: Ich bin ursprünglich mit meinem Partner zusammengekommen augenscheinlich als Frau. Zwar habe ich mich immer schon schwul gefühlt, aber er dachte eben, ich sei eine Frau, weil ich auch noch so aussah. Für ihn lag dann die Herausforderung darin, seinen Platz als schwuler Mann in der Welt zu finden, da er ja nun in einer schwulen Ehe lebt. Unsere Partnerschaft ist ein großer Teil unserer Identität. Er stand also vor der Tatsache, dass er nun ein schwuler Mann ist. Er fragte sich also, was das nun für ihn bedeutet, wie er damit umgeht oder darüber redet. Es war kein Thema für ihn, schwul zu sein, aber es war eben ungewohnt. Damit rechnet man ja auch nicht unbedingt … Er erlebte dann teilweise Situationen, in denen er merkte, dass die Leute davon ausgehen, er lebe mit einer Frau zusammen. Aber das stimmt ja nicht. Auch wenn das nicht so belastend für ihn war, musste er erst einmal schauen, wie er mit solchen diskriminierenden Erlebnissen umgeht: Um ihn herum besteht eine Heteronormativität, gleichzeitig will er nicht lügen oder die eigene Familie verheimlichen. Wie sagt man das den Leuten, ohne ihnen vor den Kopf zu stoßen oder sich selbst zurückzustellen? Wie geht ihr in der Beratung dann damit um? Der wichtigste Hinweis ist eigentlich: Bisschen den Druck rausnehmen und es auf sich zukommen lassen. Wenn die*der Partner*in den Geschlechtsausdruck wechselt, ist die erste Reaktion oft: Ich stehe ja eigentlich auf das andere Geschlecht. Was machen wir denn da jetzt? Dann muss man spüren: Wieviel stehe ich eigentlich auf dich und wieviel stehe ich auf deinen Körper? Wieviel deiner Liebe gilt dem eigentlichen Menschen? Schaue einfach Tag für Tag. Die Veränderungen geschehen ja nicht von heute auf morgen, sondern sehr langsam. Zudem kann man natürlich schauen, welche typischen Veränderungen es gibt, etwa rund um die Sexualität. Was muss ich bedenken, wenn ich eine Hormontherapie mache? Was verändert sich dadurch an meiner Sexualität? Da gibt es so bestimmte Dinge, die passieren standardmäßig. Dann gibt es Dinge, die eher selten vorkommen, auf die wir aber auch hinweisen. Einfach, damit die Menschen schon einmal davon gehört haben und es sie nicht völlig überraschend trifft. Das klingt echt spannend! Oder ist das ein blödes Wort, um diese Prozesse zu beschreiben? Es ist spannend. Und ich finde es auch schön, zu sagen, es ist spannend. Besser als „Gott, das ist so viel oder so groß.“ Spannend macht Neugier. Und Mut. Mut ist hier bestimmt sehr wichtig! Und den brauchen auch Eltern. Was sind die besonderen Fragen, die Eltern von Klient*innen haben? Selbst ganz offene, liebe, nette und unterstützende Eltern haben standardmäßig so bestimmte Themen, etwa: Habe ich etwas falsch gemacht? Wer hat Schuld? Und es ist für alle Beteiligten ungemein schön herauszufinden, dass niemand Schuld hat. Weder die Person, die sich verändern wird, noch die Eltern oder das Umfeld. Es ist einfach etwas, das so ist. Auch ein beliebtes Thema: Hätte ich etwas anders machen können, damit mein Kind sich in seiner Identität wohlfühlt? Und dann kommt häufiger die Frage: Was, wenn ich mein Kind nicht mehr erkenne? Hier lautet die Antwort: Dein Kind bleibt dein Kind und es wird sich auch vom Wesen nicht grundlegend verändern. So etwas zu wissen, nimmt natürlich viele Ängste raus. Aber es gibt ja auch Probleme von Seiten der Gesellschaft. Was taucht da immer wieder auf? Oft geht es um das richtige Gendern oder um Diskriminierungserfahrungen, gerade auch auf der Arbeit. Ich gehe viel in Unternehmen und Schulen und mache dort Workshops. Wenn alle das Thema Trans* und Nicht-Binarität einmal verstanden haben oder zumindest eine Idee davon haben, was das alles bedeutet, nimmt die Diskriminierung meist stark ab. Die Leute verstehen dann schnell: Er oder sie lebt halt jetzt als Frau oder Mann. Dann ist eine Transition kein Aufregerthema mehr. Wie sieht es innerhalb der LGBTQI*- Community aus? Probleme gibt es natürlich auch immer wieder in der Regenbogen-Community. Wir haben bei- CHECK BERLIN/BRANDENBURG #6 77

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blu, hinnerk, gab, rik, Leo – die Magazine der blu Mediengruppe erscheinen monatlich in den Metropolen Deutschlands. Die nationale Reichweite der Magazine ermöglicht den reisefreudigen Lesern Zugriff auf alle Informationen immer und überall. Themenschwerpunkte sind neben der regionalen queeren Szene, Kultur, Wellness, Design, Mode und Reise. Unsere Titel sind mit der lokalen Community jahrzehntelang gewachsen und eng verbunden, was durch Medienpartnerschaften mit den CSD-Paraden in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt sowie zahlreiche Kooperationen, wie der Christmas Avenue in Köln, seinen Ausdruck findet.